Grün
Fliegerbombe

Weißenbrunn: Männer suchten nach Pilzen und fanden Fliegerbombe

Einen Schreck bekamen drei Pilzsammler, die bei Grün auf eine Fliegerbombe aus dem 2. Weltkrieg stießen. Warum der Sprengsatz im Wald lag, ist unklar.
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Florian Seuß (vorne) und Michael Wich zeigen, wo sie am Sonntag eine Fliegerbombe fanden, während sie nach Pilzen suchten. Foto: Andreas Schmitt
Florian Seuß (vorne) und Michael Wich zeigen, wo sie am Sonntag eine Fliegerbombe fanden, während sie nach Pilzen suchten. Foto: Andreas Schmitt
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Florian Seuß kennt sie, die Wiesen und Wälder des Landkreises Kronach. Regelmäßig ist er mit Bekannten und Verwandten unterwegs, um frische Pilze für den heimischen Kochtopf zu sammeln. So auch am Sonntagnachmittag, als der Thonberger, sein Schwiegervater und sein Onkel in der Nähe von Grün (Gemeinde Weißenbrunn) ihre Runden drehten. Essbares brachten sie diesmal jedoch nicht mit nach Hause. Statt auf Pfifferling, Steinpilz und Co. stießen die drei Männer zwischen Efeu und Laub auf eine deutsche Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg.


Dose vermutet

Es war gegen 12.45 Uhr, als Florian Seuß etwas Metallenes aus dem Erdreich schimmern sah."Ich dachte an eine alte Dose", sagt der 24-Jährige, der mit seinen Füßen etwas Laub wegscharrte und dann den Gegenstand aufhob. "Als ich gemerkt habe, was ich da in der Hand halte - das war schon ein Schreck."


Kriegsgerät statt Metallschrott

Bei dem Gegenstand handelte es sich nämlich nicht um Schrott oder Müll, sondern um mindestens sieben Jahrzehnte altes Kriegsgerät. Florian Seuß hatte eine Kleinbombe mit der Bezeichnung SD1 in der Hand, die im Zweiten Weltkrieg als Streubombe aus Flugzeugen abgeworfen wurde.


Schnell weggelaufen

"Ich habe sie sofort weggelegt, wir sind schnell weggelaufen und haben einen Notruf abgesetzt", erinnert sich Seuß, der Glück hatte, dass die Bombe nicht explosionsfähig war. "Es war kein Zündplättchen vorhanden", sagt Manfred Fugmann, Pressesprecher der Polizeiinspektion Kronach, über die Bombe mit einer Sprengkraft von zwei Handgranaten. "Sonst hätte sie auch nach so vielen Jahren noch explodieren können."


Blindgänger immer möglich

Deshalb rät Fugmann: "Abstand halten und die Polizei rufen." Schließlich sei der Kronacher Raum zwar kein Zentrum des Bombenkriegs gewesen und habe man in letzter Zeit "eher selten bis gar nicht" Kriegsmaterial gefunden. Ausschließen könne man aber nichts. "Es kann immer wieder Blindgänger wie diesen geben." Am Sonntag sperrte die Polizei das Gelände weiträumig ab. "Eine Gefahr für die Bewohner von Grün bestand aber zu keiner Zeit, dazu war der Ort zu weit vom Fundort entfernt", sagt Fugmann. Beendet war der Einsatz, als eine beauftragte Firma die Bombe mit Spezialgerät abtransportierte und im mittelfränkischen Feucht fachgerecht entsorgte.


Historie des Abwurfs unklar

Der historische Hintergrund des Bombenabwurfes in das Waldstück bei Grün ist indes vollkommen unklar. "Ältere erzählen, dass aus Richtung Wildenberg/Schmölz mit Mörsergranaten herübergeschossen wurde", berichtet Florian Seuß, dass es im Raum Grün Kämpfe gab.

Das Auftauchen einer deutschen Fliegerbombe aber ist überraschend. Zwar sei nicht ausgeschlossen, dass letzte verfügbare deutsche Fliegerverbände versucht hätten, die Alliierten von der Luft aus zu stoppen. Wahrscheinlicher sei aber - so Florian Seuß und Manfred Fugmann übereinstimmend -, dass die Bombe vor gut 70 Jahren genauso zufällig im Wald landete wie sie am Sonntag von drei Pilzsammlern gefunden wurde.
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