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Kronach
Palliativversorgung

Sterben in würdevoller Umgebung ermöglichen

Der Hospizverein Kronach und das Hospiz-Palliativzentrum in Bamberg sind bestrebt, im Landkreis Kronach eine Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung (SAPV) zu etablieren. Dadurch soll die Versorgung schwerstkranker und sterbender Menschen in der vertrauten Umgebung zu Hause bis zum Tod ermöglicht werden.
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Peter Wolf und Jan Wolf gehören zum Team des Hospiz-Palliativzentrums Bamberg. Mit im Bild: der Leitende Arzt des Zentrums, Jörg Cuno (Mitte). Foto: Veronika Schadeck
Peter Wolf und Jan Wolf gehören zum Team des Hospiz-Palliativzentrums Bamberg. Mit im Bild: der Leitende Arzt des Zentrums, Jörg Cuno (Mitte). Foto: Veronika Schadeck
Der Hospizverein Kronach und das Hospiz-Palliativzentrum in Bamberg sind bestrebt, im Landkreis Kronach eine Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung (SAPV) zu etablieren. Dadurch soll die Versorgung schwerstkranker und sterbender Menschen in der vertrauten Umgebung zu Hause bis zum Tod ermöglicht werden.
Der Urologe Jan Wolf und der erste Vorsitzende des Hospizvereins und Anästhesiologe, Peter Witton sind derzeit die Einzigen im Landkreis, die eine Zusatzausbildung "Palliativmedizin" absolviert haben. Sie gehören zum Team des Hospiz-Palliativzentrums.

Beziehung entwickelt sich

Für beide Ärzte gehört der Umgang mit kranken Menschen zum Alltag. "Das hat mich geprägt", so Jan Wolf. Oft seien seine Patienten Krebskranke, die während eines Jahres mehrmals die Praxis aufsuchen, so Wolf. Im Laufe der Monate, beziehungsweise Jahre, entwickele sich da eine Beziehung.
Deshalb sei auch der Wunsch gewachsen, über seine Praxis hinaus, schwerstkranke und sterbende Menschen zu begleiten.
Er sei seit knapp 20 Jahren Mitglied im Hospizverein Kronach, so der Facharzt für Anästhesiologie, Peter Witton. "Das prägt!". Er beende nun im August sein Berufsleben und er habe überlegt, wie er das Rentnerleben sinnvoll gestalten könnte. Deshalb habe er sich für diese Zusatzausbildung entschieden. Während der 160 Stunden umfassenden Ausbildung wurden Arbeitstechniken wie Fallvorstellungen, Rollenspiele, Kleingruppenarbeit, Impulsreferate etc eingesetzt, erzählt Wolf. Inhalte waren unter anderem die aktuelle Entwicklung der Palliativmedizin mit ihren Versorgungsstrukturen, Psychosoziale und spirituelle Aspekte sowie die Wahrnehmung. Obwohl er als Facharzt eine qualifizierte Ausbildung im medizinischen Bereich absolviert habe, obwohl er mehrjährige berufliche Erfahrungen vorweisen könne, seien die Ausbildung und auch der Einsatz im palliativen Bereich mit neuen Erkenntnissen verbunden gewesen.

Denn nicht die Heilung eines Patienten stehe bei der Palliativmedizin im Mittelpunkt, sondern die Befreiung oder zumindest die Linderung von schwerwiegenden körperlichen und psychischen Symptomen, wie Schmerzen, Atemnot, Husten, Verwirrtheit, Unruhe. Dazu gehört auch die offene Kommunikation mit dem schwerkranken, beziehungsweise sterbenden Patienten, dessen Angehörigen und mit einem Team, das die ganzheitliche Betreuung ermöglicht. Dazu, ergänzt der leitende Arzt des Palliativzentrums Jörg Cuno, können ausgebildete Pflegekräfte, Seelsorger, Psychologen, Sozialarbeiter etc. gehören.

Sowohl Jan Wolf als auch Peter Witton räumen ein, dass ihre Tätigkeiten im palliativen Bereich Spuren hinterlassen haben. "Ich habe gelernt, das Leben bewusster zu leben, mich über Kleinigkeiten zu freuen!" Und: "Ich habe für mich den Anspruch erhoben, meine Patienten bis zuletzt zu begleiten."
Er gehe an keinem Zimmer mehr vorbei, indem ein Sterbender liegt, so Witton. Manchmal kann man auch in den letzten Stunden helfen, beispielsweise wenn es um Versöhnung mit den Familienangehörigen oder den Kindern geht.

Trost spenden und Mut machen

Künftig werden nun Peter Witton in seinen Rentnerleben und Jan Wolf - abends und an den Wochenenden - als "ausgebildete" Palliativmediziner im Einsatz sein. Sie sind also "Stützpunkte" des Palliativzentrums Bamberg. Beide werden sich bei Patienten um die letzte Phase ihres Lebens kümmern. Wenn diese also "austherapiert" sind, wenn die klassische Medizin aufgibt, wenn Heilung und Genesung keine Option mehr bieten, dann sind sie vor Ort. Sie werden Trost spenden, Mut machen, letzte Fragen klären, den oftmals überforderten Angehörigen helfen. Denn, so Witton: "Sterben ist ein Teil des Lebens. Uns geht es darum, bis zuletzt menschenwürdige Bedingungen zu garantieren." Wünschen würden sich beide und auch Jörg Cuno, dass sich mehr Ärzte und Pflegekräfte für eine Weiterbildung in diesem Bereich entscheiden würden. Denn bisher wird der Landkreis Kronach von Jörg Cuno und seinem mobilen Einsatzteam versorgt.

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