Kronach
Komödien-Klassiker

Spritzige Aufführung der "Feuerzangenbowle"

Das Altonaer Theater adaptierte den Kultfilm "Die Feuerzangenbowle" für die Bühne und zeigte im Kronacher Kreiskulturraum beste Unterhaltung mit viel Witz und Charme. Bereits die Premiere am Freitagabend begeisterte.
Artikel drucken Artikel einbetten
Das Altonaer Theater verzauberte beim Komödien-Klassiker "Die Feuerzangenbowle" ihr Kronacher Publikum mit viel Witz und Charme. (Ulrich Meyer-Horsch - alias Dr. Johannes Pfeiffer - ist der Herr mit der orangen Fliege) Fotos: Schülein
Das Altonaer Theater verzauberte beim Komödien-Klassiker "Die Feuerzangenbowle" ihr Kronacher Publikum mit viel Witz und Charme. (Ulrich Meyer-Horsch - alias Dr. Johannes Pfeiffer - ist der Herr mit der orangen Fliege) Fotos: Schülein
+9 Bilder
"Wat is ene Dampfmaschin?", "Sä send albern" oder natürlich der "Pfeiffer mit drei f - eins vor, zwei hinter dem Ei": Aus dem unerschöpflichen Fundus der "Feuerzangenbowle" mit ihren geradezu sprichwörtlich gewordenen Redewendungen wird immer noch humorvoll zitiert. Seit der berühmten Verfilmung mit Heinz Rühmann ist die Geschichte um den Pennäler Hans Pfeiffer, seine Mitschüler und die herrlich verschrobenen Lehrerfiguren mit all ihren kleinen und großen Macken einem Millionenpublikum bekannt. Auch in Kronach wollte bereits bei der Premiere ein volles Haus, darunter viele Schüler und Lehrer, den humorvollen Dauerbrenner miterleben und das gleich vornweg - sie alle kamen auf ihre Kosten.

Die Handlung ist bekannt: Der junge, erfolgreiche Schriftsteller Dr.
Johannes Pfeiffer lässt sich an einem "bowlenseligen" Abend in einer Runde munterer, erzählfreudiger, älterer Herren zu einer - im wahrsten Sinne des Wortes - "Schnapsidee" anstiften - nämlich sich als Pennäler in einem Gymnasium im Bamberg einzuschleichen. Der Grund dafür ist der, dass der Schriftsteller in seiner Schulzeit nie auf einer richtigen Penne war, sondern Privatunterricht erhielt. Damit - so das ebenso vernichtende wie einstimmige Urteil seiner "Zechkumpanen" - habe er das schönste vom Leben gar nicht mitbekommen; er sei gar kein richtiger Mensch. Also gelte es, das Versäumte schnellstens nachzuholen. Und das macht Pfeiffer dann auch - und wie...

Lehrer haben keine Chance

In Knickerbockern und als Oberprimaner verkleidet, fühlt er sich rasch pudelwohl in seiner neuen Rolle als Klassenclown, der es faustdick hinter den Ohren hat und den Schulalltag gemeinsam mit seinen Mitschülern auf den Kopf stellt - zum Leidwesen der leicht verschrobenen Lehrerschaft, die dem gewitzten Tunichtgut bei all seinen verspäteten Lausbubenstreichen kaum beikommen kann. Dabei werden ausgiebig die wichtigsten Kommandos befolgt - wie "Jetzt stelle mer uns amal ganz dumm!" oder "nur änen wänzägen Schlock" in der kultigen Unterrichtsstunde zur "alkoholischen Gärung", die dank Pfeiffer zu einem einzigen Fiasko wird - zur großen Freude des Publikums.

Riesen-Gelächter auch, als der Pedant Crey mit seiner undefinierbaren, dafür aber umso einprägsameren Mundart immer wieder sein "Sä send albern" in die Runde schmettert oder als Pfeiffer - entsprechend hergerichtet - selbst den stocksteifen Professor gibt und ausgerechnet an diesem Tag die Oberschulrätin Creys Eignung als zukünftigen Schuldirektor prüfen soll. Herrlich die Szene, als sich der echte und "nachgemachte" Crey Auge in Auge gegenüberstehen.

Durch diese tolle Parodie verdiente sich Pfeiffer - alias Ulrich Meyer-Horsch - nicht nur immer wieder donnernden Szenenapplaus des vor Lachen fast schon über den Stühlen hängenden Publikums, sondern auch die Hand der engelsgleichen Tochter vom Direktor, Eva Knauer, die Pfeiffer gegen seine schöne, aber herrische und oberflächliche Braut Marion eintauscht. Eine weise Entscheidung!

Zweieinhalb Stunden tolle Unterhaltung

Happy-End also für fast alle Beteiligten, insbesondere aber für das begeisterte Publikum, das sich an zweieinhalb Stunden glänzender und kurzweiliger Unterhaltung erfreuen durfte. Dafür sorgte aber nicht nur der große Kultroman mit all seinen genialen Einfällen, sondern auch eine erstklassige Schauspieler-Riege, die vom Regisseur Axel Schneider - langjähriger Leiter der Hamburger Kammerspiele und des Altonaer Theaters - für diese Produktion zusammengestellt wurde.

Und da passte einfach alles: vom kauzig-abwesenden Professor Crey über den verschlampt-gemütlichen, herzensguten Lehrer Bömmel mit seinem "Kölle" Dialekt bis hin zum verplanten Melworm und dem verschnarchten Husemann. Allen merkte man an, wie wohl sie sich auf der Bühne und in ihren Rollen fühlten, was vielleicht auch mit Erinnerungen an die eigene Schulzeit zusammenhing. Da stimmte jede Bewegung, jeder Gesichtsausdruck und die Gags zündeten teilweise im Sekundentakt!

Erklärter Publikumsliebling war natürlich Ulrich Meyer-Horsch, der in seiner Rolle als Pfeiffer vollends aufging und dem der Schalk in den Augen deutlich anzumerken war. Eine erstklassige Wahl! Sie alle boten ein höchst vergnügliches Theater-Spektakel und eine nostalgische Zeitreise in die Vergangenheit, bei der die legendären Filmfiguren im Kreiskulturraum wieder zum Leben erwachten. Und das war einfach herrlich anzuschauen!

Besetzung: Dr. Johannes Pfeiffer: Ulrich Meyer-Horsch, Justizrat Fleisch/Dr. Knauer: Klaus Falkhausen, Professor Bömmel: Heinz Lieven, Professor Crey: Johann Christof Wehrs, Frau Windscheid/Oberschulrätin: Hannelore Droege, Eva Knauer/Marion: Caroline Dietrich, Der kleine Luck: Markus Mössmer, Rudi Knebel: Guido Bayer, Husemann: Rune Jürgensen, Rosen: Mark Felske, Ackermann: Christoph Mannhardt, Melworm: Lars Ceglecki
Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren