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Nordhalben
Zeitzeugen

Splitter tötete kleinen Bruder beim Beschuss Nordhalbens

Fünf Nordhalbener erinnerten an die Schrecken der letzten Kriegstage. Sie ließen die Besucher einer KAB-Veranstaltung zum Beschuss des Ortes vor 70 Jahren tief in ihr Seelenleben blicken.
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Moderator Bernd Sorgenfrei (Zweiter von links) sprach mit den Zeitzeugen (von links): Georg Simon, Ilse Dauer, Betti Querfurth, Heinrich Pöhnlein und Hans Köstner. Diese berichteten über die letzten Kriegstage in Nordhalben vor 70 Jahren.  Foto: Michael Wunder
Moderator Bernd Sorgenfrei (Zweiter von links) sprach mit den Zeitzeugen (von links): Georg Simon, Ilse Dauer, Betti Querfurth, Heinrich Pöhnlein und Hans Köstner. Diese berichteten über die letzten Kriegstage in Nordhalben vor 70 Jahren. Foto: Michael Wunder
Bedrücktheit, Trauer, Wehmut, aber keinen Hass gab es bei der KAB-Veranstaltung zum Beschuss von Nordhalben vor 70 Jahren. Mit Zeitzeugen und einer Präsentation zeigte man den Besuchern, darunter auch viele junge Mitbürger, die Geschehnisse um den 14. April 1945 auf. Georg Simon sagte, man müsse die schrecklichen Geschehnisse insbesondere der Jugend näherbringen. Der damals Fünfjährige kann sich an verschiedene Ereignisse selbst noch gut erinnern, andere hat er von Bürgern später erfahren.

Viele Männer aus der Gemeinde waren damals eingezogen worden, wie aus den Schilderungen des Zeitzeugen hervorging. Über Jahre verrichteten sie ihren Dienst, ohne dass man zu Hause wusste, wo sie gerade waren. Sind Soldaten gefallen, hat die Gemeinde eine Nachricht erhalten, dann wurde die Mitteilung an die Familien weitergetragen. "Es hat schon vorher rumort, von einer heilen Welt waren wir weit entfernt", meinte Simon.


Hinrichtung

Am Weißen Sonntag, es war der 8. April, haben nicht einmal die Glocken geläutet. Zwei Tage später wurde ein Soldat zum Tode verurteilt. Das Standgericht Helm hat die Hinrichtung bei der Fichtera durchführen lassen.
In den folgenden Tagen sind Warnschüsse abgegeben worden, wie Simon zu berichten wusste.

Die Amis sind dann über Wilhelmsthal und Tschirn nach Nordhalben vorgestoßen. "Panzersperren" in Form von gefällten Bäumen stellten überhaupt kein Hindernis dar, wie Simon feststellte. Am Samstag, 14. April, gegen 9.30 Uhr begann der Beschuss, der auf den Kernbereich von Nordhalben zielte. Binnen kürzester Zeit, die Bombardierung dauerte rund eine Stunde, standen verschiedene Gebäude in Flammen.

"Wir haben uns im Keller unserer ehemaligen Werkstatt versteckt, da fühlten wir uns am sichersten", meinte Georg Simon. Dass dies nicht so war, musste man kurze Zeit später feststellen; ein Granatsplitter hatte seinen einjährigen Bruder in den Armen seiner Mutter am Kopf getroffen und getötet.

Die Toten sind nicht vergessen

Anni Wachter, die im Keller eines in der Nähe liegenden Wohnhauses war, musste mit ansehen, wie elf Menschen ums Leben kamen. Aus gesundheitlichen Gründen konnte sie bei der Veranstaltung nicht selbst über ihr Schicksal berichten.

Betti Querfurth, die in unmittelbarer Nachbarschaft wohnte, war in den Wald bei der Fichtera geflüchtet. "Elf Tote, mit denen ich noch eine halbe Stunde vorher gemeinsam auf dem Benkla gesessen hatte, sind bis heute nicht vergessen", so die damals Elfjährige.

Der älteste der Zeitzeugen, Hans Köstner, war zum Zeitpunkt des Beschusses schon "außer Gefecht". Der heute 86- Jährige war einige Tage vorher einberufen worden und wurde von einem Geschoss am Fuß verletzt. Die Mutter von Ilse Dauer hatte am Tag des Beschusses entbunden; ihre bereits verstorbene Schwester wäre am Dienstag 70 Jahre alt geworden. Heinrich Pöhnlein las über die letzten Kriegstage aus seinen Buch.

Manfred Köstner von der KAB war erfreut über den guten Besuch. Die Moderation der Veranstaltung hatte Bernd Sorgenfrei übernommen.

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