Kleintettau
Historie

Spannende Einblicke in die Geschichte

Glas, Wald, Holz und Schiefer sind eng mit der Geschichte der Rennsteig-Region verbunden. Nicht zuletzt deshalb wurden am Internationalen Museumstag im Europäischen Flakonglasmuseum in Kleintettau und im Schiefermuseum in Ludwigsstadt zwei Sonderausstellungen eröffnet.
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Die Glashöhe im Europäischen Flakonglasmuseum in Kleintettau Fotos: Veronika Schadeck
Die Glashöhe im Europäischen Flakonglasmuseum in Kleintettau Fotos: Veronika Schadeck
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"Dem Dunkel entwachsen, dem Lichte zum Spiele - Der Wald als Ursprung des thüringisch-fränkischen Glases", so lautet die Sonderausstellung im Flakonglasmuseum. Gezeigt wird das Wirken von Holzfällern, Köhlern und Pottaschesiedern, ohne deren Einsatz die Entwicklung und Herstellung des sogenannten Waldglases nicht denkbar gewesen wäre.

Dokumentiert wird zudem, wie wertvoll die natürliche Ressource Holz für die Glasherstellung in der Rennsteig-Region waren und dass dadurch auch Arbeitsplätze geschaffen wurden. Es entstanden die Berufe der Holzknechte, Glasmacher oder Porzellanarbeiter.

Noch bis Oktober können sich die Besucher der Sonderausstellung von gläsernen Kostbarkeiten, unter anderem aus den Kunstsammlungen der Veste Coburg, aus Lauscha, dem Duftmuseum in Farina-Haus in Köln oder dem Museum in Ahorn, verzaubern lassen, die einst fürstlicher Prachtentfaltung dienten.

Zu sehen sind beispielsweise venezianisches Christalloglas, grünfarbenes Waldglas und Olitäten-Parfümflakons. Dokumentiert wird weiterhin die Entwicklung des Trinkglases, das in früheren Zeiten oftmals mit Gold und Silber verziert wurde.

Anhand von Schautafeln werden zudem die einzelnen Glasproduktionsprozesse dargestellt. Beispielsweise die Pottaschesiederei. Er wird hier erklärt, dass für die Einsparung von Brennholz eine Senkung der Schmelztemperatur notwendig war. Dies wurde durch die Beimischung von gereinigter Holzasche zum Sand erreicht. Auch wird erklärt, dass einst durch Pottasche eine Verbesserung der Glasqualität erreicht wurde.

Gezeigt wird zudem im Rahmen der Sonderausstellung ein Film über die Köhlerei und der Zusammenhang mit Glas am Rennsteig. Denn mit den Anfängen der Industrie, die sich im Wesentlichen auch wegen der bis dahin ungenutzten Energiereserven an Wasser und vor allem an Holz in Rennsteig-Region ansiedelte, wurden auch Köhlermeiler gebaut, um den Bedarf an Schmiedekohle für die Schmelzöfen und Blaufeuer decken zu können.

95 Prozent sind Leihgaben

Sandro Welsch vom Europäischen Flakonglasmuseum sprach von vielen Stunden Vorbereitungszeit für die Ausstellung. Einmalig sei, dass die Ausstellungstücke zu 95 Prozent aus Leihgaben bestünden.

Der stellvertretende Vorsitzende des Glasbewahrervereins, Wolfgang Hammerschmidt, dankte allen Unterstützern, wie dem Köhlerverein Mennersgereuth/Hämmern und dem Staatsforst, dieser Ausstellung. Er erwähnte auch die Museumsnacht am Samstagabend. Über 100 Besucher haben an einer Wanderung entlang des Köhlerpfades teilgenommen beziehungsweise befassten sich mit der Ausstellung über die Köhlerei im Feuerwehrzelt in Kleintettau.
Um das Wirken und die wissenschaftlichen Arbeiten von Heinz Pfeiffer geht es bei der Sonderausstellung "Das Vermächtnis Dr. Heinz Pfeifer" im Schiefermuseum in Ludwigsstadt, bis zum September. Der "Nestor der Geologie des Erdaltertums von Thüringen" ist in Fachkreisen unter dem Namen "Bohlen-Pfeifer" und "Schiefer-Pfeifer" als herausragender Kenner für die Dachschieferlagerstätten, Spurenfossilien oder Bergbaugeschichte bekannt. Mit Arbeiten wie "Der Bohlen bei Saalfeld/Thüringen (1954) und seinen Beiträgen zur Gliederung, Tektonik und Fossilführung hat er bedeutend zur Lösung geologischer Probleme beigetragen.

Während seiner Zeit als Geologe in der Thüringer Schieferindustrie erkundete er den Schieferbergbau in seiner Region in einem bis dahin nicht gekannten Maße.

Martin Weber von der Geologischen-Heimatkundlichen Arbeitsgemeinschaft bezeichnete den 1994 verstorbenen Heinz Pfeifer als seinen Freund. Er erinnerte an die ersten Kontakte noch vor der Wende, an die Zusammenarbeit nach der Maueröffnung. Er sprach von 126 Schriften, die der Geologe angefertigt hat.

Leider endete seine Schriftenreihe "Die Geologie von Ludwigsstadt" auf der zehnten Seite. Noch heute bedauere er, dass Heinz Pfeifer dieses Werk nicht mehr vollenden konnte. Im Schiefermuseum sind nun Schriftenreihen, wie beispielsweise "Schieferbergbau an der Teuschnitzer Mulde", Fossilien, Gesteinssammlungen des Geologen zu sehen.

Ein Vermächtnis

Martin Weber sprach von einem Vermächtnis, das mit der Sonderausstellung erhalten bleiben soll. Nach dem Umbau des Schiefermuseums soll ein großer Teil in der angegliederten Bibliothek untergebracht werden.
Dass diese Sonderausstellung am internationalen Museumstag eröffnet werde, sei ein würdiger Rahmen, so Bürgermeister Timo Ehrhardt.

Bereits am Samstagabend fand eine Filmvorführung "Himmel ohne Sterne" anlässlich der langen Museumsnacht statt.



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