Hummendorf
Wirtschaft

Sitec aus Hummendorf sorgt für Sicherheit

Ihr Ziel ist es, keinem Unbefugten Zutritt zu einem Gebäude oder Raum zu gewähren: Dafür entwickelt und erzeugt die Hummendorfer Firma Sitec die entsprechende Technik - zu finden ist diese nicht nur in Franken.
Artikel drucken Artikel einbetten
Eine besondere Herausforderung ist es laut Sitec-Verkaufsleiter Michael Ditsche, die Kontakte der rund 300 Kilogramm schweren Tür auf exakt die gleiche Höhe zu bringen. Am Ende schützt sie nicht nur vor Handfeuerwaffen, sondern auch vor Gewehren. Foto: Marian Hamacher
Eine besondere Herausforderung ist es laut Sitec-Verkaufsleiter Michael Ditsche, die Kontakte der rund 300 Kilogramm schweren Tür auf exakt die gleiche Höhe zu bringen. Am Ende schützt sie nicht nur vor Handfeuerwaffen, sondern auch vor Gewehren. Foto: Marian Hamacher
+9 Bilder
Der Bankräuber lächelt. "Hände hoch", sagt er freundlich und zielt mit der schwarzen Pistole lässig auf die Bankangestellte. Wirklich gefährlich sieht die Waffe nicht aus. Eine Kugel würde wohl kaum in den Lauf des nicht einmal fingerdicken Metallstücks passen. Katja Müller-Detsch reckt dennoch wie befohlen ihre Hände in die Höhe und tritt einen Schritt vom Schalter zurück. Einen Augenaufschlag und das zischende Geräusch einer übereifrigen Zugtür später trennt sie eine kugelsichere Scheibe vom Schützen.

Der Augenaufschlag ist sogar messbar: 0,4 Sekunden dauert es, ehe ihr weder Mensch noch Waffe etwas anhaben können. Diese Zeit ist jedenfalls in roten Buchstaben auf die milchige Scheibe gedruckt. Erschreckt wirkt die Frau nicht. Kein Wunder. Bankangestellte ist sie schließlich ebenso wenig wie ihr Gegenüber Bankräuber. Seit über 20 Jahren arbeitet Müller-Detsch als Marketing-Managerin für die Hummendorfer Firma Sitec, schlüpft zur Not aber auch in andere Rollen, wenn es gilt, die Sicherheitsprodukte des Unternehmens vorzustellen. "Unter dem Schalter ist ein Pedal, auf das ich treten und damit den Mechanismus auslösen kann", erklärt Müller-Detsch. "Wegen des psychologischen Effekts des Blickkontakts wäre auch eine durchsichtige Scheibe möglich."


Gläserne Litfaßsäule

Der 0,4-Sekunden-"Bankräuber" Michael Ditsche leitet eigentlich den Verkauf. Er führt gleich weiter zu einer Sicherheitsschleuse, die nur wenige Meter entfernt steht. Von außen betrachtet wirkt sie wie eine gläserne Litfaßsäule. Von innen - dank des eingebauten Touchscreens und der münzengroßen Sensoren - als würde Scotty nur darauf warten, einen gleich auf die "Enterprise" zu beamen.

Die Schleuse erfülle mehrere Eigenschaften, sagt Ditsche. Einerseits die der modernen Version eines Drehkreuzes, gleichzeitig aber auch die eines Metalldetektors. "Erst wenn die hintere Tür geschlossen ist, geht die vordere auf", erklärt der Verkaufsleiter. Der Kunde entscheide, welche Sicherheitskriterien die Schleuse erfüllen soll - sofern gesetzliche Vorgaben dies nicht ohnehin bereits regeln. Es sei ohne Weiteres möglich, biometrische Daten wie Fingerabdrücke als Zugangsvoraussetzung einzurichten und diese an das Körpergewicht der dazugehörenden Person zu koppeln. "Falls jemand stark zu- oder abnimmt, muss man die Daten dann anpassen", sagt Ditsche und lächelt verschmitzt. In Deutschland gebe es ungefähr vier Konkurrenten, die vergleichbare Einzelkomponenten herstellen. Sitec plane, fertige und montiere jedoch komplette sicherheitstechnische Anlagen. "Das unterscheidet uns."

Geleitet wird das mittelständische Unternehmen von Olaf Clausen, der 1975 die Geschäftsführung von seinem Vater Heinz übernahm. "Viele wissen wahrscheinlich gar nicht, was wir machen - oder denken, dass wir Tresore herstellen", vermutet der Geschäftsführer.

Auf einer Fläche, die die Größe eines halben Fußballfelds hat, stellt Sitec nahezu alle Produkte aus, die in Hummendorf produziert werden. Neben kompletten Eingangsanlagen und Schleusensystemen sind das auch Theken für Banken - samt der dazu passenden Schiebemulden oder beschuss-, einbruch- und feuerhemmende Türen, die an die 300 Kilogramm schwer sind. "Was die Türen oder Trennwandsysteme alles aushalten können müssen, kommt auch auf die Region an, in der sie eingesetzt werden", sagt Ditsche. So habe das kugelsichere Glas wahlweise eine Stärke zwischen 15 und 50 Zentimeter.


Umgekehrter Trend

Zu finden sind die oberfränkischen Sicherheitsanlagen nicht nur in der näheren Umgebung: In Botschaften wie in Indien oder der Elfenbeinküste ist die Hummendorfer Technik ebenso wie in den Eingangsbereichen der Gerichte in Bamberg, Bayreuth und Coburg. "Im Kronacher Gericht bauen wir gerade die Pforte um", sagt Müller-Detsch.

Gesichert werden zudem Behörden, Militäranlagen oder die neuen Redaktionsräume einer französischen Satirezeitschrift. Den genauen Namen möchte das Unternehmen aus Sicherheitsgründen nicht nennen. Die Vermutung liegt aber nahe, dass es sich dabei um "Charlie Hebdo" handelt.

Neben Pfandleihern kämen inzwischen zunehmend auch Juweliere hinzu. Die wollen den Kontakt mit ihren Kunden nicht durch eine Glasscheibe führen, im Notfall aber auch geschützt sein, erzählt die Marketing-Managerin. In Banken gebe es hingegen den umgekehrten Trend. "Die hatten früher viel Cash im Haus. Das ist jetzt deutlich weniger", sagt Ditsche. Statt den Schalterbereich zu sichern, werde mittlerweile dementsprechend vermehrt der Geldbereich gesondert geschützt - unter anderem mit Scottys Litfaßsäule. Zu Banken hat Sitec ohnehin eine besondere Beziehung - sind diese doch der Grund dafür, dass der Weg eingeschlagen wurde, auf dem nun seit 41 Jahren gegangen wird. Schließlich gründete Heinz Clausen 1954 in Kronach einen Schreinereibetrieb und stattete Läden mit Möbeln oder Einrichtungen aus. "Unter anderem den Kronacher Juwelier Gold Müller", erzählt Olaf Clausen. "Gerade älteren Leuten ist ,Clausen-Ladenbau‘ noch ein Begriff."

Über den Umweg Thonberg zog das Unternehmen sechs Jahre später nach Hummendorf. Aus anfangs zwei Angestellten sind inzwischen knapp über 100 geworden. "Als es in den 70er Jahren zunehmend Überfälle auf Banken und dadurch immer genauere Vorgaben von den Versicherungsunternehmen gab, haben wir uns spezialisiert", sagt Müller-Detsch.


Neuer Name musste her

Da nun Banktheken mit Panzerglas nachgerüstet und dafür erste Durchreichen samt passender Schiebemulden entwickelt wurden, passte Olaf Clausen der alte Name nicht mehr - weshalb er es mit der Übernahme der Geschäfte umbenannte. "Sitec ist einfach nur die Abkürzung für Sicherheitstechnik", erklärt er.

Inzwischen gibt es sogar ein Tochterunternehmen: Für die Entwicklung von Schließfächern kooperierten die Hummendorfer mit der schottischen Firma "Raand", die in den 90er Jahren übernommen und in "LockTec" umbenannt wurde. Seitdem werden die Spinde, die unter anderem an allen Bahnhöfen der Schweiz, Österreichs und der Niederlande stehen, auf dem bald 6000 Quadratmeter großen Gelände in Hummendorf gefertigt. Die Technik wird weiterhin in Edinburgh entwickelt. Stets auf der Suche nach der nächsten Innovation. Denn lächeln sollen am Ende nicht die Diebe, Terroristen oder Bankräuber.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren