Kronach
Interview

Sie öffnet den Wissensschatz für andere

Susanne Meier arbeitet als freiberufliche Umweltbildnerin im Landkreis Kronach. In ihrer Position geht es darum, den Menschen - vor allem Kindern und Jugendlichen - die Umwelt hautnah erfahrbar zu machen. Ihre Ideen setzt sie rund um die "Stadtoase" des Bundes Naturschutzes ein.
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Susanne Meier ist freiberufliche Umweltbildnerin. Draußen, in der Natur, fühlt sie sich am wohlsten.  Foto: Sarah Dann
Susanne Meier ist freiberufliche Umweltbildnerin. Draußen, in der Natur, fühlt sie sich am wohlsten. Foto: Sarah Dann
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Die 50 Jahre sieht man ihr nicht an. Vielleicht, weil Susanne Meier ständig draußen - von der Sonne verwöhnt - ist. Vielleicht, weil sie sich durch regelmäßiges Joggen fit hält. Oder es liegt daran, dass die Umweltbildnerin vor allem mit Kindern und Jugendlichen zusammenarbeitet. Warum sie jedenfalls in einem inneren Konflikt steckt, wenn sie ihr Auto auf einer Schotterfläche abstellt, verriet sie uns im Gespräch.

Wie sind sie zur "Stadtoase" gekommen?
Eigentlich ist die Sache rund um die Stadtoase aus der Praxis heraus entstanden. Ich bin Erzieherin, habe im Kindergarten gearbeitet, mich im Bund Naturschutz engagiert, und dann haben wir eine Kindergruppe mit Müttern zusammen gegründet.
Es ist toll, mit Kindern zusammen regelmäßig in die Natur zu gehen und zu schauen, was da so lebt, was wen braucht oder wie die Menschen helfen können, wenn es um Naturschutz geht ...

Was ist die Stadtoase eigentlich?
Die Stadtoase ist einerseits das Gelände hier mit dem Bauwagen, ist aber auch ein ganzes Programm. Mittlerweile sind wir ja auch über den Winter aktiv. Und, es ist wirklich spannend, im Winter in die Natur zu gehen: Da sucht man ein bisschen mehr, da guckt man ein bisschen genauer und ist fasziniert, was man auch im Winter findet. Heute, im Frühling, ist alles grün, da fällt es den Kindern oft schwer, ein Tier zu sehen, da ist die Natur fast zu überladen. Eine Gewässeruntersuchung im Winter ist ein Highlight. Es ist faszinierend, dass das Leben im Winter irgendwo immer weiter geht.

Seit 2005 sind sie Umweltbildnerin: Was macht eigentlich eine Umweltbildnerin?
Das Hauptaufgabengebiet sind Veranstaltungen für Schulklassen wie Exkursionen in die nahe Schulumgebung. Von dort aus geht es dann mit dem Rucksack in Wiese, Wald, Hecke. Es ist wichtig, dass die Schüler nicht alle nach Kronach kommen müssen, sondern dass wir dort forschen, wo die Kinder wohnen. Den Blick für die umgebende Natur - für die Umwelt überhaupt - schärfen.

Und wie steht es um die Kronacher Umwelt?
Ich finde, hier gibt's viele Nischen für viele tolle Lebensräume: das Wiesen- und Hecken-Mosaik am Kreuzberg oder die Flussbereiche, der tolle Wald hinter der Festung ..., da ist viel Natur für viele Arten da.

Leben Sie direkt in Kronach?
Ich bin erst kürzlich nach Marktrodach gezogen. Ich genieße das schon, dass ich nach hundert Metern direkt in der Wiesen- und Hecken-Landschaft bin. Beim Joggen sehe ich immer wieder Wege oder Stellen, die ich mit Kindern besuchen und erforschen will. Manchmal laufe ich morgens noch früh um halb sieben die Stellen ab, wo ich mittags mit den Kindern hingehe ...

Schauen sich Erwachsene und Kinder die Natur anders an?
Kinder nehmen eine Sache schnell an und stellen sich unvoreingenommen darauf ein. Bei Erwachsenen gibt es solche und solche Gruppen. Manche haben manchmal schon etwas Distanz zur Natur. Bei Kindern dagegen springt der Funke meist ganz schnell über. Da freue ich mich dann mit, dass die Kinder Neugierde für das, was sie finden, haben ...

Hat sich ihrer Meinung nach etwas in der Wahrnehmung der Umwelt verändert?
Ja, also zu Beginn war das schon so ein Novum. Ich habe 2002 mit der Landesgartenschau überhaupt erst angefangen. Heutzutage gibt es viele, die wissen, dass Umweltbildung wichtig ist, weil wir ja alle in der Umwelt leben. Umweltbildung kann auch Lehrbücher ersetzen.
Wenn man rausgeht, ein Tier sieht und wirklich zählen kann, wie viele Beine eine Spinne hat ... Es gibt Lehrer und es gibt Erzieher, und es gibt Biologen. Der Beruf Umweltbildner ist eigentlich so eine Mischung aus allen dreien. Man muss ja auch mit pädagogischen Methoden arbeiten, um die Natur live als Wissensschatz für die Mitmenschen zu öffnen.

Was war Ihr bisher größter beruflicher Erfolg?
Dass das irgendwie funktioniert. Am Anfang war bei der Stadtoase ja noch Winterruhe. Mittlerweile gehe ich jeden Tag auf Arbeit, habe eine schöne Arbeit und dazu noch das Gefühl, dass ich etwas Sinnvolles mache.
Toll ist auch, wenn ich die Kinder wiedersehe, dass sie noch schneller losforschen, dass sie noch mehr entdecken. Da bleibt doch einiges an Erinnerung und Erfahrung hängen. Ein Meilenstein war natürlich auch "10 Jahre Stadtoase". Bei besonderen Projektwochen wie jetzt zum Thema Afrika ist es schön zu zeigen, dass Umweltbildung nicht vor unserer Haustüre aufhört, sondern Ländergrenzen überfliegt.

Haben sie ein Umweltthema, das Ihnen besonders am Herzen liegt?
Es sind eigentlich die Veränderungen in der Landschaft, die ich sehe, wenn ich wo lang gehe: Weh tut es, wenn ich an einer Stelle wirklich an der Landschaft hänge und dann wird da was neu gebaut. Da muss ich aber auch vorsichtig sein, schließlich hat das auch immer eine wirtschaftliche Seite. Im ersten Moment tut es mir aber schon weh, wenn eine neue Straße gebaut wird und wenn aus einem Wiesenpfad eine Schotterpiste wird ... in Kronach direkt ist es jetzt nicht unbedingt ganz schlimm. Prinzipiell geht es darum, wenn ein brauner, fruchtbarer, lockerer Boden einfach weggebaggert und durch hart gerammten Schotter ersetzt wird ...

Sie geben viel weiter. Leben sie das Konzept "umweltbewusst" selbst ganzheitlich?
Ich hatte erst vorhin ein schlechtes Gewissen, weil ich mein Auto auf einer frisch geschotterten Fläche abgestellt habe. Das war gegen meine Prinzipien, genutzt habe ich sie trotzdem. Ich versuche, oft mit dem Fahrrad zu fahren, mit Lebensmitteln sparsam umzugehen, Kleidungsstücke umzuarbeiten. Wir werden nie mehr auf unsere Autos oder unsere beheizten Wohnungen verzichten, aber man kann darauf achten, dass man die Schränke nicht ganz so voll mit Klamotten oder Lebensmittel macht.

Haben Ihre beiden Kinder das immer gut gefunden?
Manchmal haben sie vielleicht beim Essen gemosert, weil es viel Gemüse gab.

Dann sind sie Vegetarierin?
Nein, aber es gibt selten Fleisch. Na gut, und Schokolade habe ich jetzt auch nicht so gekauft. Aber ich hab das positiv weitergegeben. Beim Essen gucken sie in ihrer Studentenbude schon, dass sie ab und zu Bio kaufen. Aber das regelt sich ja auch alles über den Preis. Dass man grundsätzlich sparsam lebt, habe ich ihnen vielleicht vorgelebt.

Erziehen Sie jeden Mitmenschen?
Jeder lebt sein Leben. Da kann man niemanden dazu zwingen. Das geht nur über Einsicht. Es ist nicht alles richtig, was ich mache. Aber es ist richtig für mich, doch aufdrängen kann man es niemandem. So funktioniert Umweltbildung nicht. Was ich weiß, ist, dass es auch Luxus sein kann, auf etwas zu verzichten.

Wenn sie sich etwas wünschen dürften ...?
... dann, dass jeder wieder bisschen was in seinem Garten anpflanzt. Der Trend geht ja schon wieder dahin. Nur so können Transportkosten gespart werden. Die Bio-Branche ist da gar nicht viel besser, da kommt auch viel von weit her. Es sind so ganz kleine Sachen. Aber unser neuer Gemüsegarten mitten in der Stadt ist für mich auch so ein Meilenstein. Dadurch überlegen sich manche vielleicht auch, mit einem kleinen Beet im Garten anzufangen.

Das Gespräch führte Sarah Dann.

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