Ludwigsstadt
Laientheater

Shakespearespiele ohne Shakespeare

Das Stück, aufgeführt im Ludschter Dialekt, wirft seinen Schatten voraus. Premiere ist am 7. Oktober.
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Sie sind eine Familie: Das Shakespeare-Team mit Regisseur Daniel Leistner (vorne). Foto: Veronika Schadeck
Sie sind eine Familie: Das Shakespeare-Team mit Regisseur Daniel Leistner (vorne). Foto: Veronika Schadeck
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Die Vorbereitungen für die sechsten Shakespearespiele laufen auf Hochtouren. 22 Akteure werden sich bis zur Premiere am 7. Oktober drei Mal pro Woche für jeweils rund vier Stunden intensiv auf ihre Rollen vorbereiten.


Stück von Nestroy

Das Stück nennt sich in diesem Jahr "Einen Jux will er sich machen", oder wie die Ludschter sagen: "Ar will Halder amol a aweng an Bleedsinn mache!". Es gibt in diesem Jahr eine Besonderheit: Denn heuer laufen die Aufführungen ohne den großen Dichter William Shakespeare, denn die "verrückte" Aufführung stammt aus der Feder des österreichischen Komödiendichters, Johann Nestroy.
Es ist Nachmittag, die Laienschauspieler sind im Rathaus zu finden und der Ludschter Dialekt ist nicht zu überhören. Es finden die ersten Proben für die acht Aufführungen statt. Es herrscht eine heitere Stimmung. Einer der zum ersten Mal mit zum Team gehört, ist Carlo Schwab. Der Stadtrat schlüpft in die Rolle des "Fräulein Blumenblatt". Es ist eine kleinere Hauptrolle, erzählt er. Dass dieses Stück in Ludschter Dialekt aufgeführt wird, bereitet ihm als "Ludschter" kein Problem. Schwieriger sei es gewesen, sich mit dem Text, in dem Passagen vorkommen, wie "Ach Gooele, is das aufrechend", oder "Wie gsoat, ganz mei Schicksoal!" auseinanderzusetzen. "Aber mittlerweile beherrsche ich diesen!".
Nachdem er die vergangenen Jahre als Zuschauer die Shakespeare-Spiele mit verfolgte, "wollte ich heuer einfach mal mit dabei sein." Für ihn sind nun die Vorbereitungen "die schönste Freizeitbeschäftigung".
"Es ist eine Sucht", beschreibt Evi Heyder ihren Drang, jedes Jahr bei den Shakespeare-Spielen wieder mit auf der Bühne zu stehen. Sie ist von Anfang an, also seit dem Jahre 2011, mit aktiv. In diesem Jahr ist sie als der etwas "trotteliger Hausknecht Melchior" zu sehen. Ihren Text beherrscht sie, "den habe ich als Patient im Krankenhaus gelernt!".


"Ich bin schon aufgeregt"

Während die 55-Jährige ihren Auftritt bei den Shakespeare-Spielen mit Gelassenheit entgegensieht, meint Carlo Schwab: "Ich bin schon aufgeregt, schließlich ist es das erste Mal, dass ich auf einer Bühne stehe." Beide "Schauspieler" sind sich einig: "Es macht einfach Riesenspaß!" Einer, der sich im Team wohl fühlt, ist Regisseur Daniel Leistner. Es kommt vielleicht daher, dass sich in Ludwigsstadt kein Mitwirkender profilieren will, begründet er dieses Gefühl. Die Leute haben einfach Freude an der Laienschauspielerei und möchten für ihre Heimatstadt einen kulturellen Beitrag leisten. Außerdem: "Wir sind so etwas wie eine Familie geworden!"
In den nächsten Wochen wird noch einiges auf die Akteure zukommen. Es muss das Bühnenbild entworfen und umgesetzt werden. Weiterhin müssen die Kostüme ausgesucht beziehungsweise geändert werden. Hier kann das Shakespeare-Team auf die Unterstützung der "Lufos" (Ludschter Faschingsfreunde), des Tourismusbüros Kronach, der Organisatoren des Burgfestes in Lauenstein und auch auf Privatleute zählen.


Richtig über die Stränge schlagen

Und worum geht es nun bei "Ar will halder amola a aweng an Bleedsinn mache". Die Hauptfigur ist der liebenswerte Verkäufer Weinberl, eine von Nestroy selbst mit Vorliebe verkörperte Figur. Weinberl ist eine Mischung aus Kleinbürgerlichkeit und dichterisch beschwingter Phantasie. Er will einmal in seinem Leben so richtig über die Stränge schlagen. Er möchte ein großes Abenteuer erleben. Deshalb nutzt er die Abwesenheit seines Chefs für einen Ausflug in die große Stadt ...
Daniel Leistner und auch die Tourismusbeauftragte der Stadt, Manja Hünlein, sind überzeugt, dass die Shakespeare-Spiele auch in diesem Jahr wieder eine Erfolgsgeschichte sein werden.

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