Kronach
Gericht

Sex mit Zwölfjährigem: Kronacher muss vier Jahre hinter Gitter

Ein 59-jähriger Kronacher muss wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern für vier Jahre hinter Gitter. Weil der Mann schwer krank ist, ist offen, ob er die Strafe komplett verbüßen muss.
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Wegen schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes muss ein 59-jähriger Kronacher vier Jahre ins Gefängnis. Da er schwer krank ist, ist allerdings fraglich, ob er seine Strafe tatsächlich antreten muss.  Symbolfoto: Uwe Anspach/dpa
Wegen schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes muss ein 59-jähriger Kronacher vier Jahre ins Gefängnis. Da er schwer krank ist, ist allerdings fraglich, ob er seine Strafe tatsächlich antreten muss. Symbolfoto: Uwe Anspach/dpa
- Der Junge war erst zwölf Jahre alt, als es im Februar 2009 zum ersten Mal zu sexuellen Handlungen mit einem 59-jährigen Kronacher kam, in deren Verlauf der Mann dem Buben auch einen Pornofilm zeigte. Für Geschenke wie Tabak oder Geld war der Junge dem Kronacher zu Willen. Die Staatsanwaltschaft legte dem Mann deshalb schweren sexuellen Missbrauch von Kindern zur Last.

Das Landgericht Coburg vertrat die gleiche Auffassung und verurteilte den Angeklagten gestern Abend zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren.

Bereits in der ersten Hauptverhandlung vor der Ersten Großen Strafkammer am Landgericht hatte der Arbeiter, der einen Sonderschulabschluss hat und ohne Berufsausbildung ist, ein Teilgeständnis abgelegt (wir berichteten).


Vom Gericht ins Krankenhaus

Die Verhandlung am 13. Januar musste dann allerdings unterbrochen werden: Der Kronacher ist schwer krank und wurde nach einer notärztlichen Versorgung noch aus dem Gerichtssaal ins Krankenhaus gebracht.

Schon am ersten Verhandlungstag hatte sich aber auch bereits eine Lösung abgezeichnet: Nach einem Gespräch verständigten sich Oberstaatsanwalt Martin Dippold, der Verteidiger des Angeklagten und das Gericht unter Vorsitz von Richter Christoph Gillot auf den Verzicht der Zeugenvernehmung des Opfers zum detaillierten Handlungsablauf.


Videos nicht angeschaut


Ebenso verzichteten die Beteiligten darauf, die Videos, die der Angeklagte bei den sexuellen Manipulationen an dem Buben zeigt aufgenommen hatte, anzuschauen. Auch der Lebensgefährte des Angeklagten, der die Filme gefunden und danach die Polizei verständigt hatte, brauchte nicht auszusagen.

Dafür, so der Deal, halte sich das Gericht bei der Strafbemessung an einen Strafrahmen von drei Jahren und neun Monaten bis maximal vier Jahren und neun Monaten Freiheitsstrafe. Voraussetzung dafür sei allerdings ein "konkretes und selbst belastendes Geständnis", sagte Richter Christoph Gillot. Das erfolgte gestern umgehend. So gab der Kronacher zu, dass ihm das Alter des Buben zum Zeitpunkt der ersten sexuellen Kontakte bekannt gewesen sei. Das hatte der Mann bisher geleugnet. Auch, dass er den Jungen mit Tabak, Geld oder Kleidung beschenkt habe, gestand er.

So blieb dem mittlerweile 19-Jährigen die detaillierte Zeugenaussage erspart. Dennoch musste der junge Mann vor Gericht erscheinen. Dabei wurde er von einem Polizeibeamten begleitet, der ihn für die Zeugenaussage aus seinen Handschellen entließ. Der junge Mann sitzt nämlich derzeit in Haft.


Weder beschäftigt noch belastet


Die Frage nach seinem physischen und psychischen Gesundheitszustand beantwortete der junge Zeuge dahingehend, dass ihn die Taten des Angeklagten weder beschäftigt noch belastet hätten.

Ein Sachverständiger bescheinigte dem Kronacher eine Persönlichkeits- und Verhaltensstörung und wies darauf hin, dass der Mann unter einer fortschreitenden Demenz leide. Es sei davon auszugehen, dass der Angeklagte nach Verbüßung seiner Strafe in einer Pflegeeinrichtung untergebracht werden müsse.

Der Mann ist einschlägig vorbestraft: Er war im Jahr 2004 schon einmal wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern verurteilt worden.


"Vielzahl der Fälle"


Oberstaatsanwalt Martin Dippold forderte in seinem Plädoyer eine Bestrafung an der Obergrenze der Vereinbarung. Auch wenn der Angeklagte das Opfer sicher nicht groß überreden und keine Gewalt anwenden musste, sprächen doch die Vielzahl der Fälle und der lange Tatzeitraum gegen ihn, sagte der Anklagevertreter.

Die sexuellen Handlungen hätten erst mit der schweren Krankheit des Angeklagten im Jahr 2012 geendet. "Der Angeklagte hat damit einen Markt für Strichjungen geschaffen, die sich bei ihm Geld verdienen wollten, und keine normale Kindheit und Jugend hatten", kritisierte der Oberstaatsanwalt.

Die Kammer verurteilte den Angeklagten, der im Rollstuhl mit einem Pfleger vor Gericht erschienen war, zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren. Ob und wie lange der Mann überhaupt haftfähig sei, könne heute nicht entschieden werden, sagte der Richter.


"Sie haben sich das Leben selbst versaut"


Auch Christoph Gillot kritisierte den Angeklagten, der sich weinend mit den Worten entschuldigte: "Es tut mir leid, mein Leben ist versaut." Mehrmals habe er das bereits geäußert, rügte der Richter. So habe der Kronacher wiederholt gesagt, dass das Opfer und sein Lebensgefährte ihm das Leben "versaut" hätten. "Sie haben sich das Leben selbst versaut", meinte Gillot.

Der Angeklagte sei nicht einfach in die Sache hineingeschlittert. "Sie haben genau gewusst, dass Ihre Handlungen strafbar sind", betonte Richter Christoph Gillot in seiner Urteilsbegründung und brachte damit auch die Vorstrafe noch einmal aufs Tablett: "Wenn man Bewährung hat, hält man sich daran. Sie hätten sich besser Ihr Leben lang daran gehalten."
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