Ludwigsstadt
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Senioren auf großer Fahrt: Ludwigsstadter Altenheim macht Urlaub

Neue Eindrücke, raus aus dem Heimalltag und einfach mal wieder herzhaft lachen: Das Ludwigsstadter BRK-Seniorenheims macht es möglich.
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Riesen Spaß hatten sowohl Bewohner als auch die Mitarbeiter des Ludwigsstadter Seniorenheims.  Fotos: privat
Riesen Spaß hatten sowohl Bewohner als auch die Mitarbeiter des Ludwigsstadter Seniorenheims. Fotos: privat
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Gespannt sitzen die Bewohner des BRK-Seniorenheims Ludwigsstadt im Gemeinschaftsraum. Es wird getuschelt, Kaffee getrunken, Kuchen gegessen und gewartet: Denn an diesem Tag sehen sie zum ersten Mal die Bilder ihres letzen Urlaubs. Die Spannung ist groß. Fünf Tage lang erkundeten zwölf Senioren Ende April den hohen Norden - um genau zu sein: Hamburg, Lübeck, den Ratzeburger See und Timmendorfer Strand.

Bevor es jedoch losgehen konnte, mussten die Mitarbeiter des BRK-Seniorenheims in Ludwigsstadt erst einmal alles sorgfältig planen. "Mit älteren Leuten in den Urlaub zu fahren, ist wie mit Kindern wegzufahren. Nur da hat man meistens nur zwei und keine zwölf", sagt die 71-jährige Bewohnerin, Siegrid Schödel und lacht.

Drei Wochen vor Reisebeginn haben die Mitarbeiter angefangen zu packen. "Von A bis Z hatten wir wirklich alles dabei", sagt Elisa Neubauer, die als Pflegepersonal die Reise begleitet hat.
Wäsche, Medikamente, Handtücher, Rollstühle, Matratzen: Es musste wirklich alles mit. Besonders weil die Unterkunft in Dargow keine Pflegebetten hat. "Die Leute sind gewohnt, nachts umgelagert zu werden. In den normalen Betten ist das natürlich für uns ein größerer Kraftakt", erklärt Neubauer.


Fast eins-zu-eins-Betreuung

Doch durch zusätzliche Matratzen und Kissen sowie die Hilfe von Kollegen sei alles machbar. Auf zwölf Bewohner kamen im Urlaub zwölf Mitarbeiter des Altenheims - vom Pflegepersonal bis hin zum Koch. Eine Luxussituation, die auch die Bewohner zu schätzen wussten. "Man erlebt die Leute ganz anders als im Heim. Der Kontakt ist einfach menschlicher und die Bindung wird stärker", meint Neubauer.

Die Ferienunterkunft in Dargow war komplett barrierefrei. Eine Entlastung für das Pflegepersonal. "Manchmal hatten wir auch schon Unterkünfte mit Stufen. Da mussten wir die Leute immer heruntertragen", erzählt Elisa Neubauer. Zwar versucht Heimleiter Peter Schulz immer darauf zu achten, dass die Unterkunft behindertengerecht gestaltet ist. Doch immer funktioniere das nicht. "Wir brauchen immer einen Kompromiss aus barrierefrei und günstig. Das ist nicht einfach", erklärt Schulz.

Schließlich solle sich jeder Bewohner den Urlaub leisten können. Durch eine Förderung des Kuratoriums für Deutsche Altenpflege mussten die Senioren dieses Jahr 115 Euro für die fünf Tage zahlen. "Viele sparen es sich zusammen. Andere bekommen die Reise von ihren Kindern geschenkt. Das ist doch zehn Mal besser als eine Blumenvase", meint Schulz.


Rolltreppe wird zum Highlight

Hamburg, Lübeck, Timmendorfer Strand - was war am besten? "Es war schön von der ersten bis zur letzten Stunde", ruft eine Bewohnerin aus der hintersten Reihe. Die anderen stimmen zu. Elisa Neubauer erinnert sich an die Shoppingtour in Lübeck: "Wir waren in einem Kaufhaus und sind mit den Damen die Rolltreppe hoch und runter gefahren. Das hat ihnen so gut gefallen. Für mich ist das normal. Die Bewohner haben Rolltreppen schon viele Jahre nicht mehr gesehen."

Im Urlaub hätten die Senioren ein ganz anderes Lebensgefühl. "Im Altenheim ist alles eher düster und grau. Im Urlaub entdecken sie ihre Lebensfreude wieder und bringen auf einmal eine wahnsinnige Energie auf", erklärt Elisa Neubauer. "Man muss noch dazu sagen, dass viele noch gar keinen Urlaub in ihren Leben gemacht haben", ergänzt ihre Kollegin Kathrin Staub.


Noch nie im Urlaub?

Auf die Frage, wer von den Bewohnern schon einmal im Urlaub war, geht gerade einmal eine Hand nach oben. "Vor 30 Jahren war ich schon mal in Timmendorfer Strand", meint Christa Schlegel. Dort habe sich aber ziemlich viel verändert.

Erinnerungen und die verschiedenen Eindrücke: "Das sind Dinge, von denen die Leute noch lange zehren", meint Peter Schulz. Zumindest solange bis es nächstes Jahr wieder in den Urlaub geht.
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