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Schmölz
Musik

Schmölz "listen(s) to the Blues"

Die Mischung macht's. Das haben wohl auch die Organisatoren der Blues Tage erkannt. Nach einem Durchhänger im letzten Jahr gab es am Wochenende wieder gewohnte Qualität.
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Dudley Taft und Evan Sheeley (von links) - Bluesrock-Power aus Seattle in Schmölz Fotos: Norbert Neugebauer
Dudley Taft und Evan Sheeley (von links) - Bluesrock-Power aus Seattle in Schmölz Fotos: Norbert Neugebauer
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Für die echten Fans, die diesmal wieder von Unterfranken über Südthüringen, den Harz bis aus dem Herzen Sachsens und natürlich aus nahezu allen Landkreisen Oberfrankens in den kleinen Küpser Ortsteil strömten, galt das eh nicht: "Why don't you listen to the Blues?". Aber auch eine ganze Reihe frischer Gesichter ließ sich offensichtlich vom diesjährigen Motto der Festival-Macher animieren und füllte das Zelt an beiden Abenden gut.
Nachdem im vergangenen Jahr die Auswahl der Bands und deren Performance durchaus kritisch zu sehen war, hatten die beiden Hauptveranstalter Uwe Angermüller und Tom Karger diesmal eine ausgesprochen gute Mischung aus alten Bekannten und frischen Bands mit deutsch-amerikanischem Background gefunden. Fachpublikum und "Laufkundschaft" hatten gleichermaßen ihren Spaß an dem Gebotenen.

Die Überraschung war wohl der US-Gitarrist und Sänger Dudley Taft mit seiner Band, die als Hauptact in der späten Samstagnacht das Zelt auf Hochtouren brachte. Die Truppe aus der Grunge-Hochburg Seattle zündete mit hochtourigem Bluesrock und psychodelischen Trips ein groovendes Feuerwerk auf der Bühne. Das Quartett bot starke eigene Nummern, oftmals am Texas-Blues der Altmeister Freddie King, Stevie Ray Vaughan oder ZZ Top orientiert, und hatte auch deren Cover in eigenständigen Versionen im Repertoire.

Als Kontrast grüßten die abgefahrenen Klänge der frühen Pink Floyd. Dazu posten der schräge Bandleader und seine Truppe mit den Fans in der ersten Reihe um die Wette. So macht Live-Musik Spaß und bringt auch die Zuhörer zurück.

Auf alte Zeiten besonnen

Davor hatte Back on the Road aus dem Rheinland den Abend kaum weniger kraftvoll und energiegeladen eröffnet. Die Truppe um den wohlbeleibten wie witzigen Sänger und Slide-Gitarristen Guido Vom Flockenberg spielte sich zwei Stunden lang durch ansprechende Titel der Blues-Historie, die sich meist jenseits der abgenudelten Standards bewegten. Die Covers hatten eine eigene Handschrift und waren gespickt mit packenden Zusammenspielen der beiden Gitarristen mit dem dritten Frontmann Olaf Nöll an der Mundharmonika. Endlich wieder einmal eine deutsche Band, die nicht nur handwerklich überzeugt, sondern die dazu auch einen ausgesprochen ausdrucksstarken Sänger aufzuweisen hat!

Die Mundharmonika des US-Gastes Marc Tex Bell stand im Fokus des ersten Sets am Freitag, der mit der für seine Deutschland-Auftritte zusammengestellten Band von Boogie-Keyboarder Chris Rannenberg, Gitarrist und Sänger Jan Hirte und dem ebenfalls aus den Staaten stammenden Drummer Lenjes Robinson die Blues Tage gut ins Rollen brachte.

Danach kam der seit langem in Berlin lebende Eb Davis mit seiner Superband zu seinem inzwischen dritten Auftritt in Schmölz. Der charismatischer Sänger und routinierte Frontman bot mit seinen exzellenten Mitmusikern einen auf ganzer Linie überzeugenden Set. Dazu gehörte eine gehörige Portion R'n'B, viel Soul und Funk, smoother Gospelblues, aber auch kerniger Chicago-Blues, dargeboten in einer ansprechenden Show, die die Fans begeisterte. Auch die, die sonst eher auf schwitzige, krachende Sounds der hausgemachten Sorte stehen, waren von dem professionellen Entertainment des alten Blues-Gentleman und seiner Superband durchweg angetan. Einen Mammutjob verrichtete an diesem Abend übrigens Mr. Lenjes, der auch beim zweiten Gig wieder am Schlagzeug wirbelte.

Für den Sonntag stand mit der Dobré Ráno Blues Band wieder einmal eine vorwiegend akustisch spielende Band aus Osteuropa auf dem Programm. Das Trio, das sonst in der Kleinkunstszene Prags zu hören ist, war als Opener mit Klängen aus der Frühzeit des Blues verpflichtet und konnte bei seinem ersten Auftritt in Deutschland vollauf überzeugen. Für den restlichen Frühschoppen bei freiem Eintritt wurde der in Schmölz von früheren Auftritten ebenfalls bestens in Erinnerung gebliebene Italiener Roberto Morbioli mit seiner Bluesrock-Band Morblues verpflichtet.

2014 haben sich die Schmölzer Blues Tage auf ihre alten Stärken besonnen. Zu etablierten Namen gesellten sich interessante Newcomer oder zumindest hierzulande noch wenig bekannte Bands von Format. Nach diesem wohl auch für die Veranstalter erfolgreichen Wochenende dürften die Zweifel an einem Fortbestand des Festivals wohl vom Tisch sein, die Hauptmacher Uwe Angermüller noch im letzten Jahr äußerte. Offenbar hat's ihm jemand rechtzeitig ins Ohr geflüstert: "Why don't you listen to the Blues, man?"








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