Kronach
Stadtfest

Schlemmen wie Gott in Frankreich

Jérôme Kerriel bereitet sich auf einen Ansturm auf die Crêpes in Kronach vor. Denn sie gehören zum Kronacher Stadtfest einfach dazu: Die leckeren Crêpes nach einem alten bretonischen Rezept, angeboten vom Deutsch-Französischen Partnerschaftskomitee Kronach-Hennebont. Doch der Stand hat noch mehr zu bieten.
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Der Crêpes-Stand ist stets umlagert.  Fotos: Heike Schülein
Der Crêpes-Stand ist stets umlagert. Fotos: Heike Schülein
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Jérôme Kerriel nimmt einen Schöpflöffel voll Crêpes-Teig und verteilt ihn hauchdünn auf einer großen - mit Gas beheizten - runden Platte, dem Crêpes-Eisen. Einen Crêpe so hinzubekommen, dass er luftig dünn und dennoch knusprig wird, ist gar nicht so einfach. Doch Jérôme versteht seinen "Job". Im Handumdrehen zaubert er die klassische bretonische Spezialität, deren unvergleichlicher Duft beim Stadtfest alljährlich für einen Hauch französische Bretagne über Kronach sorgt.

Dass Jérôme dem Sprichwort "Essen wie Gott in Frankreich" alle Ehre macht, kommt nicht von ungefähr, stammt der Wahl-Wilhelmsthaler doch aus dem Erfinderland der Crêpes - genauer aus Hennebont, Kronachs französischer Partnerstadt "Das Rezept ist von meiner Oma", verrät der Bretone, der mit Wolfgang Fischer und Johann Püttner dem Deutsch-Französischen
Partnerschaftskomitee Kronach-Hennebont vorsteht. Am Stand des Komitees, der sich seit dem (damals noch) Altstadtfest 2004 auf dem Parkplatz der Firma Gold-Müller in der Rosenau befindet, kann am Wochenende wieder die Köstlichkeit erworben werden - süß oder herzhaft belegt. "Ich bereite immer zwei Teige zu: einen herzhaften mit Buchweizenmehl und Wasser sowie einen süßen mit Weizenmehl und Milch. Mehr wird aber nicht verraten, schließlich ist das Rezept geheim", meint er schmunzelnd, "nur so viel, dass der herzhafte Teig erst einige Stunden ruhen muss, bevor ihn die Leute am Stand heiß genießen können."

Geöffnet ist der Crêpes-Stand am Samstag von 11 bis etwa 18 Uhr sowie am Sonntag von 11 bis etwa 20 Uhr, falls man nicht vorher ausverkauft ist. Vor Ort sind Jérôme und seine Mitstreiter aber schon eher - am Samstag ab 9 Uhr für den Aufbau und die Dekoration des Standes sowie für die Vorbereitung der Infos über das Komitee als auch für eine - im Zelt zu sehende - Diaschau, die die Gegend um Hennebont vorstellt. Es gibt Rotwein und Cidre - ein vergorener Saft - in den Geschmacksrichtungen Apfel und Birne sowie natürlich Crêpes.

Er zählt sie nicht

Wie viele Crêpes an einem Tag über den Stand wandern, hat er noch nicht gezählt. "Ich mache immer zwei Zehn-Liter-Eimer mit dem herzhaften und einen Zehn-Liter-Eimer mit dem süßen Teig. Wenn man bedenkt, dass man nur einen Schöpflöffel voll Teig braucht, kommen da schon einige zusammen", überlegt er. Gefragt sei in Kronach insbesondere die herzhafte Variante, die Kinder bevorzugten die süßen Crêpes. Am Ende des Tages sind beide Eimer restlos leer. Man war auch schon vorzeitig ausverkauft. "Beim Hauptbetrieb stehen die Leute Schlange - vier, fünf Stunden ohne Pause. Das ist schon ein anstrengendes Wochenende für mich", räumt er ein. Trotzdem freue er sich immer sehr darauf, herrsche doch am Stand und in dem dazugehörigen kleinen Zelt alljährlich eine angenehme, freundschaftliche Atmosphäre.

Die Besucher seien sehr interessiert an seiner Heimat und der Arbeit des Komitees. "Es ist einfach diese Warmherzigkeit, mit denen man angenommen wird", sagt er gerührt. Man habe viele Stammgäste, die Jahr für Jahr kommen. Oft werde er während des Jahres angesprochen, ob der Stand wieder vertreten sei.

Die Crêpes gab es erstmals beim Altstadtfest 2004. Das Komitee hatte sich im Herbst 2003 gegründet. Man wollte das Komitee präsentieren und bekannt machen. So kam man auf die Idee, die Spezialität anzubieten. Großer Dank gebühre der Firma Gold-Müller, die seit Beginn nicht nur den Platz kostenlos zur Verfügung stellt, sondern auch Strom, Wasser und alles, was gebraucht wird. "Gold-Müller ist für uns ein Sponsor, ohne den es nicht gehen würde", betont der Bretone, der sehr stolz auf seine Herkunft ist. Crêpes seien dort eine regionale Spezialität, die es nahezu jede Woche gebe - so ähnlich wie in Kronach einmal wöchentlich Klöße auf den Tisch kämen.

Bretonen und Franken

"Eigentlich passen die Bretonen sehr gut zu den Nordbayern, da beide etwas herb in ihrer Art sind", meint Johann Püttner schmunzelnd. Dem Gründungsmitglied des Komitees ist - ebenso wie seinen Mitstreitern - die Städtepartnerschaft ein großes Anliegen. Gegründete habe sich diese auf private Initiativen, aufgenommen und unterstützt von vielen Bürgern auf beiden Seiten und auch einem großen Anteil der Stadtverwaltungen. In Zusammenarbeit mit den jeweiligen Komitees konnten bislang viele Begegnungen - offizieller und privater Natur - organisiert werden. "Voraussetzung ist und bleibt die Bereitschaft der Gasteltern, in den Partnerstädten Besucher aufzunehmen und zu betreuen. Ohne deren Gastfreundschaft und Engagement hätten sich diese Partnerschaften nicht so lebendig entwickeln können", betonen er sowie Elfi Wicklein, die als Reise- und Quartiersbeauftragte für die Unterbringung der französischen Gäste in Kronach verantwortlich ist und damit eine entscheidende Aufgabe inne hat.

Die Fahrten mit langjährigen Partnerschafts freunden und meist jugendlichen Erstfahrern bildeten den Kern der Komitee-Arbeit und seien Garanten für die Zukunft der Partnerschaft.


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