LKR Kronach
Gericht

Schläge mit Teppichklopfer gegen Tochter haben Folgen

Weil es seine Tochter mit einem Teppichklopfer im Juli 2014 geschlagen hatte, stand ein unverheiratetes Paar am Dienstag vor Gericht. Amtsgerichtsdirektor Jürgen Fehn stellte das Verfahren aber gegen die Zahlung von Geldbußen vorläufig ein. Im Verfahren kamen interessante Details zur Sprache.
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Symbolbild  Foto: Archiv
Symbolbild Foto: Archiv
Der 40-jährige Vater muss 600, die 43-jährige Mutter 300 Euro an den Sozialdienst katholischer Frauen in Kronach zahlen. Tun das beide bis Mitte Juni, trägt die Staatskasse die Verfahrenskosten und sie müssen nur ihre persönlichen Auslagen tragen. Versäumen sie es, "dann sehen wir uns hier wieder. Und dann wird das deutlich teurer", verdeutlichte Richter Fehn in der Verhandlung.

Staatsanwalt Michael Imhof rückte nach der Vernehmung der 16-jährigen Tochter vom ursprünglichen Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung gegen die Eltern ab, weil sich die Schläge als nicht so schwerwiegend herausstellten. Sowohl er als auch Richter Fehn konnten es sich nicht erklären, wie Vater und Mutter mit dem Teppichklopfer Gesäß und Oberschenkel ihrer Tochter getroffen hatten, wenn diese, wie sie aussagte, auf dem Sofa gelegen oder gesessen hatte.

Die Bande zwischen Eltern und Kind sind jedenfalls seit der Tat zerschnitten, denn die 16-Jährige lebt seitdem zusammen mit zwei weiteren jungen Leuten in einer Pflegefamilie. Dort gefällt es ihr ganz gut und ihre schulischen Leistungen sind nach ihren Angaben auch besser als vorher.


Die Eltern belogen

Weil sie ihre schlechten Noten verheimlichte und die Eltern belog, kam es zu Differenzen. Das gab die junge Frau vor Gericht unumwunden zu. Die Spannungen entluden sich an einem Montagnachmittag im Juli vergangenen Jahres: Die Situation eskalierte. Da griff der Vater zu einem Teppichklopfer aus Weidengeflecht und versetzte seiner Tochter vier Schläge auf Gesäß und Oberschenkel. Die Striemen sah man auch noch Tage später, wie anhand von Fotos gezeigt wurde.

Nachdem die Tochter ihre Mutter kurze Zeit später beleidigt hatte, holte der Vater erneut den Teppichklopfer hervor und forderte die Mutter auf, ihre Tochter damit zu schlagen. Die 43-Jährige tat dies einmal.


Der Freund rief bei der Polizei an

Die ganze Sache wäre nicht ans Licht gekommen, wenn die junge Frau nicht am nächsten Tag ihren Freund über die Schläge unterrichtet hätte. Der rief bei der Polizei an und berichtete, dass seine Freundin vom Vater "grün und blau geschlagen" worden sei. Eine Polizeistreife fuhr daraufhin zum Elternhaus und sprach mit der 16-Jährigen. Wie der ermittelnde Polizeibeamte vor Gericht aussagte, "wusste die 16-Jährige noch nicht, ob sie Anzeige erstatten solle". Sie habe befürchtet, dass sich das Jugendamt einschalte, wenn sie Anzeige erstatte.

Einen Tag später, mittlerweile waren zwei Tage seit den Schlägen vergangen, suchte die 16-Jährige zusammen mit ihrem Freund einen Arzt und das Jugendamt auf. Bei der Polizei erstattete sie Anzeige. Das Jugendamt schaltete sich sofort ein, und die 16-Jährige wurde bei einer Pflegefamilie untergebracht.

Den Vater haben die vier Teppichklopferschläge arg mitgenommen. Das bestätigte der Polizeibeamte: "Der Vater war bei der Vernehmung sehr betroffen. Der hat sich das zu Herzen genommen." Auch vor Gericht sagte der Vater, dass er nach den Schlägen nächtelang nicht geschlafen habe. Er habe seine Tochter gefragt, ob sie Schmerzen habe, was diese verneint habe. Die ganze Situation sei leider eskaliert.

"Angesichts der besonderen Umstände", wie es Richter Fehn formulierte, schlug er eine Einstellung des Verfahrens gegen Zahlung einer Geldbuße vor. Dem stimmten Staatsanwalt, die beiden Verteidiger und die beiden Angeklagten sofort zu.
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