Kronach
Festlegung

SPD und FW sind gegen einen Nationalpark Frankenwald

Beide Parteien haben sich in der Diskussion um einen möglichen Nationalpark Frankenwald eindeutig positioniert.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die Kreis-SPD bezieht mit ihrer Aussage "Ja zum Frankenwald, nein zum Nationalpark" klar Position. Im Bild von links: SPD-Kreistagsfraktionsvorsitzender Richard Rauh, SPD-Kreisvorsitzender Ralf Pohl und SPD-Bundestagskandidatin Doris Aschenbrenner. Foto: Veronika Schadeck
Die Kreis-SPD bezieht mit ihrer Aussage "Ja zum Frankenwald, nein zum Nationalpark" klar Position. Im Bild von links: SPD-Kreistagsfraktionsvorsitzender Richard Rauh, SPD-Kreisvorsitzender Ralf Pohl und SPD-Bundestagskandidatin Doris Aschenbrenner. Foto: Veronika Schadeck
Am Dienstag ging es Schlag auf Schlag. Am Vormittag hatte die SPD im Kreis zu einem Pressegespräch eingeladen mit dem Signal: "Ja zum Frankenwald - nein zum Nationalpark!" Eine Konzeptphase sei daher nicht erforderlich. Und dann sprachen sich die Freien Wähler (FW) ebenfalls eindeutig gegen einen Nationalpark aus. Abgezeichnet hatte sich dies bereits am Sonntag in einer Sitzung, zu der CSU, SPD und FW eingeladen hatten (der FT berichtete). Auch wenn sich zunächst die Parteien noch etwas bedeckt hielten, zeichnete sich ein Nein gegen einen Nationalpark bereits ab. Immer wieder war die Rede von einem Perspektivphase, in der man die zukünftigen Chancen des Frankenwaldes ausloten will. Damit wollte man sich zumindest die Tür offen halten, um nach München weiterhin Bereitschaft zu signalisieren, für den Naturschutz in der Region etwas leisten zu wollen - sicherlich mit dem Gedanken im Hinterkopf, am Ende nicht komplett leer auszugehen.

"Der Frankenwald ist im Kern nicht für einen Nationalpark geeignet", fasste der SPD-Fraktionsvorsitzende im Kreistag, Richard Rauh, zusammen. Er verwies auf eine am Montag stattgefundene Sitzung mit den SPD-Ortsvorsitzenden.


"Das Thema sollte beendet und vorhandene Gräben sollen zugeschüttet werden"

Die SPD habe sich ihre Entscheidung nicht leicht gemacht, erklärte er. Man habe Gespräche mit Fachbehörden und mit Bürgern geführt. Die Mehrheit der Bevölkerung wolle diesen Nationalpark nicht. Zudem verwies Rauh auf Fachleute, die den ökonomischen Nutzen eines Nationalparks mit einer Null bewerten.

Insgesamt hätte es vor diesem Prozess Spielregeln geben müssen, beispielsweise dahingehend wer entscheidet darüber, ob man in die Konzeptphase eintritt? Die Bevölkerung? Die Gemeinden? Der Kreistag? Erhalten die Kommunen die direkt betroffen sind, ein besonderes Stimmrecht? Das alles hätte geklärt werden müssen. "Das Thema sollte beendet und vorhandene Gräben sollen zugeschüttet werden", betonte Rauh.


Frankenwald weiterentwickeln

Nun gehe es darum, den Frankenwald auch ohne Nationalpark weiterzuentwickeln, vor allem auch auf touristischem Gebiet, so SPD-Kreisvorsitzender Ralf Pohl. Stattdessen sollte das Thema "Naturpark Frankenwald" besser forciert und vermarktet werden - beispielsweise, indem Naturschutzflächen in Touren integriert würden. Unverständnis war seiner Stimme zu entnehmen, als er fragte, warum denn der Freistaat Förderungen von einem Nationalpark abhängig mache. Und: "Wo liegt der Nutzen bei einem Nationalpark Frankenwald - außer im Geld?"

Den Frankenwald als Biosphärenreservat kann sich die SPD-Bundestagskandidatin Doris Aschenbrenner vorstellen. Auch sie habe viele Rückmeldungen gegen einen Nationalpark erhalten.
Einig waren sich Pohl und Rauh, dass die Diskussionen positive Anregungen und Potenziale für die Weiterentwicklung des Frankenwaldes hervorgebracht hätten. Als Beispiel fiel hier die angedachte Hochschule für Land- und Forstwirtschaft. "Dies mache Sinn im Hinblick auf den bestehenden Klimawandel und den damit notwendigen Waldumbau", so Pohl.


Freie Wähler ziehen nach

Am Dienstagnachmittag folgten schließlich die Freien Wähler (FW), die sich ebenfalls gegen eine weitere Prüfung eines Nationalparks Frankenwald stellten. In einer Pressemitteilung teilten die FW, dass man "von Anfang an sehr skeptisch gewesen sei, was die Verträglichkeit einer Nationalparkausweisung mit der im Frankenwald vorbildlich funktionierenden Land- und Holzwirtschaft betrifft".

Nun habe man sich ein abschließendes Urteil gebildet: "Der Frankenwald ist sowohl faktisch als auch nach den Vorgaben des Naturschutzrechtes ungeeignet, als Nationalpark ausgewiesen zu werden. Es handelt sich weder um zusammenhängende Flächen noch hat die Waldfläche in großen Bereichen die Voraussetzungen, als Naturschutzgebiet ausgewiesen zu werden." Auch würde die Ausweisung eine nachhaltige Störung des Wirtschaftskreislaufes "Holz" in unserer Region bedeuten, sind sich die FW sicher. Die Freien Wähler werden daher einer Konzeptphase mit dem Ziel, den Frankenwald als Nationalpark auszuweisen, nicht zustimmen."

Die Kreistagsfraktion der Freien Wähler verschließe sich aber der Prüfung anderer Perspektiven zur Weiterentwicklung des Frankenwaldes nicht. Begrüßenswert wäre insbesondere die Stärkung des bestehenden "Naturparks Frankenwald" oder die Ansiedlung einer Studien- und Forschungseinrichtung für eine nachhaltige Waldwirtschaft.

Aus Sicht der FW wurde der Frankenwald als Nationalparkgebiet auch deshalb "ins Spiel gebracht", da die Region dringend verbesserte Zukunftsperspektiven braucht. Auch wenn der Nationalpark die falsche Zielrichtung gewesen sei, werde die Entwicklung von Perspektivprojekten, die insbesondere dem demografischen Wandel entgegenwirken, ausdrücklich begrüßt.


Zielsetzung bleibt

MdL Jürgen Baumgärtner (CSU) erklärte, dass sich an der eigentlichen Zielsetzung nichts geändert habe. "Wir als CSU haben immer gesagt, dass wir darum bitten zu prüfen, ob der Frankenwald ein geeigneter Kandidat für einen möglichen Nationalpark wäre beziehungsweise wie sind die Perspektiven." Deshalb will er auch weiterhin mit allen Beteiligten über die Zukunft des Frankenwaldes reden. Von einer geschlossenen Tür Richtung München will er nichts wissen: "Wir werden versuchen, ein Angebot zu erstellen, in dem Ökologie und Ökonomie miteinander verbunden sind." Dennoch unterstreicht Baumgärtner: "Wir haben immer gesagt, dass wir nichts gegen den Willen der Menschen machen werden. Aber dazu muss erstmal was auf dem Tisch liegen", spricht er die ursprünglich angestrebte Konzeptphase an. Aber diese spielt nun keine Rolle mehr.

Von zentraler Bedeutung für die weitere Diskussion seien nun vier Punkte: "Wo stehen wir als Frankenwald? Wo wollen wir hin und wie ist der Weg dorthin? Dabei gehe es darum, die natürliche und kulturelle Vielfalt zu erhalten sowie nachhaltige Modelle vor dem Hintergrund der Demografie zu entwickeln und dabei Forschung, Bildung, Ausbildung, Tourismus sowie die Wertschöpfung für die Region in Einklang zu bringen.

Baumgärtner selbst unterstützt das Vorhaben eines dritten Nationalparks in Bayern an der Stelle, wo es naturschutzfachlich gut ist. Er habe großes Vertrauen in Horst Seehofer. "Er wird erkennen, was hier im Frankenwald noch zu tun ist".

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren