Hesselbach
Geselligkeit

Rollentausch beim himmlischen Duo

Seit über 40 Jahren findet am Nikolaustag in Hesselbach eine kleine gemeinsame Feier für das Dorf mit Bescherung für die Kinder statt - so auch heuer. Eingeladen hatten die Freiwillige Feuerwehr und der Musikverein Hesselbach.
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Nico und Fabian hören aufmerksam zu, was ihnen der Nikolaus (Alexander Hoderlein) und der Knecht Ruprecht (Ralf Welsch) zu sagen haben.
Nico und Fabian hören aufmerksam zu, was ihnen der Nikolaus (Alexander Hoderlein) und der Knecht Ruprecht (Ralf Welsch) zu sagen haben.
Die Rollenverteilung ist klar: Einerseits ist da der liebe und gütige Nikolaus, der die Kinder für alles lobt, das sie im vergangenen Jahr gut gemacht haben. Und dann gibt es noch den Knecht Ruprecht, der schon mal die Route schwingt oder fest mit seinen Stiefeln aufstampft, wenn der Heilige Bischof aus seinem goldenen Buch die Schandtaten des Betreffenden vorliest.

"Nicht ablenken lassen!"

Wenn sich heuer die Stimme des Hesselbacher Nikolaus' ein wenig anders als sonst anhörte und "verdächtig" an die seines gestrengen Begleiters der vergangenen Jahre erinnerte, hat das einen guten Grund: Rollentausch!
"Fabian, ich weiß, dass du dir immer viel Mühe gibst.
Aber das Schwätzen musst du lassen und lass dich nicht immer von den anderen ablenken."

Mit großen Augen blickt Fabian an diesem Abend zum Nikolaus und zum Knecht Ruprecht, die sich am schmucken Hesselbacher Ortsmittelpunkt "Am Plan" neben dem großen, beleuchteten Weihnachtsbaum und dem Dorfbrunnen niedergelassen haben.

Der Heilige Mann liest aus seinem goldenen Buch vor. Neben Fabian steht sein kleiner Bruder: Nico, der jetzt schon ein Vorschulkind ist. "Ich muss lesen, dass du deine Spielsachen nicht immer aufräumst. Das muss dann Fabian mit machen", tadelt auch ihn der Nikolaus.

Richtig brave Jungs

Doch bis auf diese Kleinigkeiten sind die Brüder zwei richtig brave Jungs, die ihren Eltern viel Freude bereiten. Dafür erhalten sie "verdientermaßen" schöne Geschenke - genau wie die 19 anderen Kinder, die, nachdem sie vom Nikolaus aufgerufen werden, nach vorne treten.

Dort hören sie sich an, was der Heilige Mann so über sie zu berichten weiß. Dann gibt es Geschenke, die auf dem Anhänger des Feuerwehrautos gestapelt sind. Mit diesem war das von der Bevölkerung schon voller Vorfreude erwartete "Himmlische Duo" auch vorgefahren.

Alljährlich ist am Nikolaustag nicht nur "das halbe Dorf" unterwegs, sondern auch die Gäste aus den umliegenden Ortschaften und sogar aus anderen Gemeinden werden immer mehr. Längst ist das schöne Gemeinschaftsprojekt, das nun schon seit über 40 Jahren aufrecht erhalten wird, zum Besuchermagneten geworden.

Organisiert und durchgeführt wird die Veranstaltung von der Freiwilligen Feuerwehr und vom Musikverein Hesselbach, der auch mit Weihnachtsstücken für die festliche Umrahmung der kleinen Feier sorgte.

Wie lange Alexander Hoderlein und Ralf Welsch schon als "Himmlisches Duo" fungieren, wissen sie nicht mehr so genau. Hoderlein war eine ganze Zeit lang der Nikolaus. Als er dann aber selbst Papa wurde, folgte der Rollentausch: Hoderlein wurde zum Knecht Ruprecht, Welsch zum Nikolaus.

Mittlerweile sind die Kinder von Hoderlein dem "Nikolaus-Alter" entwachsen, während sich nunmehr bei Welsch Nachwuchs eingestellt hat. Daher tauschte man heuer "zurück" und die einstige Rollenverteilung ist nun wieder hergestellt.

Wie lange es die Aktion nun genau gibt, müsste recherchiert werden. Zunächst wurde sie- etwa 30 Jahre lang - im Hesselbacher Gemeindehaus abgehalten. Vor rund zehn Jahren verlagert man sie an den idyllischen Dorfmittelpunkt.

In den rund vier Jahrzehnten hat sich am Ablauf der Veranstaltung, das es in dieser Form und über einen solchen langen Zeitraum sicherlich nicht allzu oft geben dürfte, nicht viel geändert - und zwar ganz bewusst, um diese schöne alte Tradition so aufrecht zu erhalten.

Ihr "Insiderwissen" haben Nikolaus und Knecht Ruprecht von den Eltern, die alljährlich die guten wie auch weniger guten Eigenschaften ihrer Sprösslinge aufschreiben und diese Notizen mitsamt den Geschenken bei der Feuerwehr abgeben. Die geheimnisvollen Päckchen und Tütchen werden auf dem Feuerwehrauto-Anhänger transportiert - ebenso wie die "Göttlichen Abgeordneten" selbst.

Am Dorfmittelpunkt liest der Nikolaus aus seinem Goldenen Buch vor, welche Kinder im ablaufenden Jahr das eine oder andere auf dem "Kerbholz" hatten - aber natürlich auch, welche besonders fleißig und artig waren.

Noch immer sagen der Knecht Ruprecht und der Nikolaus den gleichen Begrüßungsspruch auf und auch die Verabschiedung ist noch wie früher: "Behüt euch Gott in seiner Gnad und schirme euren Lebenspfad, dass ihr nach allem Erden Leid, dann kosten dürft die ewige Freud."

"Das hat Tradition und das wird beibehalten", kündigen die beiden an. Genau wie die schöne Nikolausfeier in Hesselbach, die natürlich auch 2015 wieder stattfinden wird, mit welcher Rollenverteilung auch immer.
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