Mit einem langgezogenen "Ja, so is des!" beginnt der Wortkünstler ein Halbsatz-Festival, bei dem er scheinbar absichtslose Verdreher produziert, womit vermeintlich glasklare Szenen plötzlich in ein anderes Licht gesetzt werden. Ottfried Fischer bemerkte in seiner Schlachthof-Sendung einmal über den wahren Prachtkerl geistigen Tiefflugs: "Er weiß nicht was er sagt. Aber er meint es genau so." Diese Feststellung passt wie die Faust aufs Auge.

Bei seinem neuen Programm "Tatsachen" dreht sich viel um seine beiden Spezis, dem rasanten Jürgen und Achim, dem Bremser. Diesen beiden widmet er sich gleich in seiner ersten Geschichte, wobei denen ein Audi A 6, ein Pkw bei dem serienmäßig das Abblendlicht fehlt und den es nur in der Farbe dunkelgrau, also grau halt, gibt. Wegen deren Fahrweise seien Schilder mit der Aufschrift "Vorsicht Gas - Kinder weg" aufgestellt worden.
Auch kümmert er sich um deren Frauen wobei er feststellen musste: "Eine Frau, wo schweigt, die hat doch was zu sagen." Oder: "Eine Frau wo schweigt, nicht unterbrechen." Auch "Die Frau ist zu wahr, um schön zu sein" kommt ihm da über die Lippen.

Mit einer Mischung aus nordbadischem und westfränkischem Dialekt hinterlässt er den Eindruck, als würde er gerade seinen Stammtisch unterhalten, plaudert recht locker aus dem Nähkästchen und analysiert die gescheiterte Beziehung seines Freundes Achim mit einem tiefsinnigen "Mit der Trennung haben sich dann auch viele Beziehungsprobleme gelöst."
Gerne zieht Miller über Zipfelgesichter und Schiffschaukelbremser her. Westerwelle, Kerner, Kachelmann - dies sind doch keine Politiker, sondern ferngesteuerte Luftpumpen. Zum Überlebenskünstler Rüdiger Nehberg bemerkt er: "Der steht früh auf und überlebt den ganzen Tag." Oder über Versicherungsberater. Nach so einem Beratungsgespräch, "da brauchst Du drei Wochen lang einen Schleimlöser." Von Vorurteilen ist er auch nicht frei: "Nicht jeder Araber ist ein Terrorist, aber jeder Terrorist ein Araber."

Mit einfachsten Wörtern und passenden Pausen verliert er zielsicher den Faden und schafft es dennoch komplizierte Zusammenhänge auszudrücken. Genau mit dem, was der in Walldürn geborene Odenwälder nicht sagt, bringt er die rund 300 Zuschauer zum Lachen. Dabei sitzt er locker da und kommt auch auf die USA zu sprechen. "Die Amerikaner können aus jedem Dreck Scheiße machen." Präsident Barock Obama prophezeit er keine gute Zukunft: "Der wurde gefeiert wie der Podolski beim FC Köln, und wo steht Köln jetzt in der Bundesliga?" Denn stellt Miller die Frage an das Publikum "Wieviel Neger braucht man in New York um die Fenster eines Wolkenkratzers zu reinigen?" Seine Antwort: "Keinen, ist doch Frauensache."

Miller nimmt aber auch sein enges Umfeld auf die Schippe und meint wegen seinem Sohn: "Der geht jetzt aufs Gymnasium. Der braucht sich nicht wundern, wenn er das Abitur dann hat." Kürzlich habe dieser bei einer Mathe-Prüfung alles richtig gehabt, bis auf das Ergebnis.
Mit Sätzen wie "Wenn nur die schönsten Vögel singen würden, wäre der Wald ganz schön leer", "Das muss man sich einmal auf der Zunge...vorstellen", "Wer nachts schläft braucht sich nicht zu wundern, wenn er am Tag arbeiten muss" oder "Wenn die Katze ein Pferd wäre, könnte man die Bäume rauf reiten", die natürlich beliebg forgesetzt werden könnten, verflechtet Miller immer wieder seine "Tatsachen".

Das Überraschende und Spontane seiner Einfälle, seine Gedanken in Trümmern, erzeugt jede Menge Lacher in Kronach. Die finsteren Abgründe seiner Selbst- und der Weltkritik überspringt er zumeist schwungvoll oder lässt sie schlicht leer im Raum stehen. Nach kunstvollen Satz-Abrissen meint er: "Ein Blackout ist einen Sonnenaufgang dagegen."
Diese Sonnenaufgänge waren es, die den Freitagabend zu einem Lach- und Spaßgenuss werden ließen. Als der 43-Jährige nach dem abschließenen Beifall noch zwei Mal zurück auf die Bühne kommt, sagt er selbstironisch "Wenn Sie gefragt werden, was erzählt der da, was macht der da - da wird ihnen nicht viel einfallen."