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Bildung

Realschule in Pressig: Wie geht es weiter?

Die SPD sieht bei der Realisierung einer Realschule in Pressig Hürden. Die CSU wiegelt ab und hält am Projekt fest.
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Ab 2018 könnten an der Pressiger Schule auch Realschüler unterrichtet werden - oder doch nicht? Foto: Archiv
Ab 2018 könnten an der Pressiger Schule auch Realschüler unterrichtet werden - oder doch nicht? Foto: Archiv
Vier Tage vor der Landratswahl im September hatte Kultusminister Ludwig Spaenle verkündet, dass in Pressig eine zweizügige Realschule entstehen soll. MdL Jürgen Baumgärtner geht nach wie vor davon aus, dass man 2018 mit der fünften Jahrgangsstufe starten kann. Doch wie realistisch ist das?

MdL Jürgen Baumgärtner (CSU) erklärte auf Anfrage, dass der neue Landrat Klaus Löffler (CSU) im Januar 2017 zu einer Sitzung einladen wird. Man will dann in einem von ihn benannten Kreis ausloten, welche Schritte zunächst zu unternehmen sind. Auf der Grundlage dieser Ergebnisse soll danach ein entsprechender Kreistagsbeschluss gefasst werden, der im Kultusministerium eingereicht wird.

Baumgärtner glaubt, dass der Antrag bis Ende März 2017 dem Kultusministerium vorliegen wird.
Ganz so zuversichtlich scheint die SPD nicht zu sein. Der SPD-Kreistagsfraktionsvorsitzende Richard Rauh sprach kürzlich bei einer Versammlung in Steinbach von "Hürden, die sich auftun".


Anfrage an den Landtag

Der Hofer Landtagsabgeordnete Klaus Adelt (SPD), der den Landkreis Kronach mit vertritt, berichtet zudem von einer Anfrage an den Landtag. Demnach sei eine dritte Realschule für den Landkreis Kronach nicht sicher. Tatsächlich sei mitgeteilt worden, dass das Kultusministerium bereit sei, Realschulvorläuferklassen (also fünfte Klassen) am Standort Pressig mit Schülern aus dem nördlichen Landkreis zu bilden. Die Entwicklung der Schülerzahlen an den beiden Realschulen in Kronach und die Akzeptanz des Standorts Pressig durch die Eltern würden über die nächste Zeit beobachtet werden. Aus der Bewertung würden dann zu gegebener Zeit die entsprechenden Rückschlüsse gezogen werden. Das Ergebnis könnte eine eigenständige zweizügige Realschule in Kooperation mit der Mittelschule sein.

Es wird in dem Antwortschreiben auch darauf hingewiesen, dass derzeit noch kein Antrag aus dem Landratsamt vorliegt und daher auch noch keine detaillierten Schülerzahlberechnungen seitens des Ministeriums eingefordert worden sind.

Was das Thema kleinere Klassen betrifft, so ist davon die Rede, dass es für ganz Bayern Vorgaben zur Klassenbildung gibt - und diese würden auch für eine Realschule in Pressig gelten. Wie aus einem Schriftstück der Kultusministerkonferenz zu entnehmen ist, gibt es in Bayern für Realschulen keine Untergrenzen bei der Klassenbildung. Vielmehr steht diese stets im Kontext mit der Lehrerwochenstundenzahl.

Grundvoraussetzung für die Gründung einer Realschule in Kooperation mit einer Mittelschule sei jedenfalls eine dauerhafte Zweizügigkeit. Ob überhaupt Räumlichkeiten in der Mittelschule in Pressig vorhanden seien beziehungsweise angebaut werden müssten, das hänge vom Schulaufwandsträger. Und das ist in diesem Fall der Markt Pressig. Wie Bürgermeister Hans Pietz (FW) auf Anfrage erläuterte, könne in seiner Schule eventuell zwar Realschul-Vorläuferklassen untergebracht werden. Aber die Kapazitäten würden auf Dauer für eine Realschule nicht ausreichen. Es müsste erweitert werden oder gar ein neues Schulhaus entstehen.


Auf Signal warten

Die Schulleiterin der Realschule I, Christa Bänisch, unter deren Federführung eine Projektgruppe in Zusammenarbeit mit dem Landkreis und dem Ministerium die Realschule in Pressig etablieren soll, sprach davon, dass sie erst auf ein Signal aus dem Kultusministerium warte. Das werde aber erst nach dem Antrag durch den Landkreis Kronach erfolgen, mutmaßt sie. Sie weist darauf hin, dass bis jetzt noch keinerlei Anfragen von Eltern hinsichtlich einer Realschule in Pressig erfolgt sind. Das sei aber auch verständlich, weil in Pressig zunächst mit den fünften Klassen gestartet werden soll. Die Erfahrung zeige, dass die Eltern erst nach den Zwischenzeugnissen beziehungsweise im Frühjahr mehrheitlich aktiv werden, wenn es um den Übertritt an eine weiterführende Schule geht.

Für Baumgärtner ist indes klar, dass die Realschule in Pressig kommen wird. "Wir werden so schnell wie möglich ein weiteres Schulangebot im Norden etablieren." Dabei spricht er von einem Paradigmenwechsel. Denn zum ersten Mal wolle man "in Bayern nicht wegen der Schülerzahlen eine Schule gründen, sondern weil man eine Struktur stärken will". Und: "Will man wohnortnah Heranwachsende beschulen, gibt es keine Alternative zu kleineren Klassen."
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