Der 60-jährige Angeklagte hatte Anfang April versucht, die Löwen-Apotheke in Kronach auszurauben. Unmaskiert war er zwischen 8.30 und 9 Uhr in die Apotheke gekommen und hatte einer Mitarbeiterin befohlen: "Geben sie mir Bargeld, ich habe eine Kalaschnikow!"
Unbeeindruckt und in dem Glauben, der Mann mache einen Scherz, lief die Zeugin in das Büro ihrer Chefin und erzählte ihr vom Geschehen. "Im ersten Moment wirkte der Mann auf mich nicht bedrohlich. Ich dachte nur, dass eine Kalaschnikow doch größer sei und somit nicht in seinen Rucksack passen würde", erklärte die 42-jährige Mitarbeiterin. Auch die Inhaberin der Apotheke konnte zuerst nicht glauben, was sich da abspielen sollte. "Ich schaute meine Mitarbeiterin an und wartete auf die Pointe", erinnerte sie sich. Danach musste diese sich selbst von der Situation überzeugen und ging in den Laden. Dort wartete der Angeklagte inzwischen immer noch auf sein Bargeld.
"Ich wurde dann laut und deutlich, hatte aber keine Angst vor ihm", verdeutlichte die 44-jährige Inhaberin. Danach verschwand der Angeklagte, ohne ein Wort zu sagen, aus der Apotheke. Schon vor ein paar Jahren hatte der Mann ein Lebensmittelgeschäft erfolgreich ausgeraubt.

Tat zugegeben


Der Angeklagte selbst bestätigte die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft und entschuldigte sich bei der Inhaberin der Apotheke und deren Mitarbeiterin. Dies lobte Richterin Weilmünster in ihrem Urteil und stellt fest: "Man erkennt, dass sich der Angeschuldigte auch für seine Tat schämt."
Die Tat selbst beging der 60-Jährige nach eigenen Angaben aus Geldmangel. Er habe schon zu Anfang des Monats kein Geld mehr gehabt und dazu noch einen heftigen Streit mit seinem Mitbewohner. "Zudem habe ich auch noch gesundheitliche Probleme - da kam alles zusammen", stellte er fest.
Staatsanwalt Matthias Huber plädierte auf eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten. Diese könne man zur Bewährung aussetzen, da man in dem hohen Alter des Angeklagten keine schlimme Straftat mehr von ihm erwarte. Zudem sollten dem Angeklagten 100 Stunden gemeinnützige Arbeit aufgetragen werden. "Mit 60 Jahren ist man zu alt für einen Raub. Nicht mal die Geschädigten konnte der Angeklagte beeindrucken", stellte Huber fest.
Verteidiger Helmut Geiger schloss sich dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft an. "Die Folgen sind sehr gering, deshalb könnte man die Freiheitsstrafe auf Bewährung aussprechen", teilt Geiger mit und fügt hinzu: "Es war selten dumm von meinem Mandanten, da früh auch noch fast kein Geld in der Kasse war."
Richterin Claudia Weilmünster war derselben Auffassung wie der Staatsanwalt und der Verteidiger. "Die 100 Stunden gemeinnützige Arbeit kann der Angeklagte trotz seiner gesundheitlichen Probleme verrichten", erklärt sie.