LKR Kronach
Infrastruktur

Radwege in und um Kronach verbessern

Der Schwarze Steg ist seit August 2014 gesperrt. Der Bund Naturschutz, der ADFC und "Bündnis 90/ Die Grünen" fordern eine zeitnahe Renovierung. Aber auch sonst müsse in Sachen Radfahren in Stadt und Landkreis einiges getan werden, finden sie.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die Kronacher Kreisvorsitzende vom Bund Naturschutz, Elisabeth Hoffmann, Kreisrat Matthias Rudolph, Stadtrat Peter Witton, sowie der Kronacher ADFC-Kreisvorsitzende Michael Kestel (von links) fordern eine zeitnahe Renovierung des Schwarzen Stegs. Foto: Heike Schülein
Die Kronacher Kreisvorsitzende vom Bund Naturschutz, Elisabeth Hoffmann, Kreisrat Matthias Rudolph, Stadtrat Peter Witton, sowie der Kronacher ADFC-Kreisvorsitzende Michael Kestel (von links) fordern eine zeitnahe Renovierung des Schwarzen Stegs. Foto: Heike Schülein
Er gehört zu den Top Fünf der beliebtesten Radwege des Bayernnetzes für Radler: Der Rennsteig-Main-Lions-Radweg erstreckt sich vom Rennsteig durch den Tettaugrund und das Rodach- bis ins Obermaintal. In Kronach führt er dabei auch über den Schwarzen Steg am Zusammenfluss von Haßlach und Kronach im Bereich des nördlichen Eingangs zum LGS-Gelände. Der ist jedoch seit August 2014 wegen seines baulichen Zustands für Fußgänger wie Radfahrer gesperrt.

Radler, die in Kronach von Nord nach Süd wollen, müssen einer Umleitung folgen: über die Bahnhofs- und Europabrücke über die Pfählangerstraße ins LGS-Gelände. Von dort kommende Radfahrer werden wegen der Einbahnstraßenregelung über die Pfählangerstraße und die Spitalbrücke und von dort über die Bahnhofsstraße in und durch die Innenstadt geleitet - eine Umleitung, die für Radfahrer mit Gepäck und Gruppen mit erheblichen Einschränkungen verbunden ist und nun schon viel zu lange andauert.

So sehen es die Vorsitzende der Kreisgruppe Kronach des Bund Naturschutz,Elisabeth Hoffmann, Kreisrat Matthias Rudolph und Stadtrat Peter Witton vom "Bündnis 90/Die Grünen", sowie auch Michael Kestel, Vorsitzender des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), Kreisverband Kronach. Bei einem Ortstermin untermauerten sie ihre Forderung nach einer zeitnahen Instandsetzung des Brückenbauwerks oder guten Ersatzlösung.

Verbindungsteile am Steg sind morsch

Der Steg in Holzbauweise war vor etwa 13 Jahren im Vorfeld der Landesgartenschau errichtet worden. Mittlerweile sind einzelne Verbindungsteile an den Anschlüssen morsch und die Holzkonstruktion in schlechtem Zustand. Es überrasche dennoch, so die vier, dass dieses so mächtige Bauwerk für Fußgänger und Radfahrer jetzt nicht mehr sicher sein soll. Es wäre zu prüfen, ob nicht durch kleinere Sanierungsmaßnahmen wie beim Neuseser Wehrsteg das Problem zu lösen wäre. "Solche Verwitterungsschäden passieren leider bei Holzbrücken in freier Natur ohne Überdachung", erklärt Kestel.

Der Schwarze Steg sei zwar die dringendste, aber keinesfalls die einzige Schwachstelle in Sachen Radwegenetz. Dies sei - so auch die Meinung von Hoffmann, Rudolph und Witton - umso bedauerlicher, da Kronach über sehr gute geografische Voraussetzungen für einen Ausbau der Radfahrerkultur verfüge. "Grundsätzlich gibt es im Landkreis Kronach viele schöne Radwege, die auch gut in Schuss gehalten werden. In der Stadt selbst ist es leider so, dass man mit dem Rad zwar von außen rein, aber innen nicht durchkommt. Es gibt überall Stopps und man muss sich halt durchwurschteln", bedauert Kestel. Viele Radwege enden abrupt, wie in der Industriestraße.

Dabei sei man in Kronach in der glücklichen Lage, dass die Stadt einen Durchmesser von nur drei Kilometern habe. So könne man alle publikumsintensiven Einrichtungen innerhalb von 30 Minuten zu Fuß beziehungsweise in zehn bis zwölf Minuten mit dem Fahrrad erreichen. Dies gelte auch für die Festung oder die Siedlung am Kreuzberg, für die der ADFC ein Radwegenetz anregt - insbesondere auch für die vielen Schüler der Kronacher Schulen. "Wir haben in Kronach viele Punkte, zu denen die Leute gerne mit dem Fahrrad hinwollen", zeigte er sich sicher. Leider seien aber viele beliebte Einrichtungen der Stadt - beispielsweise Schwimmbad, Krankenhaus, Friedhof, Schützenplatz, Festung, Fußballplatz, Rathaus - radmäßig nicht gut erschlossen.

Barrierefreiheit am Bahnhof ist wünschenswert

Dringenden Bedarf sieht man insbesondere im Bereich des Bahnhofes - gerade auch im Hinblick auf Barrierefreiheit. In diesem Zusammenhang sei bereits ein Schreiben an die Bahn herausgegangen und man habe auch MdB Hans Michelbach (CSU) eingeschaltet. Leider zeige die Bahn diesbezüglich noch wenig Bereitschaft, so dass von deren Seite aus in den kommenden Jahren kaum mit durchgreifenden Verbesserungen zu rechnen sei. "Wir müssen selbst aktiv werden und unsere Forderungen vertreten. Wir müssen Druck machen", appellierte Kestel. Wünschenswert sei - nach Meinung von Witton - Barrierefreiheit ohne Aufzug. Dringend müssten dort außerdem auch bessere überdachte Fahrradabstellmöglichkeiten geschaffen werden. Das gelte im übrigen auch für Schulen, Verwaltungen, Betriebe und Einkaufsstätten.

Eine weitere Lücke im Radwegenetz sah man im Bereich der alten Rodachtalbahn, auf der Eisenbahnlinie neben der B 173 beziehungsweise B 303, einschließlich Teilen des Bruno-Piper-Wegs. Hier wünschte man sich, dass die bereits mit Sand verdichtete Bahntrasse - eine sehr gute Idee - zu einen verlängerten Radweg zwischen Ruppen über die Stockhardtsbrücke bis zum LGS-Gelände ausgebaut wird. Diese Strecke ermögliche eine kreuzungsfreie Fahrt und wenig Stress besonders für ältere Menschen.

Die geplante staatliche Finanzschule könnte damit gut per Rad erreicht werden, ebenso wie das Gymnasium und die Berufsschule. Weitere wichtige Maßnahmen seien die Fortführung des Radweges an der stark frequentierten Kreisstraße KC 25 zwischen Gundelsdorf bis Letzenhof sowie an der Kreisstraße KC 12 von Planersgut nach Fischbach. Da der Radweg an der Kreisstraße KC 12 von Ruppen lediglich bis Ortsbeginn Vogtendorf geht, müssen die Radfahrer bislang hier die ohnehin enge Ortsdurchfahrtsstraße benutzen. Diese drei Maßnahmen sollten vom Landkreis zügig angegangen werden.

Renovierung des Stegs ist teuer, aber notwendig

Am dringendsten Not tue aber der Schwarze Steg. Ob Renovierung oder Neubau - "Das wird sicher eine kostenintensive Angelegenheit", ist sich Stadtrat Witton der finanziellen Lage der Stadt bewusst. Dennoch sei - in Anbetracht der Notwendigkeit einer für Radfahrergruppen erforderlichen vernünftigen Nord-Süd-Verbindung - ein umgehendes Handeln erforderlich. Entsprechende Gelder müssten in den Haushalt eingestellt werden. Am geeignetsten sei eine möglichst einfache Stahlkonstruktion mit Asphaltbelag. "Holz ist nicht optimal. Wenn es nass wird, rutscht man beim Fahrradfahren leicht weg", zeigt er sich sicher. Als Alternative käme eventuell auch ein Radfahrweg über die alte Eisenbahnbrücke in Frage.

Einig waren sich die vier auch in einem Punkt. Sie appellieren: "Die Stadt Kronach braucht einen Radwegbeauftragten - als kompetenten Ansprechpartner rund ums Fahrradfahren sowie für Wünsche und Anregungen zur Verbesserung des Radverkehrs."

Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren