LKR Kronach
Urteil

Prozess in Kronach: Jugendstrafe für die Schläger

Weil sie ihrem damaligen Mitschüler und Bekannten mehrere Schläge verpassten, standen drei junge Männer vor dem Kronacher Amtsgericht. Trotz umfassender Beweisaufnahme ließ sich der Fall nicht mehr lückenlos rekonstruieren.
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Zwei 16-Jährige und ein 21-Jähriger aus dem Landkreis Kronach hatten einen 15-Jährigen misshandelt. Das brachte sie vor Gericht. Symbolbild: dpa
Zwei 16-Jährige und ein 21-Jähriger aus dem Landkreis Kronach hatten einen 15-Jährigen misshandelt. Das brachte sie vor Gericht. Symbolbild: dpa
Zwei 16-Jährige und ein 21-Jähriger aus dem Landkreis Kronach mussten sich am Freitag wegen gefährlicher Körperverletzung vor Jugendrichter Jürgen Fehn verantworten. Sie sollen im März diesen Jahres einen 15-Jährigen, ebenfalls aus dem Landkreis Kronach, im Form von Schlägen und Tritten körperlich misshandelt haben. Alle drei Angeklagten sollen nun durch Sozialstunden oder Anti-Aggressionstraining wieder auf die richtige Bahn gebracht werden.
Vor Gericht räumten die Täter die Vorfälle teilweise ein. Einer der 16-Jährigen schilderte den Tathergang umfassend: Die drei jugendlichen beziehungsweise heranwachsenden Täter sollen am 23. März dieses Jahres, als sie ihren Nachmittag am Kronacher Bahnhof verbrachten, am Bahnsteig auf ihr Opfer getroffen sein. Zwei der jungen Männer kannten das Opfer bereits aus der Schule. Nachdem der 15-Jährige auf die drei Täter gestoßen sei, soll ihm einer der Angeklagten mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben. "Er stand auf und verpasste mir erst mal eine Faust", so das Opfer vor Gericht. "Ich kann aber nicht mehr sagen aus welchem Grund", erklärte einer der Täter.


Opfer verlässt Gerichtssaal

Noch am selben Nachmittag sollen sie den 15-jährigen Schüler wenig Zeit später in der Unterführung des Bahnhofs weiter misshandelt haben. "Weil er mich damals immer beleidigt hatte, habe ich ihm mit der Faust in den Bauch geschlagen", gab ein weiterer Angeklagter zu. Anschließend soll sein 21-jähriger Freund dem Opfer von hinten kommend mit dem Knie ins Steißbein getreten haben. Unmittelbar nach der Tat sei das Opfer nach eigenen Angaben in einen Kronacher Jugendtreff gegangen, was Richter Jürgen Fehn kritisch hinterfragte: "Wenn man Schmerzen hat, geht man doch zum Arzt oder ruft die Eltern an?". Der Junge wusste nicht so recht, was er darauf antworten sollte. Zur Untersuchung sei er erst einen Tag später gegangen, bei der dann eine Beckenprellung festgestellt worden sei. Als es bei der weiteren Befragung zum genauen Tathergang noch einige Ungereimtheiten gab, beispielsweise in welchen zeitlichen Abständen sich die drei einzelnen Schläge zugetragen haben, rannte der 15-Jährige wortlos aus dem Gerichtssaal - ohne zurückzukommen.


"Merkwürdiger Eindruck"

Letztendlich konnte auch nach der Befragung zwei weiterer Zeugen der genaue Sachverhalt nur teilweise geklärt werden. "Das Opfer hat auf mich einen merkwürdigen Eindruck hinterlassen", sagte Staatsanwalt Stefan Jäger. Das Gericht war sich einig, die Reue zeigenden Täter nach Jugendstrafrecht zu verurteilen und ihnen mithilfe von Sozialstunden ihre Lektion zu erteilen. Richter Fehn sprach die drei Täter nicht - wie in der Anklage vorgesehen - wegen gefährlicher, sondern wegen vorsätzlicher Körperverletzung schuldig. Die beiden 16-jährigen Schüler wurden zu jeweils 40 Sozialstunden verdonnert.
Der einschlägig vorbestrafte und arbeitslose 21-Jährige muss neben 80 Sozialstunden ein Anti- Aggressionstraining auf eigene Kosten besuchen und sich zukünftig drei Monate vom Jugendamt betreuen lassen. Janine Weber

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