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Programm für Langzeitarbeitslose im Kreis: Zurück ins Berufsleben

Viele Langzeitarbeitslose wollen gerne wieder arbeiten. So ging es auch Katrin Grünbeck, die nach der Schlecker-Pleite in ein tiefes Loch fiel.
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Eine Handmassage und ein Pläuschchen mit Brigitte Müller (links): Die Arbeit mit Menschen macht Katrin Grünbeck richtig Spaß.  Foto: Lisa Kieslinger
Eine Handmassage und ein Pläuschchen mit Brigitte Müller (links): Die Arbeit mit Menschen macht Katrin Grünbeck richtig Spaß. Foto: Lisa Kieslinger
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17 Jahre lang arbeitete Katrin Grünbeck als Verkäuferin in einer Schlecker-Filiale. Dann der Schock. Das Unternehmen ist pleite, schließt alle Filialen und setzt seine Mitarbeiter auf die Straße. Katrin Grünbeck hat ihr ganzes Leben lang gearbeitet. Und dann das. "Ich bin in ein richtiges Loch gefallen. Ich wusste nicht mehr, was ich machen sollte", erzählt die gelernte Arzthelferin.

Doch eins war ihr klar: Zurück in den Verkauf wollte sie nicht mehr. Sie machte in Absprache mit dem Jobcenter Landkreis Kronach eine Weiterbildung zur Betreuungsassistentin und rutschte nach einer Zeit in das Integrationskonzept, mit dem sich das Jobcenter seit zwei Jahren am ESF-Programm des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales beteiligt. Ziel ist es, Langzeitarbeitslose wieder in den Arbeitsmarkt einzugliedern.

Im Landkreis stehen dafür 62 Förderplätze zur Verfügung, die mit 1,7 Millionen Euro ausgestattet sind. 15 Frauen und 28 Männer konnten im Kreis bereits von dem Bundesprogramm profitieren. Darunter auch Katrin Grünbeck. Nach vier Jahren Arbeitslosigkeit, etlichen Bewerbungen und erfolglosen Bewerbungsgesprächen bekommt sie eine neue Chance: Seit Mai 2016 gehört die 47-Jährige fest zum Team des ambulanten Pflegedienstes von Elisabeth und Bernd Baierlein in Stockheim.

Nach sechs Monaten Probezeit bekam sie direkt einen unbefristeten Vertrag. "Wir haben damals auch erst begonnen. Es gab noch keine festen Strukturen. Für Katrin waren das ganz besondere Anforderungen", erzählt Elisabeth Baierlein. Doch es habe sich alles eingespielt. Und auch die Chemie zwischen den beiden und den Arbeitskollegen habe sofort gepasst.


Sie hat sich nie entmutigen lassen

Vier Jahre war Katrin Grünbeck arbeitslos: Eine schwierige Zeit für die 47-Jährige. "Es ist bewundernswert, dass sie sich nicht hat entmutigen lassen", meint Elisabeth Baierlein.

Einen großen Anteil dazu hat auch Anita Swiduruk beigetragen. Sie betreut im Zuge des ESF-Programms die Langzeitarbeitslosen, vermittelt sie im besten Fall an passende Unternehmen und begleitet die Beteiligten dabei. "In einem solchen Projekt ist es wahnsinnig wichtig, dass sich jemand um die Leute kümmert", meint Stefan Löffler, Geschäftsführer des Jobcenters Landkreis Kronach.

Der Kontakt zu Kollegen und das Gefühl gebraucht zu werden - für Menschen, die mehrere Jahre arbeitslos waren, sei es besonders wichtig, wieder am sozialen Leben teilnehmen zu können.

Bevor das Programm im Landkreis gestartet ist, gab es 255 Langzeitarbeitslose. Dazu zählt jeder, der länger als ein Jahr ohne Job ist. "Wir haben die Zahl bis jetzt deutlich abgebaut. Das Projekt bewirkt wirklich etwas", meint Löffler.
Aktuell seien es noch 176 Langzeitarbeitslose - 30 Prozent weniger als noch vor drei Jahren.


Unternehmen gesucht

39 Arbeitgeber beteiligen sich an dem Programm und mehr als 20 Arbeitsverhältnisse laufen länger als sechs Monate. "Die Resonanz ist durchweg positiv. Eine Win-Win-Situation für den Teilnehmer und den Betrieb", meint Löffler. Zudem erhalten Arbeitgeber, die einen Langzeitarbeitslosen beschäftigen, in der Einarbeitungszeit Lohnkostenzuschüsse: Für die ersten sechs Monate werden 75 Prozent des Arbeitsentgeltes übernommen. In den folgenden neun Monaten dann 50 Prozent und in weiteren drei Monaten 25 Prozent.

Bei "Intensivfällen" - Menschen, die länger als fünf Jahre arbeitslos sind - wird jeweils ein Jahr mit 75, 65 und 50 Prozent gefördert. Das Bundesprogramm laufe noch bis Ende Juli 2020. Doch eine Herausforderung gibt es noch: Bis zum Ende des Jahres will das Jobcenter Landkreis Kronach die noch offenen 19 Förderplätze besetzen.
Unternehmen, die Interesse haben, einem Langzeitarbeitslosen eine Chance zu geben, können sich bei Anita Swiduruk melden (09261/5044173).

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