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Pressig
Demografieserie (7)

Pressig ist eine kinderreiche Marktgemeinde

Mit 35 Neugeborenen in 2014 ist Pressig eine der fruchtbarsten Kommunen im Kreis Kronach. Auch strukturell steht sie relativ gut da, nicht zuletzt wegen ihrer Vereine. Zum ganz großen Glück allerdings fehlt es - an der Einnahmeseite.
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Sonja Müller hat ihre Kinder Magdalena (4 Jahre, links) und Jakob (2) gerade vom Kindergarten abgeholt. Das Trio steht symbolisch für die ordentlichen Geburtenzahlen Pressigs. Es waren 2014 mehr als 2004. Die Bevölkerungsstatistik ist leider unvollständig.  Foto: Hendrik Steffens
Sonja Müller hat ihre Kinder Magdalena (4 Jahre, links) und Jakob (2) gerade vom Kindergarten abgeholt. Das Trio steht symbolisch für die ordentlichen Geburtenzahlen Pressigs. Es waren 2014 mehr als 2004. Die Bevölkerungsstatistik ist leider unvollständig. Foto: Hendrik Steffens
Wie viele kleine Bürger nachkommen, sieht Hans Pietz am Lätzchenverbrauch. Pro Kind verlässt eins - inklusive Glückwunschschreiben an die Eltern - das Rathaus. 2014 waren es 35. Die Zahl lässt den Pressiger Bürgermeister lächeln. Er ist nachweislich Oberhaupt einer der fruchtbarsten Kommunen im Kreis Kronach.

Zu der erfreulichen Statistik passen Jakob (2) und Magdalena (4). Gerade hat ihre Mutter Sonja Müller die Kleinen vom Kindergarten abgeholt. Jetzt freuen sie sich auf das Mittagessen im Pressiger Eigenheim. Gut ausgestattet mit Krippen und Kindergärten, Spielplätzen und viel Natur ist die Marktgemeinde attraktiv für junge Familien. Dennoch ist nicht alles perfekt.


Es fehlt an attraktiven Jobs

Bevor die Kinder kamen, lebten Müller und ihr Mann in München. Doch der Nachwuchs sollte in der Nähe der Familie aufwachsen und eine "schöne, behütete Kindheit erleben können", ssagt die Mutter. Beruflich bedeutet das für sie und ihren Mann Nachteile. Er pendelt nach Bamberg. Sie, gelernte Bankkauffrau und Versicherungsexpertin, weiß noch nicht recht, ob der hiesige Markt etwas passendes bereithielte, wenn sie ins Berufsleben zurückkehrt. Interessante Arbeitsplätze im Überfluss hat weder Pressig noch das Umland zu bieten.

Das hinterlässt auch Spuren in der Statistik: Mit einem Bevölkerungsschwund von 4256 (Stand Ende 2004) auf 3998 (2014) sind die Pressiger sechs Prozent weniger geworden. Aber: Zum Stichtag 2014 gab es 31 mehr Bürger als im Vorjahr. 26 mehr sind zu- als fortgezogen sowie die erwähnten 35 Kinder geboren worden, während "nur" 30 Menschen verstarben. Interessant ist auch hier der Vergleich zu 2004. In dem Jahr wurden nämlich nur 32 Kinder geboren. Im Landkreisschnitt sind das sehr positive Werte. Bürgermeister Pietz bezeichnet sie als zufriedenstellend. "Aber besser wäre, wenn wir in der ganzen Region eine positivere Entwicklung hätten."


Die Pflichtaufgaben bleiben

Er verweist auf die logischen Folgen des Bevölkerungsrückgangs. Die gleich bleibenden Grundkosten einer Gemeinde werden auf weniger Zahler verteilt. Kanalnetz, Wasserleitung, Straßen: "Wenn ich 4500 oder 3500 Bürger habe - die Kosten bleiben gleich." Mehr hingegen werden die Häuser, die nicht länger genutzt werden.

Das Thema Leerstand ist in Pressig je nach Ortsteil unterschiedlich ausgeprägt. In vielen Bereichen sei es nicht der Rede wert. "Wir würden teilweise sogar mehr Häuser füllen können, als angeboten werden", so Pietz.
Ein Sorgenkind ist Förtschendorf. Ebenso einige Objekte in Rothenkirchen. Wie der "Schwarze Adler", der "momentan ein bisschen krass aussieht", wie Pietz zugibt.

Vor zwei Jahren hat der Marktgemeinderat ein Programm eingeführt, das den Verkauf älterer leer stehender Wohnhäuser fördern soll. Die so genannten "Richtlinien zur Gewährung einer gemeindlichen Zuwendung für den Erwerb leer stehender Wohnimmobilien". Ziele sind belebtere Ortskerne, weniger Verbrauch von Bauland und, klar, ein schöneres Ortsbild. Bis zu 10 000 Euro Unterstützung können Bürger aus dem Projekttopf bekommen.


Sauber haushalten

Hans Pietz arbeitet daran, seine Marktgemeinde lebenswert zu halten. Seit seinem Amtsantritt 2008 hat der Bürgermeister keine Neuverschuldung generiert (gleichbleibend rund 6,8 Millionen). Gleichzeitig hat er aber keinen Fokus darauf gelegt, bestehende Schulden zu reduzieren. Wichtig sei ihm gewesen, die Marktgemeinde lebenswert zu halten, statt sie infrastrukturell kaputt zu schrumpfen.

"Die Zukunft sieht nicht schlecht aus", sagt er. Mit dem neuen Ärztezentrum, einer Apotheke, einem Rewe-Markt und vielen kleineren Läden habe Pressig eine gute Nahversorgung. Zudem sei man verkehrstechnisch gut angebunden. "Wir müssen uns nicht neu erfinden. Nur unser Potenzial kontinuierlich entwickeln", meint Pietz zur Zukunft des Marktes.

Gefragt nach großen Zukunftsprojekten, für die sich Pressig um eventuelle Fördermittel bewerbe, meint Pietz aber: "Diese Mittel sind schön und gut. Doch viele Gemeinden können sich die verbleibende Restfinanzierung nicht leisten." Zu denen gehört auch Pressig.

500 000 Euro Gewerbesteuer und ein Verwaltungshaushalt von zuletzt 5,6 Millionen Euro reichen, um Kanal- und Straßennetz, Schulen, Kindergärten und Feuerwehren in Ordnung zu halten. Außerdem für die Dorferneuerung Friedersdorf, eine neue Schulmensa sowie neue Kinderhorte in Rothenkirchen und Pressig. Das sind immense Aufwendungen: 2014 lag das Investitionsvolumen bei 2,6 Millionen Euro. Die ganz großen Sprünge allerdings sind nicht möglich.

Hier kommen die Vereine ins Spiel. Sie sind es, die die Pressiger Ortsteile mit einem satten Angebot füllen, ohne der Kommune zu große Kosten zu bescheren. Mit rund 120 Gruppierungen von Sport- über Volkstanz- bis hin zu Rasenmähertruck- und Schnupferverein ist die Vielfalt im Kreis Kronach einzigartig. Das steigert die Attraktivität: Der Schwimm- und Sportverein Pressig etwa stemmt das Rothenkirchener Naturerlebnisbad zu großen Teilen.


Schwimmbadbau in Handarbeit

Im Jahr 2000 stand das alte Schwimmbad kurz vor der Schließung. "Dann haben sich ein paar Leute zusammengetan und sind aktiv geworden", erinnert sich Heinrich Grebner. Der Pressiger Kämmerer war Gründungsmitglied und bis 2014 stellvertretender Vorsitzender des Vereins. Mit 800 000 Euro, die der Markt beisteuerte, machten Grebner und viele andere aus dem ausgedienten Schwimmbad in wochenlanger Handarbeit ein Naturerlebnisbad: Hauptbecken in Teichform, Volleyballplätze... "Bis auf den Sprungturm haben wir fast alles selbst gemacht", erinnert sich Grebner. So wurde die Gemeinde entlastet. Wenn sie vor dem Umbau bis zu 100 000 Mark im Jahr zuzahlte, sind es heuer maximal 20 000 Euro, schätzt Grebner. Viele Arbeitsstunden geben die Mitgleider des Schwimm- und Sportvereins umsonst: "Es ist auf Dauer eben nur mit ehrenamtlichen Engagement möglich, die Heimatgemeinde attraktiv zu halten."


Die Serie (7 von 18)

Wie sind die Kommunen im Landkreis für die Zukunft aufgestellt? In unserer Serie "Demografie im Kreis Kronach" beleuchten wir die aktuelle Lage in den 18 Gemeinden: Wie steht es um die Alters- und Infrastruktur? Wie wird die Zukunft aussehen? Lesen Sie selbst. hst
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