Weißenbrunn
Umwelt

Plastiktüten können Rehkitzen das Leben retten

Oliver und Katrin Höfner aus Weißenbrunn sind nahezu täglich in ihrem Jagdrevier unterwegs. Derzeit haben sie ein besonderes Anliegen: Sie bitten darum, dass Landwirte vor der Mahd Kontakt mit den Jagdpächtern aufnehmen.
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Ein Rehkitz liegt bewegungslos im Gras. Es hat in den ersten Lebenstagen keinen Eigengeruch. Fressfeinde haben es schwer, das kleine Tier zu finden. Erst im Alter von zwei bis vier Wochen ist es fähig, zu flüchten. Wenn die Mähmaaschine naht, hat es keine Chance. Foto: Archiv
Ein Rehkitz liegt bewegungslos im Gras. Es hat in den ersten Lebenstagen keinen Eigengeruch. Fressfeinde haben es schwer, das kleine Tier zu finden. Erst im Alter von zwei bis vier Wochen ist es fähig, zu flüchten. Wenn die Mähmaaschine naht, hat es keine Chance. Foto: Archiv
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Oliver und Katrin Höfner sind mit Leidenschaft Jäger. Das Ehepaar ist nahezu täglich in seinem Jagdrevier unterwegs. Derzeit haben sie ein besonderes Anliegen. Sie würden es sehr begrüßen, wenn Landwirte vor der Mahd Kontakt mit ihren Jagdpächtern aufnehmen würden. Denn dadurch könnte das Leben von Tieren geschützt werden.

Oliver und Katrin Höfner stehen auf einer Wiese außerhalb ihrer Heimatgemeinde. Die Fläche gehört zu ihrem Jagdrevier. Sie stecken weiße Plastiktüten, die an Latten festgemacht wurden, in den Boden. Sie sind dem Besitzer des Grundstücks, Gerhard Maaser, sehr dankbar, dass dieser am Abend vor der Mahd der Wiese sich bei ihnen meldete. Somit hat die Rehgeiß Zeit, ihre Rehkitze in Sicherheit zu bringen.

Oliver Höfner beginnt zu erzählen. Es komme des Öfteren vor, dass ein Rehkitz im Gras liegt, wenn der Traktor mit dem Mähwerk kommt. Die rotierenden Messer rattern auf das kleine Tier zu, dass sich vor Angst nicht rührt. Durch das gefleckte Fell und das hohe Gras sei das Kitz so gut getarnt, dass der Landwirt es nicht sieht. Das Schicksal des Rehkitzes ist somit besiegelt.

Wie der Jäger weiter berichtet, sucht die Rehgeiß in den Tagen nach der Geburt ihr Kitz nur zum Säugen auf. In den ersten Lebenstagen schützt die Natur die Kitze vor Fressfeinden mit einem fehlenden Eigengeruch und vor allem dadurch, dass sich die Tiere bewegungslos in den Bewuchs "drücken".

Was vor einem Beutegreifer schützt, bringt den Jungtieren bei einem Mähwerk den Tod. Erst im Alter von zwei bis vier Wochen sind die Kitze fähig, vor ihren Feinden zu flüchten.

Durch die flatternden Tüten wittert nun die Rehgeiß Gefahr und bringt ihr "Junges" in Sicherheit. Oliver und Katrin Höfner betonen, dass es nicht darum gehe, Landwirte als Täter abzustempeln. Sie stünden ja in einen ständig verschärfenden Wettbewerb. Die Maschinen würden immer größer und schneller. Die Wiesen würden immer häufiger und früher im Jahr gemäht. Sie befänden sich teilweise in einem Dilemma zwischen dem ökonomischen Druck und den ökologischen Handeln.

Aber, so die beiden, Landwirte könnten helfen, Rehe und andere Tiere vor dem Mähtod zu bewahren, beispielsweise indem sie sich mit ihrem Jagdpächter in Verbindung setzen. "Schon beim Aufstellen der Plastiktütenpfähle auf dieser Wiese haben wir zwei Rehkitze entdeckt!"

Der Landwirt kann durch solche Maßnahmen nicht nur Tiere schützen, sondern auch sein Heu sauber halten und wirtschaftlichen Schaden vermeiden.

In diesem Zusammenhang spricht Oliver Höfner davon, dass verunreinigtes Heu nicht mehr verfüttert werden könne, denn sonst würden die Kühe krank und könnten im Extremfall auch daran sterben. Wie viele Rehkitze der Mahd im Landkreis Kronach zum Opfer fallen, darüber konnte das Ehepaar keine Angaben machen. "Das wird auch nicht gemeldet".

"Das ist ein gutes Gefühl"

"Ich werde mich jetzt jedes Jahr vor der Mahd mit den Höfners in Verbindung setzen", verspricht Landwirt Gerhard Maaser. Er habe das Jägerehepaar einen Tag vor der Mahd angerufen, weil er ein Naturfreund sei, sagt er. Mit dem Abstecken der zu mähenden Wiese mit den Plastikfahnen sei die Chance wesentlich größer, Rehkitze am Leben erhalten zu können. "Und das ist ein gutes Gefühl!". Zudem: "Ein Rehkitz, das bei der Mahd verletzt wird, ist kein schöner Anblick!"

Gerhard Maaser stellt klar, dass ein Landwirt ein Rehkitz während der Mahd im hochgewachsenen Gras nicht erkennen könne, da sich diese Tiere bei Gefahr nicht rühren und fest an den Boden drücken. Rund 20 Plastikfahnen hatte das Ehepaar Höfner in seiner Wiese aufgestellt. Bevor Maaser am nächsten Morgen mit seinen Mäharbeiten starten konnte, musste er diese "Hindernisse" beseitigen. "Aber ich habe es gerne getan, schließlich habe ich damit eventuell Rehkitz am Leben erhalten können."
Der Weißenbrunner würde es sehr begrüßen, wenn künftig sein Berufsstand und die Jäger nicht gegeneinander, sondern verstärkt miteinander arbeiten würden. "Wir sollten bei Problemen gemeinsam nach Lösungen suchen!"

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