Pressig
Einweihung

Pater Helmut Haagen half als "Patient" aus

Die erweiterte und sanierte BRK-Rettungswache in Pressig zeigte den Gästen einer kleinen Feier, was nun alles möglich ist.
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Die praktische Vorgehensweise im Rettungswagen demonstrierten Rettungssanitäter Sascha Schulz (rechts) und Rettungsassistent Mark Maksymin mit Sofortmaßnahmen einer Infusion und Blutdruckmessung bei Pater und "Patient" Helmut Haagen. Foto: Karl-Heinz Hofmann
Die praktische Vorgehensweise im Rettungswagen demonstrierten Rettungssanitäter Sascha Schulz (rechts) und Rettungsassistent Mark Maksymin mit Sofortmaßnahmen einer Infusion und Blutdruckmessung bei Pater und "Patient" Helmut Haagen. Foto: Karl-Heinz Hofmann
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In der BRK-Rettungswache in Pressig ist viel los. Dies verdeutlichen nicht nur die Zahlen. Die Besucher anlässlich einer kleinen Einweihungsfeier nach Erweiterung und Sanierung konnten dies miterleben. Keine halbe Stunde war vergangen, Kreisschatzmeister Herbert Gögelein war gerade mit der Begrüßung durch, da piepste es bereits laut im Fahrzeugraum, der am Tag der offenen Tür als Festraum diente. Draußen standen ein Notarztwagen und zwei Rettungswagen bereit. Und wenige Sekunden nach den Alarmtönen stürmten zwei Rettungssanitäter auf einen der Rettungswagen, der dann mit Blaulicht und Martinshorn zu einem Einsatz davonfuhr. So ist das Leben in der Rettungswache, du denkst du machst es gerade ein bisschen gemütlich, weil der vorherige Einsatz noch nicht lange her ist und schon kommt ein nächster Notruf und dabei geht es immer um Geschwindigkeit mit gut ausgestatteten Fahrzeugen, aber auch um Qualität durch hochqualifiziertes Rettungspersonal und nicht zuletzt braucht das Personal auch gute Räumlichkeiten, die jetzt geschaffen wurden, worunter sich auch ein Medikamentenraum befindet, informierte BRK-Kreisgeschäftsführer Roland Beierwaltes.
Er zeigte sich glücklich und dankbar über die gute Zusammenarbeit mit dem Markt Pressig, der die Räumlichkeiten der BRK-Rettungswache für rund 110 000 Euro grundlegend aus- und umbauen und sanieren ließ. Rund 15 000 Euro investierte der BRK-Kreisverband in die Ausstattung. Herbert Gögelein verdeutlichte anhand der Statistik die Wichtigkeit dieser Rettungswache, die als Bindeglied zwischen dem Norden und dem Süden im Landkreis dient. 2139 Einsätze wurden im vergangenen Jahr von der Rettungswache Pressig gefahren. 882 mit Notarzteinsätzen und 538 Krankentransporte, es wurden also 1420 Menschen versorgt und transportiert.
Der Rest von 719 diente der Gebietssicherung nach Norden oder Richtung Süden. Das Einsatzgebiet erstreckt sich über Rothenkirchen bis Anfang Förtschendorf, Teuschnitz, Gifting, Haßlach bei Kronach und Burggrub. Aufgrund der Nähe zu Thüringen fährt die Besatzung der BRK-Rettungswache Pressig in letzter Zeit auch vermehrt grenzübergreifende Einsätze nach Heinersdorf oder Judenbach.
Leider wird aber der Notarztdienst momentan nur noch von auswärtigen Notärzten abgedeckt. Dies bedauerte Gögelein, denn manchmal entstehen dadurch Lücken und außerdem benötigen auswärtige Notärzte ortskundige Fahrer, was zu einer Erhöhung der Besatzung führte. Die Rettungswache ist gut mit einer Frau und zwölf Männern besetzt und mit zwei Rettungswägen und einem Notarztwagen, jeweils mit guter Erstversorgung, ja sogar vorbildlich mit modernster Telemedizin, ausgestattet.
Beim Eintreffen des Patienten kann in der Klinik ohne Zeitverlust mit einer sofortigen Diagnostik und Therapie eventuell im Herzkatheterlabor begonnen werden. Wie schnell im Ernstfall gehandelt wird, demonstrierte Rettungsassistent Sascha Schulz mit einem Kollegen am simulierten Notfall mit Pater Helmut Haagen dem es - im angenommenen Fall - nach der Segnung der Rettungswache plötzlich schwarz vor den Augen wurde. Sofort ergriffen die beherzten Rettungskräfte die Erstrettungsmaßnahmen im Rettungswagen mittels einer Infusion. Und der Pater konnte nach wenigen Minuten den Rettungswagen lachend wieder verlassen.
Aber auch sonst erwies sich die Besatzung um Wachleiter Karl-Heinz Schindhelm sehr auskunftsfreudig gegenüber dem neugierigem Publikum, das gerne einmal hinter die Kulissen einer Rettungswache schauen wollte. So entwickelten sich die Einweihungsfeier und der Tag der offenen Tür zu einer sehr interessanten und sogar für Laien lehrreichen Veranstaltung.
Bürgermeister Hans Pietz erinnerte an die Entstehungsgeschichte der Rettungswache Pressig. Nach der Grenzöffnung und Wiedervereinigung Deutschlands 1989/1990 setzte sich der in Rothenkirchen niedergelassene Hausarzt Dr. Joachim Calles für die Errichtung eines Notarztstandortes ein. Seit 1992 gab es in Pressig einen Stellplatz, der von Kronach aus besetzt wurde. Ende der 90er Jahre wurde dieser Querbau in die erste Rettungswache umgebaut. "Wir sind froh, dass dies damals gelungen ist und sagen allen, die dies damals in die Wege geleitet und realisiert haben, ein herzliches Dankeschön. Beides, also sowohl der Notarztstandort als auch die Rettungswache, sind in Pressig strategisch bestens platziert", betonte Pietz.
Der Marktgemeinderat Pressig zögerte nicht, als das BRK mit dem Wunsch nach Erweiterung und Sanierung auf die Marktgemeinde zukam. Diese Investition habe sich gelohnt für die Sicherheit in medizinischer Versorgung der Bürger weit über Pressig hinaus. Und damit sollte auch der Standort Pressig gesichert sein. Der zahlreiche Besuch deute auch auf das Interesse an der Arbeit der Rettungswache hin, freute sich der Bürgermeister über die stattliche Anzahl von Besuchern. Die Segnung der erweiterten Rettungswache nahmen Pfarrerin Claudia Grüning-Göll und Pater Helmut Haagen vor. Für die musikalische Umrahmung sorgte das Bläserensemble der Grund- und Mittelschule Pressig, Leitung Bernd Jungkunz.


Neue Möglichkeiten bei zeitkritischen Notfällen


Schlaganfall und Herzinfarkt sind zeitkritische Notfälle. Um eine bestmögliche Versorgung zu gewährleisten, ist bei beiden Krankheitsbildern ein reibungsloses Zusammenspiel von Rettungsleitstelle, Rettungsdienst, sowie Kardiologen (Cardio Angel) in der Akutversorgung vom Rettungswagen aus notwendig. Daher sind die Fahrzeuge der BRK-Rettungswache Pressig mit hochtechnischen EDV-Systemen eingerichtet. So erklärt Rettungsassistent Stefan Döring die Funktionsweise eines Nida-Pad. Über das Nida-Pad erhalten Rettungseinsatzkräfte Einsatzdetails von ihrer Leitstelle direkt auf einen Handheld-PC: übersichtlich, umfassend und klar. So gelangen sie schnell und sicher zum Einsatzort und können sich auf die Situation, die sie dort vorfinden werden, bereits im Voraus einstellen. Ebenso einfach und intuitiv erfolgt die Einsatzdokumentation und spätere Datenübergabe an die Klinik.

Rettungsassistent Dieses Handheld-PC-Gerät, das der Rettungsassistent ständig bei sich trägt, ermöglicht eine mobile Eingabe aller für den Krankenhausarzt relevanten Daten. Es verfügt zum einen über ein integriertes Kartenlesegerät, wodurch ein direktes Einlesen der Versichertenkarte ermöglicht wird. Zum anderen ist es mit einer speziellen, auf die schnelle Versorgung von Schlaganfallpatienten ausgerichteten Software ausgestattet, die es dem Rettungsassistenten bereits am Unfallort ermöglicht, wichtige Informationen über den Patienten in das Gerät einzugeben.

Bluetooth Dadurch fungiert der Rechner gleichzeitig als Anamnese-Leitfaden, an dem sich der Rettungssanitäter "entlang" arbeiten und so alle wichtigen Punkte sicher ansprechen kann. Beim Cardio-Angel wird zusätzlich das zuvor abgeleitete Zwölf-Kanal-EKG via Bluetooth aus dem Defibrillator ausgelesen. Die so in der Klinik eingegangenen Daten können vom diensthabenden Arzt an jedem PC der Klinik eingesehen und analysiert werden. Somit liegen dem diensthabenden Ärzteteam bereits vor dem Eintreffen des Rettungswagens alle notwendigen Informationen über den Patienten vor.

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