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Seibelsdorf
Aufführung

Passion voll Zuversicht und Hoffnung

Eine außergewöhnlich schöne Vertonung der Leidensgeschichte Jesu erklang am Karfreitag in der Markgrafenkirche Seibelsdorf: Die Johannespassion von Georg Philipp Telemann.
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Am Karfreitag erklang die Johannespassion in der Markgrafenkirche Seibelsdorf.  Foto: Heike Schüleini
Am Karfreitag erklang die Johannespassion in der Markgrafenkirche Seibelsdorf. Foto: Heike Schüleini
Nicht donnernder Beifall oder laute Bravorufe, sondern Momente der Ruhe und der Stille sind wohl das größte Kompliment, das man Musikern nach einer Aufführung machen kann.

In Seibelsdorf gab es diese wunderschönen Momente der Ruhe - nicht beklemmend, nicht bedrückend, wohl aber von innigem Berührtsein. Georg Philipp Telemann leuchtet die Leidensgeschichte ganz anders aus als andere Komponisten. Das Spenden von Trost besitzt in seiner teilweise geradezu "beschwingten" und "fröhlichen" Version aus dem Jahre 1745 besonderes Gewicht.

Er schuf sie nach der Schilderung des Evangelisten Johannes, der als letzter der Evangelisten die Geschichte der Kreuzigung niederschrieb.
Demnach wusste Jesus im Voraus, was ihn erwartet - ein ganz wesentlicher Aspekt, warum Telemann die Leidensgeschichte so umgesetzt hat.

Zuversicht und Hoffnung, Freude und Jubel - ungewöhnliche Klänge für eine Passion: Dekanatskantor Marius Popp erinnerte sich in seiner Begrüßung der erfreulich vielen Besucher daran, wie ihn der Dekanats-Chor Kronach bei der erstmaligen Vorstellung des Werks gefragt habe, ob es sich dabei wirklich um eine Passion handelt.

Der Zuhörer erlebt mit

Telemanns Musik gibt aber nicht "einfach" das Leiden und Sterben Jesu wieder, sie lässt sie den Zuhörer miterleben - bis zum Erlösertod. Der Komponist lässt dabei den Evangelisten rezitatorisch erzählen; reflektiert, deutet und ergänzt das Geschehen aber immer wieder durch Arien des Soprans mit ihren Wiederholungen oder der Altstimme.

In der Markgrafenkirche musizierten der Dekanats-Chor Kronach, das Popp-Consortium sowie ausgezeichnete Solisten - alle unter der Leitung von Dekanatskantor Marius Popp, Leiter des von ihm 2003 ins Leben gerufenen Dekanats-Chors.

Der Chor ist die Stimme des Volkes. Als wichtiger Träger der Handlung oblag es ihm auch, in den Chorälen das zuvor Gehörte als Bitte, Dank oder Gotteslob aufzunehmen und da gibt es bei Telemann durchaus starke Kontraste. So setzt kurz nach der Sterbeszene und der verklingenden Stimme des Evangelisten plötzlich der Chor mit dem Alt jubelnd ein: "Glück zu, o Erlöser, du hast es vollbracht".

Ein freudiger Chor kurz nach dem Erlösungstod? Fast schon zynisch würden diese Klänge anmuten, wenn man nicht um Telemanns Intention - nämlich das dankbare Gedenken von Jesu Opfer zur Rettung der Menschheit - wüsste, so auch im Schlusschoral "Darum wolln wir loben und danken allezeit".

Als ausgezeichnete Wahl erwiesen sich die Solisten, die große Präsenz zeigten und mit ihren kraftvollen Stimmen überzeugten. Andrea Wurzer (Sopran) und Stefanie Schmitt (Alt) bezauberten mit Hingabe und Leidenschaft - stilvoll und mit strahlenden, facettenreichen Tönen.

Auch Rainer Grämer (Bariton), in der Partie des Jesus und Sebastian Köchig (Tenor) als Evangelist sangen auf solch glaubwürdige und von Herzen kommende Art, dass den Zuhörern wohltuende Schauer über den Rücken liefen. Hochkonzentriert und mit großer Ausstrahlung konzentrierten sich die Solisten voll und ganz auf die Musik. Auch die Chorsolisten Alexander Fröba (Tenor) und Martin Rank (Bariton) meisterten ihre Parts hervorragend.

Musik ging unter die Haut

Auch das Popp-Consortium war spürbar mit ganzem Herzen dabei und brachte die klangmalerische Umsetzung der Leidensgeschichte durch Tonqualität, Genauigkeit und differenzierte Interpretation faszinierend zur Geltung.
Die Freude und Begeisterung für diese herrliche Musik sprang sofort auf die Gäste über, von denen einige der Darbietung mit geschlossenen Augen folgten. Diese Musik ging unter die Haut.