Kronach
Konzert

Orgiastische Steigerungen

Sensationeller Erfolg für die Collegia Musica Chiemgau unter der Leitung der Dirigentin Elke Burkert aus Kronach im Münchner Herkulessaal.
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Die aus Kronacher Dirigentin Elke Burkert (M.) nimmt die Ovationen des Publikums entgegen. Foto: privat
Die aus Kronacher Dirigentin Elke Burkert (M.) nimmt die Ovationen des Publikums entgegen. Foto: privat
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Vor drei Jahren wurde das Orchester von der aus Oberfranken stammenden Musikpädagogin, Sängerin und Dirigentin Elke Burkert ins Leben gerufen, um Benefizkonzerte zu veranstalten. Die Mitglieder sind Berufsmusiker, Musikstudenten und begabte Laien, die aus allen Ecken Deutschlands, aber auch dem Ausland kommen und sich ehrenamtlich bereit erklären, zwei- bis dreimal jährlich professionell hochwertige Konzerte zu veranstalten. Höhepunkt der diesjährigen Auftritte war das Konzert am 6. November in München im gut besuchten Herkulessaal der Residenz, der durch seine hervorragende Akustik berühmt ist. Der Erlös dieses Konzerts ging diesmal an die "mimi Kinder- und Seniorenstiftung" für bedürftige Kinder und Jugendliche. Die Schirmherrschaft hatte die Präsidentin des Bayerischen Landtags Barbara Stamm übernommen, die persönlich anwesend war.


Raritäten der Musikgeschichte

Ein Markenzeichen der "Collegia"-Konzerte ist die Art der Programmgestaltung, welche vornehmlich auf Raritäten der Musikgeschichte setzt, also zu Unrecht vernachlässigte Werke mehr oder weniger bekannter Komponisten in das Bewusstsein rückt.
So hörte man unter dem Motto "Hast du Töne" wieder entdeckte Werke von der Romantik bis zur Moderne, die von dem in allen Gruppen homogen und stark besetzten Klangkörper abgerundet und tonschön wiedergegeben wurden. Ebenso beeindruckte die umsichtige, sorgsam gestaltende Leitung durch die mit klarer Zeichengebung ausdrucksvoll gestaltende Dirigentin Elke Burkert. Eine kenntnisreiche Moderation mit Wissenswertem zu allen Stücken besorgte der bekannte Filmproduzent Horant H. Hohlfeld.
Die reichhaltige Vortragsfolge begann pompös mit einem Gelegenheitswerk von Richard Wagner, dem 1871 komponierten "Kaisermarsch", in dem die "Meistersinger" und der Luther-Choral "Ein feste Burg" anklingen. Es folgte das Konzert e-Moll für Harfe und Orchester von Carl Reinecke, der 35 Jahre lang Leiter des Gewandhaus-Orchesters in Leipzig war.


Düstere Ouvertüre

Als griffsichere, virtuose Solistin mit gefühlvollem Anschlag erlebte man die lange in Boston tätige Harfenistin Barbara Pöschl-Edrich. Das Orchester glänzte sodann mit der düsteren Ouvertüre zur Oper "Die Zarenbraut" von Nikolai Rimsky-Korsakow.
Ausgesprochene Raritäten gab es nach der Pause, beginnend mit dem ersten Satz aus der Sinfonie Nr. 5 f-Moll von Emilie Mayer, einer 1812 geborenen, in Berlin wirkenden Komponistin, die sich mit einfallsreichen Themen und gekonnter Verarbeitung vorstellte. Spektakulär darauf das neobarocke, musikantische Konzert für Marimbaphon und Orchester des 1975 geborenen Japaners Satoshi Yagisawa mit dem bereits vielfach ausgezeichneten begabten Christian Felix Benning, der sich als sicher auswendig spielender, treffsicherer Solist mit viel Gefühl für klangliche Nuancen und brillanter Kadenz vorstellte.
Als Dank für den anhaltenden Beifall spielte er noch mit zwei Studenten den nachdenklichen "Blues for Gilbert" von Mark Glenworth, den er seinem im Juli überraschend verstorbenen Schlagzeuglehrer Prof. Peter Sadlo widmete. Krönenden, wirkungsvollen Abschluss bildete der durch Gustavo Dudamel bekannt gewordene Danzón Nr.2 des Mexikaners Arturo Márquez, der vom Orchester unter der temperamentvollen Leitung von Elke Burkert mit Schmelz und orgiastischen Steigerungen musiziert wurde. Nach minutenlangem Beifall revanchierte sich auch das Orchester mit einer Zugabe - dem stimmungsvollen "Abendsegen" aus der Oper "Hänsel und Gretel" von Humperdinck. red


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