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Kronach
Porträt

Offizier aus Friesen über sein Leben zwischen zwei Welten

Pauken für den Uni-Abschluss oder 30-Kilometer-Märsche durchs Gelände: Das Leben von Offizier Nick Geiger aus Friesen wird von Selbstdisziplin bestimmt. Die scheint sich zu lohnen - seine Masterarbeit wurde prämiert.
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Kann schon mit 26 Jahren den Ton angeben: Nick Geiger aus Friesen bei einer Besprechung im Gelände.  Foto: privat
Kann schon mit 26 Jahren den Ton angeben: Nick Geiger aus Friesen bei einer Besprechung im Gelände. Foto: privat
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Auf der einen Seite die Alpen und viele malerische Seen, auf der anderen Seite ein pulsierendes Nachtleben in der Innenstadt: Nick Geiger aus Friesen kennt die potenziellen Verführungen der Landeshauptstadt München aus seiner Studienzeit nur zu gut. Verfallen ist er ihnen allerdings nie. "Das waren sehr verlockende Angebote", sagt der 26-Jährige. "Aber ich bin ein sehr disziplinierter und ehrgeiziger Mensch, da war es für mich nicht so schwer, stabil zu bleiben." Das galt nicht für all seine Studienkollegen. "Bei vielen war die Verlockung größer, das sah man an der Durchfallquote", sagt er.

Nach seinem Abitur hat sich Nick Geiger 2009 für 13 Jahre bei der Bundeswehr verpflichten lassen. Seine sechsmonatige Grundausbildung durchlief er in Hammelburg (Landkreis Bad Kissingen). Im Anschluss begann er ein Studium in Wirtschaftswissenschaften und Journalismus an der Universität der Bundeswehr München. "Wer seinen Bachelor nicht schafft, kann kein Offizier werden", erklärt Geiger den Hintergrund.

Der Bachelor-Abschluss allein war dem Friesener aber nicht genug. Im September vergangenen Jahres schloss er zusätzlich seinen Master in Wirtschaft und Journalismus ab - mit der Bestnote 1,0. Alltäglich ist diese Leistung nicht. Das unterstreicht die Tatsache, dass er unter allen Master-Absolventen in 18 unterschiedlichen Studiengängen der Einzige mit der Bestnote war. "Ich bin schon stolz, das ist ein schönes Gefühl", sagt Nick Geiger. Gemeinsam mit den 17 Jahrgangsbesten der anderen Studiengänge, wurde der 26-Jährige Mitte Dezember in München für seine Studienleistung ausgezeichnet.


"Komplett andere Welt"

In seiner Masterarbeit beschäftigte er sich mit der Presseberichterstattung der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien. Der Geldpreis in Höhe von 200 Euro wurde von den Fachverlagen der Mediengruppe Oberfranken gestiftet. Darüber freute sich der Friesener ganz besonders. Denn Geiger machte seine ersten journalistischen Gehversuche vor seinem Studium im Rahmen eines Praktikums beim Fränkischen Tag in Kronach. "Das hat mir damals unheimlich viel Spaß gemacht, ich bin schweren Herzens weggegangen", sagt Nick Geiger. Falls sich der 26-Jährige in einigen Jahren gegen eine Zukunft als Berufssoldat entscheidet, könnte er sich gut vorstellen, als Sportjournalist zu arbeiten. Bis zu seiner endgültigen Entscheidung gilt seine komplette Aufmerksamkeit aber seiner Offizierslaufbahn.

Nick Geiger hatte schon früh in seiner Jugend den Wunsch zur Bundeswehr zu gehen. "Ich wollte immer einen Beruf, wo ich Verantwortung übernehmen und Menschen führen kann", erklärt er. Den rauen Umgangston und die körperlichen Anstrengungen bei der Bundeswehr ist Geiger mittlerweile gewohnt. Zu Beginn seiner Ausbildung war das noch anders. "Ich war etwas geschockt, das war eine komplett andere Welt. Es war alles anstrengender als gedacht. Da musste ich schon mal auf die Zähne beißen", sagt Geiger. Als Beispiel nennt er nicht enden wollende 30-Kilometer-Märsche durch schwieriges Terrain. "Aber ernsthafte Gedanken ans Aufhören hatte ich nicht", sagt er. "Es klingt idealistisch, aber ich sehe meinen Beruf als Berufung."


Hohe Ansprüche an sich selbst

Nach den harten Monaten der Grundausbildung in Hammelburg bezeichnete er seinen Studienort München im Vergleich dazu als "Insel der Glückseligkeit". "Ich habe direkt auf dem Campus gelebt, hatte ein gutes Gehalt und noch dazu ein kostenloses Studium bekommen", beschreibt Geiger die Vorzüge an der Bundeswehr-Universität.
Militärische Einheiten wie Schieß- oder Sportübungen standen während des Studiums nur einmal wöchentlich auf dem Programm. An mehr war angesichts des straffen Studienplans und der Trisemester-Struktur auch nicht zu denken. "Den Stoff, den man normalerweise in sechs Monaten macht, hatten wir in zehn Wochen", sagt Geiger. "Auch die Uni-Zeit war kein Zuckerschlecken, da ich sehr hohe Ansprüche an mich selbst habe."

Durch sein hohes Anspruchsdenken wurde er folgerichtig mit dem besten Master-Abschluss seines Jahrgangs an der Bundeswehr-Universität belohnt. "Die Uni hat keinen schlechten Ruf. Als Absicherung, falls ich kein Berufssoldat werde, ist das Studium sehr viel wert", sagt Geiger. Der 26-Jährige glaubt, dass ihm für eine mögliche Zukunft im Journalismus oder Management - neben seinem guten Hochschulabschluss - auch seine Führungsqualitäten zugute kommen. Geiger: "Menschen zu führen ist eine Kunst." Diese Kunst wird der Oberleutnant die nächsten Monate weiter verfeinern.

Seit zwei Wochen ist Geiger in Ingolstadt stationiert und macht dort bis zum Ende des Jahres die Ausbildung zum "Zugführer". Im kommenden Jahr wird Geiger mehrere Gruppeneinheiten anführen und somit schon im jungen Alter "Chef" von bis zu 30 Untergebenen. "Ich habe dann Leute unter mir, die wesentlich älter und teils schon drei-, viermal im Auslandseinsatz waren", sagt Geiger. "Da als Frischling zu sagen, wo es langgeht, ist eine Riesen-Herausforderung. Dann beginnt der Ernst des Lebens."


Berufliche Zukunft noch offen

An welchem Ort ihn, nach seinem Ausbildungsjahr in Ingolstadt, diese Herausforderungen erwarten, weiß Nick Geiger noch nicht. "Bei der Bundeswehr kann man nicht langfristig planen. Ich versuche in Bayern zu bleiben, da ich mich hier sehr wohlfühle." In drei Jahren wird er dann eine endgültige Entscheidung über seine berufliche Zukunft treffen müssen. Als Berufssoldat das ganze Leben dem eigenen Land dienen oder als aufstrebender Sportjournalist Karriere machen? "Ich bin mir noch nicht sicher. Familienleben ist mir sehr wichtig, ich werde das in Ruhe mit meiner Freundin besprechen", so Geiger.











































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