Steinbach am Wald
Mobilität

ÖPNV: Handlungsbedarf im Norden

Der Landkreis Kronach und der OVF stellten in Steinbach am Wald die Ergebnisse der Haushaltsbefragung zum bedarfsorientierten Nahverkehrskonzept für den nördlichen Landkreis vor.
Artikel drucken Artikel einbetten
Das Thema Personennahverkehr beschäftigt die Bürger im Kreis Kronach. 34 Prozent des Kreisgebiets gelten als gut, 21 Prozent als fast nicht erschlossen. Archivbild: Hendrik Steffens
Das Thema Personennahverkehr beschäftigt die Bürger im Kreis Kronach. 34 Prozent des Kreisgebiets gelten als gut, 21 Prozent als fast nicht erschlossen. Archivbild: Hendrik Steffens
Was die Mobilität betrifft, so fehlt es an vielen Ecken im nördlichen Landkreis. Gegenwärtig stellt der private Pkw häufig die einzige Möglichkeit dar, Arbeitsplätze und Dienstleistungen der Daseinsvorsorge in akzeptabler Zeit zu erreichen.

Es kam schon vor, dass ein Jugendlicher aus Teuschnitz seine Ausbildung in Tettau wegen Nichterreichbarkeit seines Ausbildungsplatzes nicht absolvieren konnte. Manche Dörfer sind ganz vom öffentlichen Nahverkehr abgeschnitten.

So klagte eine Bürgerin aus Windheim, dass - wenn sie den Zug erreichen wolle - erst nach Buchbach oder Kehlbach müsste, um dort in den Bus zum nächsten Bahnhof fahren zu können. Sie kritisierte auch die nicht abgestimmten Zug- und Busanbindungen in der Region.

Dies konnte ein Beamter der Bahn nur bestätigen. Er erwähnte den Regionalexpress von Jena nach Nürnberg.
Neun Minuten vor Ankunft würde der Zug von Nürnberg aus nach München fahren. Ein anderer Zug fahre leer von Lichtenfels nach Saalfeld.

Die Wunschliste, die nach der Vorstellung der Haushaltsbefragung an den Regionalmanger Willi Fehn, an die Expertin für bedarfsgesteuerte ÖPNV-Angebote, Michaela Mohrhard, und an Thomas Huber vom Omnibusverkehr Franken (OVF) herangetragen wurde, war lang.

Huber und Mohrhard gingen auf die Ergebnisse der Befragung ein. Wann fahren Bürger des Landkreises zum Einkaufen, zum Sport, zur Arbeit? Das waren einige Fragen, die bei der Erhebung der Fahrgewohnheiten gestellt wurden.

36 000 Fragebögen gingen an die Haushalte, knapp 10 000 kamen zurück. "Das ist beachtlich!", so Hubert. Er zeigte verschiedene digitale Vorlagen, auf denen Pfeile bestehende Verkehrsströme symbolisierten. Sie zeigten Fahrtstrecken der Bürger als Ergebnisse der Befragung.

Die meisten nehmen das Auto

Auffällig war, dass verhältnismäßig wenige der Befragten den ÖPNV für Fahrten wählen. Der überwiegende Teil nutzt den Pkw.

Huber wies darauf hin, dass rund 34 Prozent des Kreisgebiets laut den Erhebungen gut erschlossen sind, das bedeutet in unmittelbarer Nähe zu Haltestellen. 21 Prozent gelten als fast nicht erschlossen.

Künftig sollen nun diese Lücken geschlossen, beziehungsweise minimiert werden. Das derzeitige Nahverkehrskonzept zeigt Fehler auf, wie lange Wartezeiten zwischen den Fahrten, wenig Haltestellen, keine Querverbindungen, kein Angebot in den Abendstunden. Hier soll nun das neue Bedarfskonzept ansetzen.

Der Pressiger Bürgermeister Hans Pietz forderte eine Landkreiskarte, mit der alle öffentlichen Verkehrsmittel genutzt werden können. Sein Tettauer Kollege Peter Ebertsch sprach von Querverbindungen innerhalb der Rennsteig-Region und einem bezahlbaren Personennahverkehr.

In diesem Zusammenhang kritisierte Astrid Vetter, dass jemand für die Fahrt von Ludwigsstadt nach Kronach 15 Euro bezahlen müsste, in München dagegen könne das gesamte Stadtgebiet für vier Euro mit öffentlichen Verkehrsmitteln durchstreift werden.

Verknüpfungen zu Nachbarkreisen schaffen

Der Nordhalbener Bürgermeister Michael Pöhnlein wies auf die wichtige Bedeutung hin, den Norden des Landkreises mit den angrenzenden Landkreisen wie Hof und auch dem benachbarten Thüringen zu verknüpfen.
In diesem Zusammenhang sprach er von hunderten Ein- und Auspendlern, die ihre Arbeitsplätze erreichen müssen. Diesbezüglich wies Michaela Morhard darauf hin, dass es Anknüpfungspunkte zu anderen Landkreisen geben soll.

Tanja Jakob und Angela Wiegand fragten, ob denn der Schülerverkehr bei der neuen Planung mit einbezogen sei. Nach der siebten, achten und neunten Stunde komme kein Kind mehr vom Bahnhof Steinbach aus nach Tettau, beschrieb Jakob die aktuelle Situation.

Das Thema Schülerverkehr, so Huber, sei nicht in die Haushaltsbefragung mit aufgenommen worden. Schließlich habe der Landkreis die Zahlen und kennen die Schülerströme. Die Daseinsvorsorge beinhalte grundsätzlich keinen Schülerverkehr, dennoch könnten kleinere "Schülerströme" am Nachmittag beim Nahverkehrskonzept mit Berücksichtigung finden, sagte Willi Fehn.

Wie geht es weiter?

Wie geht es nun weiter? Laut Thomas Huber werden nun sogenannte "Korridore" mit Haltestellen eingerichtet werden. Bis zu zehn Tage und mindestens eine Stunde vor gewünschtem Fahrtbeginn sollen Bürger über eine kostenlose Hotline oder im Internet einen Kleinbus in ihrer Nähe bestellen können. Läuft alles nach Plan, könnte das neue Nahverkehrskonzept bereits Anfang 2016 realisiert sein.

Einen Vorteil sieht Willi Fehn darin, dass beim Bedarfskonzept nur notwendige Haltestellen angefahren werden. Eine große Herausforderung sieht er bei der Umsetzung des Konzeptes. Es müssen genügend Fahrzeuge und Fahrer gefunden werden, zudem geht es um die Finanzierung, denn "das Bedarfskonzept wird nicht kostendeckend sein, der ÖPNV ist ein Defizitgeschäft".

Die Zweite Bürgermeisterin aus Ludwigsstadt, Eva Jahn, fragte, ob dieses Projekt zeitlich begrenzt sei. Die Umsetzung hielt sie für ein "schwieriges Unterfangen". In Ludwigsstadt sei ein Bürgerbus eingesetzt. Sie wisse aus Erfahrung, dass es schwierig sei, bestehende Strukturen wie Nachbarschaftshilfen etc. aufzubrechen.

Abschließend regte Angela Wiegand an, vor der Festlegung von Haltestellen in den Ortschaften auf nochmals auf Gemeindeebene Fragenbögen zu verteilen, um somit den Wunsch der Bürger bezüglich der Standorte nahe zu kommen.
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren