Wallenfels
Wirtschaft

Nur im Einklang mit der Natur

Klaus und Stefan Müller-Gei aus Wallenfels wollen ihr Sägewerk erfolgreich in die Zukunft führen. Die Nationalpark-Diskussion hat sie aufgeschreckt.
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Vor allem für den Bau von Dächern werden die im Sägewerk von Klaus (links) und Stefan Müller-Gei zugeschnittenen Balken und Latten verwendet. Ein Nationalpark würde unter anderem dafür sorgen, dass sie weniger effizient arbeiten könnten, betonen sie. Foto: Marian Hamacher
Vor allem für den Bau von Dächern werden die im Sägewerk von Klaus (links) und Stefan Müller-Gei zugeschnittenen Balken und Latten verwendet. Ein Nationalpark würde unter anderem dafür sorgen, dass sie weniger effizient arbeiten könnten, betonen sie. Foto: Marian Hamacher
Hier endet also der Weg der Fichte. Naja, fast. Wie Schneeflocken rieseln die Holzschnitzel vom Fließband. Es ist ausreichend Material, um daraus später Spanplatten zu pressen oder es zu Zellstoff zu verarbeiten und so Papier herzustellen. Es ist der letzte Schritt, um auch die Reste der zuvor als stolze Fichtenstämme ins Sägewerk Müller-Gei nach Wallenfels transportierten Nadelbäume zu verwerten.

Ein Großteil, etwa 68 Prozent eines Stammes, landen als Balken oder Latten auf Dächern. Rund 30 Prozent rieseln schließlich als Hackschnitzel nieder oder werden zu Sägemehl verarbeitet. "Wir müssen mit der Ressource Holz effizient umgehen", sagt Klaus Müller-Gei. Es klingt wie eine Maxime.

Zusammen mit seinem Cousin Stefan übernahm der 41-Jährige zu Beginn des Jahres die Geschäfte des 1898 gegründeten Familienbetriebs von Vater und Onkel. Ein Nationalpark würde die Produktion bedrohen. Was sie vor allem daran gestört hat: die angedachten Flächenstilllegungen. Denn Holz darf dort nicht mehr geschlagen werden. "Das ist der älteste Baustoff der Menschheit. Es wäre ja ein Frevel, ihn nicht mehr zu nutzen", ärgert sich Klaus Müller-Gei rückblickend.

Welche Auswirkungen hätte denn ein Nationalpark für die Sägewerke? "Es ist nun einmal ein Verdrängungswettbewerb", sagt der 41-Jährige. Derzeit beziehe ihr Wallenfelser Sägewerk rund ein Drittel der Holzlieferungen aus dem betroffenen Gebiet. "Wir müssten also in der näheren Umgebung einkaufen - und dort würden wir das Holz dann jemand anderem wegnehmen, der sich dann ebenfalls an anderer Stelle umsehen müsste."

Da müsste man sich überlegen, wo das herkommen soll, ergänzt Stefan Müller-Gei. "Wir haben hier ein hervorragendes Fichtenwaldgebiet. Die Qualität kann man mit vielen anderen deutschen Wachsgebieten überhaupt nicht vergleichen." Denn je nach Herkunftsort unterscheide sich die Qualität des Holzes stark. Genau das sei aber problematisch, da auf den Markt genormte Produkte hergestellt werden müssen. Auch der Ausschuss würde durch die unterschiedlichen Holzqualitäten und -sorten zunehmen - die Maxime des effizienten Nutzens wäre so schwieriger umzusetzen.


Was im Holz gespeichert wird

Der Umkreis, in dem man suchen und aus dem damit auch angeliefert werden müsste, dehnt sich nach Flächenstilllegungen auf etwa 100 Kilometer aus. "Und weil wir keinen Zuganschluss haben, müsste das mit Lkw geschehen", so Klaus Müller-Gei. Umweltfreundlich wäre das nicht gerade.

Ein weiterer Aspekt, den die Cousins an einem Nationalpark kritisieren. "Die Leute denken, es wäre etwas Gutes, aber es ist ja im Grunde gegen den Klimaschutz", ist Klaus Müller-Gei überzeugt. Was er damit meint, erklärt gleich sein Cousin: "Wenn der Zuwachs steigt, kann mehr CO 2 im Holz gespeichert werden." Da bleibe es dann, bis es verbrannt werde oder absterbe. "Solange der Baum oder das Holz-Produkt hält, wird CO 2 gespeichert. Der Wald ist eben ein riesiger CO 2 -Speicher."

Verrottet Holz, werde das Kohlenstoffdioxid aber wieder abgegeben. "Da unterschreibt die Politik Klimaabkommen, will gleichzeitig aber mehr Flächenstilllegungen", so Klaus Müller-Gei. Das passe nicht zusammen.


Strom selbst produzieren

Ein Teil ihres Stromverbrauchs werde bereits durch Solaranlagen auf dem Dach des Sägewerks gedeckt. "Irgendwann wollen wir soweit sein, unseren Strom komplett selbst zu produzieren", erklärt Stefan Müller-Gei. Ein Nationalpark würde solche Bemühungen konterkarieren.

Etwa 14 Tage habe es gedauert, ehe sich die Familie ihre Meinung gebildet hatte. Besucher können diese am Eingang des Hofes erkennen: "Nationalpark? Nein, danke!" prangt an der Fassade. "Ich kann verstehen, dass es auch Befürworter gibt", so Sägewerksmeister Stefan Müller-Gei. "Aber man kann den Nationalpark nicht durchdrücken, ohne dass es Verlierer gibt."

Das wären seiner Meinung nach vor allem die Holz- und Forstwirtschaft, das Klima und der Wald gewesen. "Über den reden die Wenigsten. Man fragt sich ja manchmal, ob es sich beim Nationalpark um ein Naturschutzprojekt oder ein Strukturförderprogramm gehandelt hat", sagt der 47-Jährige spöttisch. Den Cousins ist es wichtig zu betonen, dass sie aus den genannten Gründen generell gegen einen dritten bayerischen Nationalpark sind. "Auch wenn der Frankenwald von den vier Lösungen die schlechteste ist, wollen wir das nicht nach dem Motto weitergeben: ,Irgendwo, nur nicht hier‘", meint Klaus Müller-Gei.


Möglichkeiten schaffen

Dennoch ist er froh, dass der Kelch am Frankenwald nun wohl vorübergeht. Denn nachdem der Wallenfelser Bürgermeister Jens Korn (CSU) ein Frankenwaldzentrum als Alternative ins Spiel brachte und sich am Dienstag nach der SPD auch die Freien Wähler gegen einen Nationalpark positionierten (wir berichteten), ist der Nationalpark zu einem ziemlich unrealistischen Szanario geworden - und Klaus Müller-Gei sieht die Situation deutlich entspannter.

So ganz will er dem Braten aber noch nicht trauen. Dafür müsste das Thema auch offiziell vom Tisch sein. Trotz der zum Teil äußerst emotional geführten Diskussion, könnte der Wirbel um den Nationalpark für den Frankenwald doch noch positive Folgen haben, meint der Betriebswirt: "Man muss Möglichkeiten für Startups und junge Leute schaffen."

Ein Frankenwaldzentrum sei daher ein richtiger Denkansatz. Mit einem Biosphärenreservat kann sich der 41-Jährige hingegen nicht anfreunden, weil das ebenfalls Flächenstilllegungen mit sich bringen würde. "Da sind wir aus ideologischen Gründen einfach gegen."
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