Nordhalben
Kunst

Nordhalben hat jetzt ein Künstlerhaus

Kürzlich wurde in Nordhalben das sanierte Künstlerhaus eröffnet. In Zukunft sollen dort verschiedenste Künstler ihrer Kreativität freien Lauf lassen können.
Artikel drucken Artikel einbetten
Der Weg, der Schatten, die Steine, das Holz: das sind die Themen der vier Künstler die eine Woche lang im Künstlerhaus arbeiteten.  Foto: Johanna Thron
Der Weg, der Schatten, die Steine, das Holz: das sind die Themen der vier Künstler die eine Woche lang im Künstlerhaus arbeiteten. Foto: Johanna Thron
+1 Bild
Jedes Werk der Künstler erzählt seine eigene Geschichte über Nordhalben. Drei Künstler aus Essen und einer aus den Niederlanden haben eine Woche lang das "Künstlerhaus" in Nordhalben als Ort der Kreativität während ihrer Arbeiten genutzt. Das ehemalige Maxhaus an der Lobensteiner Straße wurde nun offiziell als Künstlerhaus eröffnet. Elf Wochen lang sanierten 35 freiwillige Helfer das heruntergekommene Gebäude.

Organisiert wurde die Aktion von Otmar Adler, der zusammen mit den fleißigen Helfern das Künstlerhaus in Ateliers mit Austellungsräumen umwandelte. "Die Kunst ist von großer Wichtigkeit", erklärt er. Eine Woche lang ließen Viktor Cleve, Martin Schlenger, Volker Ullenboom und Martijn Smits ihrer Kreativität in Nordhalben freien Lauf.



Künstlerische Verwandlung

Adler betont, dass für ihn Ullenboom der Initiator des Hauses sei, der die Bewegung zwischen Essen und Nordhalben aufrecht erhalte. Vergangenes Jahr wirkte der Künstler bereits bei Ingo Cesaros "HolzArt" mit und blieb seitdem eng in Kontakt mit dem Dorf. Zusammen überlegte er sich mit Adler: Was können wir in Nordhalben durch Kunst bewegen? Seitdem wurde einiges getan.

Während der Arbeiten am Künstlerhaus gab es einige Schwierigkeiten, die aber gut gelöst werden konnten. So mussten die Leitungen erneuert und eine Stützmauer gebaut werden.

Inzwischen ist die Halbzeit der Arbeiten erreicht. Im Lauf des Herbstes soll das Haus auch bewohnbar sein. Ingo Cesaro sei für Adler der, dem er all dies zu verdanken hat. Der Kronacher Künstler selbst ist sich sicher, dass man in Bamberg oder Hof so etwas wie das Künstlerhaus in Nordhalben nicht finden würde: "Es ist ein Kultur-Biotop, was man in 30 bis 40 Jahren klar erkennen wird." Bürgermeister Michael Pöhnlein ist beeindruckt vom außergewöhnlichen Bürgerengagement.

Er erinnerte sich zurück, als die Bürger von Nordhalben der Meinung waren, er würde spinnen: "Ich sagte: Ja, wir spinnen! Wir stellen was auf die Beine." Das alte Maxhaus wurde dann schließlich für das Projekt ausgewählt.

Die selbst ernannte Selbsthilfegruppe der Nordhalbener Bürgerinnen und Bürger "NohA" setzt sich für die gemeinsame Verschönerung ihres Dorfes ein. Sie kamen auf die Idee, das kaputte und zerfallene Haus in etwas Modernes und Künstlerisches zu verwandeln. Da es direkt an der Hauptstraße liegt, sei es auch leicht für Besucher zu finden. Früher war es ein Lebensmittelladen, der nun den Künstlern genügend Platz bietet.

Ullenboom ist begeistert und überwältigt davon, was in den vergangenen Wochen aus dem Haus geworden ist. "An einem Ort wie Nordhalben ist das sensationell und einzigartig", erklärte der Essener Künstler. "NohA" könne viel bewegen: "Hier ist Leben, Lebendigkeit und Dynamik." Für ihn sei das Konzept einzigartig, auch wenn keiner wisse, wo es hinführt. "Die Leute kamen während unserer Arbeiten und fragten, was wir hier machen", erklärte er. "Sie erzählten Geschichten über das Haus und über das Dorf. Wo stand was, was war vorher dort. Das war toll!"


Nordhalben geht um die Welt

Volker Ullenboom beschäftigte sich schon vor langer Zeit mit seinem Projekt "Die Steine", die nun im Künstlerhaus ausgestellt werden. Er sammelte Steine aus Nordhalben, bemalte sie allesamt schwarz und nummerierte sie dazu. Am Anfang verteilte er sie selbst, später bat er seine Freunde darum, die Steine überall in der Welt zu verteilen. "Ich will Nordhalben mit der Welt verbinden " - inzwischen ist seine Idee einmal rund um den Globus gekommen. Im Moment habe er 30 Steine in Nordhalben versteckt, die - wie er hofft - bald alle gefunden und in die Welt hinausgetragen werden.

Viktor Cleve präsentiert mit seinen Gemälden "Der Weg" seine Sicht auf die Natur Nordhalbens. "Ich bin einen Weg gelaufen, den man normalerweise in einer Stunde schafft", erzählt der Künstler. "Doch ich bin einmal links, einmal rechts gelaufen und habe dafür insgesamt sieben Stunden gebraucht." Auf seinem Weg habe er sich alles genau angeschaut und diese Bilder in seinen Gemälden wiedergegeben. In seinen Bildern ist eine orangene Untermalung immer wieder zu sehen, dies sei typisch für ihn. "Es ist ein toller Effekt, der ein Lichtflimmern darstellt und durch alle Farben dringt."

Der Essener Martin Schlenger ließ sich von den Schatten im Dorf inspirieren: "Das Dorf malt sich selbst auf die Straße. Es ist wie ein Geschenk, man kann aus der Realität die Kunst rausreißen." Er fertigte zuerst Zeichnungen an, brachte diese auf Platten und druckte sie auf Holz ab. "Das Spannende am Holz ist, dass man mit seinen Fehlern arbeiten muss", erklärt er. Seine Werke tragen den Namen "Die Schatten."

Der holländische Künstler Martijn Smits arbeitete im Garten des Hauses an seinen Skulpturen "Das Holz". Seine drei Holzstatuen tragen jeweils die Namen "Entstehen", "Schafft" und "Notwendigkeit". Der Obere Teil ist mit schwarzer Farbe bemalt: "In Nordhalben ist von oben alles schwarz und unten gelb, daran habe ich mich orientiert", erklärt er. Seine Werke seien bezogen auf das Dorf, das Haus und den Wald.


Kunst hautnah erleben

Das Künstlerhaus soll in Zukunft für Besucher immer offene Türen haben. Im Herbst werden neue Künstler nach Nordhalben kommen, die es als Rückzugsort nutzen, um künstlerisch tätig zu sein. Dabei kann ihnen Groß und Klein zu jeder Zeit über die Schulter schauen, sich mit den Künstlern unterhalten und selbst kreativen Austausch mit ihnen betreiben.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren