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Kronach
Sanierung

Neue Pläne für die Alte Synagoge in Kronach

Das Haus mit Elementen aus dem Spätmittelalter hat einen neuen Besitzer. Der möchte aus der Ruine unter anderem hochwertige Apartments für Touristen machen.
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Der Stand der Dinge: In diesem Zustand präsentiert sich derzeit die Alte Synagoge in der Oberen Stadt. Ein hoher Kostenfaktor bei der Sanierung ist die Stuckdecke von 1710. 25 000 koste es, sie zu reparieren, sagt Bauherr Michael Butz. An Fördergeldern gebe es dafür aber nur 5000 Euro. Foto: privat
Der Stand der Dinge: In diesem Zustand präsentiert sich derzeit die Alte Synagoge in der Oberen Stadt. Ein hoher Kostenfaktor bei der Sanierung ist die Stuckdecke von 1710. 25 000 koste es, sie zu reparieren, sagt Bauherr Michael Butz. An Fördergeldern gebe es dafür aber nur 5000 Euro. Foto: privat
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Geht es nach der Optik, wird schon seit Jahren fleißig gebaut. Doch das Gerüst vor der sogenannten Alten Synagoge in der Oberen Stadt täuscht, die einstige Baustelle ist seit dem Tod des damaligen Besitzers Horst Rubel verwaist.

Das soll sich bald ändern - wobei "bald" relativ zu sehen ist. "Bis es richtig losgeht, sind schnell zwei Jahre rum", vermutet Michael Butz. Der 41-Jährige aus Weidhausen bei Coburg hat das denkmalgeschützte Gebäude vor einem Jahr gekauft - und große Pläne. Vier Apartments für Touristen sollen im Obergeschoss entstehen. Eine Rezeption werde dennoch nicht benötigt, erklärt Butz, geöffnet werden sollen die Türen per Smartphone. Neueste Technologie in einem der ältesten Häuser der Stadt. "Vielleicht kommt unten noch ein Büro hin", so Butz. Ganz oben sei dann noch Platz für eine Wohnung.


Ein Lottospiel

Butz würde gerne so schnell wie möglich das Startsignal für die Bauarbeiten geben. Doch der kaufmännische Angestellte ist auch Realist, schließlich sind die nötigen Baugenehmigungen noch in weiter Ferne. Denn zunächst muss von einem Sachverständigen ein Brandschutzgutachten ausgearbeitet werden, daraufhin erstellt ein Architekt einen Plan. Das Problem: Dabei ist längst nicht sicher, ob das Konzept auch genehmigt wird. "Ich würde daher gerne vorher wissen, ob ich mit meinem Konzept eine Chance habe", sagt Butz. "Aber darauf lässt man sich im Bauamt nicht ein."

Er wünsche sich einen kleinen Hinweis, ob ein Konzept erfolgreich sein kann, bevor er einen Gutachter beauftragt. Ist das Bauamt nicht einverstanden, müsse ein neues Konzept entwickelt werden. "So ein Gutachten kostet aber Geld. Da bin ich dann ganz schnell mehrere Tausend Euro zusätzlich los, ehe ich überhaupt anfangen kann", sagt Butz verärgert. "Und ich weiß vorher nicht, wo ich dran bin." Ein Lottospiel.

Aktuell sorgen die Brandschutzauflagen dafür, dass die Sorgenfalten auf Butz' Gesicht nicht weniger werden. Um das Konzept in der derzeitigen Form genehmigt zu bekommen, dürfen nur zwei der vier Apartments genutzt werden, sei ihm vom Bauamt mitgeteilt worden. "Es geht um den zweiten Rettungsweg", erklärt Butz. "Denn dafür ist die Gasse zu klein."

Die letzte Bauphase am Haupthaus ist für das Jahr 1710 belegt, die dendrochronologisch untersuchten Balken im Dachstuhl sind von 1492. Aus dem Spätmittelalter - ein Zeitalter, in dem Architekten an alles dachten, außer an Auflagen, die einige Jahrhunderte später folgen sollten. "Aber wenn ich nur zwei Räume umbauen kann, stirbt damit das Projekt", sagt Butz.

Er mag das Zusammenspiel von Alt und Neu, etwa, wenn drei Wände neu gestaltet werden und eine historische die Vergangenheit am Leben erhält. Daher habe er auch kein Problem damit, bestimmte Aspekte eines Gebäudes zu erhalten. Doch auch dort fühlt er sich mit seinen Nerven auf die Probe gestellt.

Diesmal vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege. Mal gehe es um Teile des Dachs, die nicht repariert werden dürfen, dann um einen Anbau im Innenhof, der nicht bis auf den ersten Stock abgetragen werden darf, um daraus eine Terrasse zu formen. "Dafür, dass mir alle gesagt haben, sie wollen mir keine Steine in den Weg legen, ist es ganz schön steinig", findet Butz.

Hauptproblem sei das Zusammenspiel zwischen Denkmalschutz und Bauamt. "Es gibt zu viele Ansprechpartner. Die Bürokratie bremst gerade alles aus." Mit dem Denkmalschutz laufe es dennoch deutlich unkomplizierter als mit dem Bauamt, so Butz.

Ihm sei schon bewusst, auf was er sich eingelassen habe, schließlich besitze er bereits ein Haus von 1892. Das Renovieren alter Immobilien ist für den hauptberuflich kaufmännischen Angestellten nur ein Hobby, Geld verdienen wolle er damit aber schon und nicht Geld verbrennen. Motiviert ist er dennoch. Der Grund? "Ein neues Haus kann jeder bauen, aber so eins baut niemand mehr. Da haben schon Leute drin gewohnt, die noch dachten, die Erde sei eine Scheibe." Das mache den Reiz für ihn aus.


Kaum Probleme

Stephan Höllein sieht das ähnlich. "Je älter, desto besser. Das ist in einem alten Haus ein ganz anderes Wohnklima", erzählt der Sonnefelder. Im Sommer sei es schön kühl und im Winter eine Grundwärme vorhanden. In den vergangenen 25 Jahren hat er in Oberfranken und Thüringen schon fünf Häuser saniert und seinem Freund Michael Butz die Alte Synagoge ans Herz gelegt. Dass sein Freund mit derart vielen Auflagen zu kämpfen hat, hätte er nicht gedacht.

Als er vor drei Jahren das Maximilian-von-Welsch-Haus sanierte, habe er kaum Probleme gehabt. "Die Stadt ist mir schon sehr entgegengekommen", sagt Höllein. Als es etwa darum ging, den Bürgersteig vor dem Haus abzusperren und er nicht wusste, für wieviele Tage er die Sperrung beantragen soll, habe sich die Stadt flexibel gezeigt. "Die haben mich erstmal machen lassen. In Coburg hätte ich das so sicher nicht durchziehen können", vermutet er.

Anders als Butz wollte Höllein allerdings so viel wie möglich in den Originalzustand versetzen. "Dafür habe ich mir extra alte Balken besorgt." Der Denkmalschutzbehörde habe er per E-Mail Bilder schicken können und habe schnell Antwort bekommen, was er alles verändern dürfe und wo es Diskussionsbedarf gibt.

Butz und Höllein sind offenbar keine Ausnahme. In den vergangenen fünf Jahren habe es in Kronach einen regelrechten Boom gegeben, wenn es um die Sanierung von historischen Häusern geht, meint der Kronacher Hauptamtsleiter Stefan Wicklein. "Wir haben immer wieder Nachfragen nach Wohnraum in der Oberen Stadt. Über mangelndes Interesse können wir uns nicht beschweren. "

Die Anzahl an Häusern, die in einem schlechten Zustand sind und für die sich aktuell keine Lösung abzeichnet, sei äußerst gering. "Klar, die fallen natürlich auf, weil sie einen im Stadtbild stören", sagt Wicklein. "Aber das ist wirklich die große Minderzahl."


"Nicht so charmant"

Robert Pieck vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege beurteilt die Lage etwas anders. "Ich würde mir schon wünschen, dass wird dort noch mehr zu tun haben", sagt der stellvertretende Referatsleiter für Bau- und Kunstdenkmäler. "Einige der Häuser sehen ja auch nicht so charmant aus."

Ein Boom hänge auch mit der Zinspolitik zusammen, gerade bei Niedrigzinsen werde viel gebaut. Eine große Nachfrage für Baudenkmälern könne er in Kronach derzeit nicht erkennen.

Mit der Alten Synagoge dürfte aber zumindest eines wieder von der Liste der zu Vermittelnden verschwinden - sofern die Behörden mitspielen.

Finanzielle Fördermöglichkeiten

Mit etwa zehn Prozent beteiligt sich die Oberfrankenstiftung meist am denkmalpflegerischen Mehraufwand. "Ich habe die Förderung wegen der Sandsteinfassade bekommen", erklärt Stephan Höllein. Weil er vor drei Jahren das Geburtshaus von Maximilian von Welsch sanierte, habe er wegen des öffentlichen Interesses sogar mehr erhalten. Maximal werden 20 Prozent bezuschusst.

Finanziert hat er über die Stiftung letztlich aber keinen einzigen Cent. "Mit einigen Aspekten war die Stiftung unzufrieden und hat Geld zurückgefordert", erzählt Höllein. Er entschied sich dafür, die Sanierung über Bausparverträge zu finanzieren. "Das funktioniert ohne Probleme", meint er.

Eine andere Möglichkeit ist ein Kredit bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) oder eine Unterstützung durchs Landesamt für Denkmalschutz. Um von diesem gefördert zu werden, müsse es sich um ein Baudenkmal oder den Bestandteil eines Ensembles handeln, erklärt der stellvertretende Referatsleiter für Bau- und Kunstdenkmäler, Robert Pieck. Bei einem Ensemble werde aber nur die Fassade und das Dach bezuschusst, beim Baudenkmal dagegen auch Inneneinbauten. Wichtig: Ausgezahlt wird nur, sofern der Geldtopf noch nicht ausgeschüttet ist. Eine finanzielle Entlastung gibt es zudem über Paragraph 7i des Einkommensteuergesetzes.
In den ersten sieben Jahren können demnach bis zu neun Prozent der Kosten für Baumaßnahmenabgesetzt werden, in den folgenden vier dann jeweils bis zu sieben Prozent.

Teuer wird es meist dennoch. Höllein hat unter anderem auch dadurch Kosten gespart, dass er rund 80 Prozent der Bauarbeiten selbst ausführte. Michael Butz will ebenfalls verstärkt auf die eigene Arbeit setzen.
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