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Kronach
Entscheidung

"Nein" zu weiteren drei Windmühlen

Der Kronacher Bauausschuss bleibt bei seiner negativen Haltung. Ein Argument ist die Höhe der Anlagen.
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Von der Festung Rosenberg aus sind diese beiden Windkraftanlagen in der Nähe von Kronach gut zu sehen. Nun sollen noch sieben neue Mühlen, allerdings in der doppelten Höhe, entstehen. Dazu sagte der Bauausschuss ein klares Nein. Foto: Karl-Heinz Hofmann
Von der Festung Rosenberg aus sind diese beiden Windkraftanlagen in der Nähe von Kronach gut zu sehen. Nun sollen noch sieben neue Mühlen, allerdings in der doppelten Höhe, entstehen. Dazu sagte der Bauausschuss ein klares Nein. Foto: Karl-Heinz Hofmann
Der Bau-, Stadt entwicklungs- und Wirtschaftsausschuss des Stadtrats hat einem Antrag auf Errichtung von drei Windkraftanlagen in den Gemarkungen Gössersdorf, Wötzelsdorf und Seibelsdorf sein Einvernehmen verweigert. Der Antrag der WindStrom Rugendorf GmbH &Co KG, Forchheim, lag dem Gremium schon im März vor und war damals ebenfalls negativ beschieden worden.

Stadtplaner Daniel Gerber erläuterte die Gründe, die gegen eine Erteilung des planungsrechtlichen Einvernehmens seitens der Stadt Kronach sprechen. Als Hauptgrund stellte sich für eine Mehrheit von 6:3 Stimmen heraus, dass die insgesamt sieben neu geplanten Windkraftanlagen doppelt so hoch wären wie bereits zwei in Nähe von Gössersdorf bestehende Mühlen. Diese wären alle besonders von der Festung Rosenberg aus, aber auch von anderen Standorten im Stadtgebiet, gut sichtbar und würden das Landschaftsbild beeinträchtigen.


Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein (FW) machte klar, dass er aufgrund der Gegebenheiten an dem ablehnenden Beschluss des Stadtrats vom 31. März festhalten werde.

"Gehören künftig zum Bild"

Tino Vetter (FW) stand den Windkraftanlagen hingegen positiv gegenüber. Es handle sich um eine Innovation, und Windräder würden künftig zum Landschaftsbild gehören wie vor Jahrzehnten die Telefonmasten und Leitungen. Er konnte eine Landschaftsbeeinträchtigung nicht nachvollziehen, weil andere Energiequellen auch in die Ökologie eingreifen würde.

Marina Schmitt (SPD) sah das ähnlich: "Wenn sich alle so negativ gegenüber Erneuerbaren Energien verhalten würden, gäbe es keine Alternativen zur Stromgewinnung." Bayern, so Schmitt, habe Nachholbedarf. Windkraftanlagen seien das geringste Übel.

Bernd Liebhardt (CSU) dankte Stadtplaner Gerber für die ausführlichen Informationen. Die Bilddokumente verdeutlichten, um welchen Einschnitt ins Landschaftsbild es sich handle. Der Stadtrat habe mit seiner Ablehnung am 31. März Verantwortung für die Region gezeigt, und auch der Bauausschuss sollte sich nun dem Schutz des Landschaftsbildes und der Kulturlandschaft im Naturschutzgebiet Frankenwald anschließen. Schließlich lebe Kronach auch vom Tourismus, gab Liebhardt zu bedenken.

"Auf Tourismus angewiesen"

Dies unterstützte auch Wolfgang Hümmer (CSU). "Wir sind auf Tourismus angewiesen und müssen darauf achten, unsere Natur zu erhalten", sagte er und rief das Gremium zur Ablehnung des Antrags auf. Winfried Lebok (CSU) outete sich als Verfechter der Erneuerbaren Energien. Allerdings stehe er der Entsorgung skeptisch gegenüber; dies treffe für Windräder ebenso zu wie für Atommüll. Deshalb sei er gegen die Anlagen. Schließlich stimmte das Gremium mit 6:3 gegen die Errichtung der Anlagen.

Für Diskussionen sorgte auch ein weiterer Bauantrag (allerdings nur als Vorbescheid) zur Errichtung eines Einfamilienhauses mit Keller und Doppelgarage in Wüstbuch. Nach den Ausführungen des Stadtplaners liegt das geplante Objekt außerhalb des Bebauungsplans und trägt so zur Zersiedelung des Ortsbildes bei.

Nach mehreren Kompromissvorschlägen befürwortete das Gremium - letztlich nur gegen eine Stimme - den Antrag auf Vorbescheid und erteilte das gemeindliche Einvernehmen wie im Plan vorgelegt. Die Maßnahme war schon einmal im Bauausschuss behandelt und zurückgewiesen worden mit der Vorgabe, das Haus näher an der Ortsstraße im Bereich des Bebauungsplans zu erstellen.

Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein berichtete von mehreren Gesprächen mit den Bauinteressenten, die sich letztlich auch ein Stück weit den Wünschen der Stadtplanung genähert hätten - allerdings eben nicht so weit, wie es der Bebauungsplan vorsehe.

Winfried Lebok (CSU) pochte auf die Einhaltung von Bebauungsplänen: "Ich frage mich, weshalb die Stadt so viel Geld für die Erstellung von Bebauungsplänen ausgibt, wenn im Bauausschuss ständig Freistellungen von den Festsetzungen des Bebauungsplans erteilt werden?"

Einen Schritt weiter ging Klaus Simon (SPD). Seiner Meinung nach führen die offensive Baulandpolitik und der "Bauwahn" zu einer Versiegelung der Stadt. "Kronach wird verbaut", beklagte er.

Bürgermeister Beiergrößlein verwahrte sich dagegen und stellte die Frage nach den Alternativen: "Sollen wir jeden Antrag ablehnen und jungen Familien Wohnraum verweigern? Ich hoffe, es handelt sich nur um eine Einzelmeinung."

Einstimmig genehmigt wurde die Erweiterung des Einzelhandelsgeschäfts im Hammermühlweg 2a zum Drogeriemarkt. Mit Prüfvermerken und Anregungen wurde einem Drogeriemarkt (Rossmann) mit etwa 660 Quadratmetern Verkaufsfläche das Einvernehmen erteilt.

Eine nachträglich eingereichte Planung für die Gestaltung von Außenanlagen eines Anwesens am Kreuzberg wurde erneut negativ beschieden. Einstimmig waren die Räte der Meinung, bei der Ablehnung zu bleiben, obwohl die Auffüllung des Geländes bereits durchgeführt ist. Das Landratsamt hatte die Stadt um nochmalige Prüfung gebeten. Die Räte bestehen jedoch auf bebauungsplankonforme Vorgehensweise. Nachdem für das Gebäudes und einiger Außenveränderungen jeweils Befreiungen erteilt wurden, sah das Gremium in diesem Fall den Bogen überspannt.

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