Neufang
Infoveranstaltung

Nationalpark Frankenwald: Buhrufe für Jürgen Baumgärtner

In der Festhalle in Neufang hatte MdL Jürgen Baumgärtner eine klare Botschaft: "Nein, ich gebe hier kein klares Nein zum Nationalpark Frankenwald!"
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Der Landtagsabgeordnete Jürgen Baumgärtner betonte, dass er - trotz der immensen Bürgerproteste - den Frankenwald wieder als Nationalpark ins Gespräch bringen würde. "Nein, ich gebe hier kein klares Nein zum Nationalpark Frankenwald. Ich greife dem Ministerpräsidenten nicht vor", sagte Baumgärtner und erntete lautstarke Buhrufe. Foto: Sonny Adam
Der Landtagsabgeordnete Jürgen Baumgärtner betonte, dass er - trotz der immensen Bürgerproteste - den Frankenwald wieder als Nationalpark ins Gespräch bringen würde. "Nein, ich gebe hier kein klares Nein zum Nationalpark Frankenwald. Ich greife dem Ministerpräsidenten nicht vor", sagte Baumgärtner und erntete lautstarke Buhrufe. Foto: Sonny Adam
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Vor wenigen Tagen, als die Gegner des Nationalparkes Frankenwald unter des CSU-Landtagsabgeordneten Ludwig Freiherr von Lerchenfeld zur Podiumsdiskussion gegen den Nationalpark luden, platzte der Neufanger Feststadel aus allen Nähten: Waldbesitzer und Vertreter der Industrie waren gekommen, Interessierte und viele aufgebrachte Bürger. Als der Initiator der Idee - der CSU-Landtagsabgeordnete Jürgen Baumgärtner - selbst in seinen Wahlkreis kam, um über seine Beweggründe zu reden, blieb der Kreis der Interessierten überschaubar. Nicht einmal die Hälfte der Menschen konnte die CSU mobilisieren, um sich aus erster Hand zu informieren. Nur wenige trugen zur Kundgebung die grünen T-Shirts der Anti-Nationalpark-Vereinigung "Unser Frankenwald", auch die Waldbauernvereinigungen und Forstleute sind nicht in großer Zahl erschienen. Die CSU-Familie blieb unter sich. Es gab viele leere Sitzplätze.

"Es ist nicht korrekt, wenn unser Abgeordneter als Hurensohn, Verräter des Frankenwaldes und Totengräber der Region bezeichnet wird", sagte Rudolf Kotschenreuther von der CSU Neufang und versuchte eine Lanze für den in seiner Heimat in Ungnade gefallenen Abgeordneten zu brechen. Der Applaus beim Auftritt von Jürgen Baumgärtner indes blieb aus. "Ich bin schon freundlicher hier empfangen worden", sagte Baumgärtner selbst. Rund um Steinwiesen sind Schilder und Plakate mit Protestkundgebungen aufgestellt. Sogar die Silageballen tragen Aufschriften, die den CSU-Abgeordneten anprangern. Und direkt vor der Festhalle parkte ein Traktor mit Plakat. Die Aufschrift: "Jürgen Baumgärtner vernichtet unser Eigentum Wald und bringt Unfrieden in unsere Region. Zehntes Gebot: Du sollst nicht begehren deines Nächsten Hab und Gut!"


Baumgärtner verteidigt seinen Vorschlag

Der Landtagsabgeordnete indes bekräftigte in seiner klaren Rede, dass die von ihm angestoßene Diskussion richtig und wichtig war. "Ja, er würde den Frankenwald wieder als Nationalpark ins Gespräch bringen", so Baumgärtner. Gleichzeitig versuchte der Abgeordnete die Forderung, den Frankenwald zum Nationalpark zu machen, als politisches Spiel darzustellen. "Diese Region wird gewinnen, wenn wir uns zusammenreißen, wenn wir Argumente austauschen", so Baumgärtner. Am Ende seines Vortrages allerdings stand die klare Aussage: "Wenn wir wollen, dass unser Planet in die nächste Generation getragen wird, müssen wir jetzt etwas tun. Nein, ich gebe hier kein klares Nein zum Nationalpark Frankenwald!", so Baumgärtner, der erneut Buhrufe auslöste.
Dass der Kronacher Abgeordnete den Frankenwald überhaupt als möglichen Nationalparkstandort ins Gespräch gebracht habe, liegt an der bereits beschlossenen nationalen Strategie zur Biodiversität. "Wir werden in Deutschland Flächen stilllegen. Das ist Fakt. Zehn Prozent der staatlichen Waldflächen sollen stillgelegt werden. Ich bin immer der Meinung, es ist besser, zu gestalten als abzuwarten", erklärt Baumgärtner.

Mit einem Nationalpark Frankenwald könne man das Image des Landkreises steigern, vielleicht könne man Wertschöpfungsketten ausbauen. "Die Mehrzahl der Abiturienten verlässt den Landkreis. Die Zeiten, in denen sich Unternehmen im Landkreis Kronach ansiedeln, sind vorbei. Uns fehlen Fachkräfte", so der Abgeordnete. "Wir können es uns nicht leisten, ein Angebot der Staatsregierung abzuschlagen."


Nationalpark könne Arbeitsplätze schaffen

Und aus diesem Grund habe er den Frankenwald als möglichen Nationalpark-Standort ins Gespräch gebracht. Denn die Tatsache, dass ein dritter Nationalpark in Deutschland eingerichtet werden solle, steht außer Frage. Ein Nationalpark habe auch eine Verwaltung - eine Möglichkeit, Arbeitsplätze zu schaffen. "Ich habe aber auch nie gesagt, dass der Nationalpark wirklich im Frankenwald kommen soll. Was wir jetzt tun, ist, die Räume zu untersuchen, Stärken und Schwächen zu analysieren", so Baumgärtner. Man werde erkennen, daas man im Landkreis Kronach investieren müsse, um die Infrastruktur, den Tourismus, den Naherholungsbereich zu fördern. Und möglicherweise werde man auch erkennen, dass es in Bayern bessere Standorte gäbe. Aber es werde keine Enteignungen geben. Und wenn nur eine Forderung des Sägewerkes nicht erfüllt wird, wird es laut Baumgärtner auch keinen Nationalpark geben. "Vielleicht gelingt es uns durch die Diskussion ein Alleinstellungsmerkmal zu finden, vielleicht wird der Frankenwald nicht Nationalpark, aber Biosphärenreservat. Ich bin mir sicher, dass uns die Diskussion nach vorne bringt", sagte der Landtagsabgeordnete und forderte, dass sich die Region nicht zerstreiten solle.

"Wir wollen nicht, dass der Frankenwald so bleibt wie er ist", sagte der Abgeordnete und widersprach damit klar den Nationalpark-Gegnern. Die Argumente der Gegner, dass 5000 Arbeitsplätze am Rohstoff Holz hängen würden, deklarierte Baumgärtner als falsch. Die tatsächliche Anzahl werde jetzt überprüft. Es habe jedenfalls kein Mensch die Absicht, den Frankenwald zu zerstören.


Stimmen von der Infoveranstaltung

Der stellvertretende Landrat Gerhard Wunder appellierte an die Menschen, sich sachkundig zu machen, alle Argumente zu hören und erst dann zu entscheiden. "Die Wirtschaft ist wichtiger als das Image. Wir brauchen keinen Nationalpark", positionierte sich indes Gerhard Wunder klar.
Auch der Wallenfelser Bürgermeister Jens Korn blieb bei seiner Position gegen den Nationalpark, die er bereits bei der Podiumsdiskussion mit den Gegner formuliert hatte. "Ein Nationalpark passt nicht zu unserem Frankenwald."

Die heftige Diskussion, die durch den Vorschlag Baumgärtners entstanden ist, wertete Korn als "Energieexplosion", die dazu führen könne, dass man gemeinsam über die Zukunft des Frankenwaldes nachdenke. Korn regte an, in Oberfranken - möglichst im Landkreis Kronach - eine Hochschuleinrichtung anzusiedeln, für Weiterbildungsmöglichkeiten rund um das Thema Holz zu kämpfen und dafür, ein Alleinstellungsmerkmal für den Tourismus zu finden.


Diskussion müsse beendet werden

Bei der CSU-Veranstaltung trat auch Sägewerksbesitzer Reinhard Müller-Gei ans Mikrofon. "Unser Wald ist viel besser als er immer dargestellt wird. Man muss ihn nicht im Hauruckverfahren umbauen." Der Sägewerksbesitzer machte keinen Hehl aus Zukunftsängsten. "Wir haben unseren Betrieb nach dem Wald gebaut und nicht nur die Sänger hängen am Rohstoff Holz", so Müller-Gei.

"Wenn das Pferd, das man reitet, tot ist, dann steigt man ab", sagte Siegmund Kolb, der stellvertretende Vorsitzende der WBV und forderte Baumgärtner auf, die Diskussion, die im Frankenwald so heftig geführt wird, zu beenden. "Ich meine auch nicht, dass man jetzt über ein Biosphärenreservat reden soll", so Kolb. Doch zu einer Abkehr von der Diskussion wollte sich Baumgärtner nicht bringen lassen. Der Ministerpräsident soll eine Entscheidung treffen.
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