Kronach
Eindringlinge

Nach Streich in Kronacher Sporthalle bleiben Lacher aus

Zwei Minderjährige übernachteten heimlich in der Halle der Turnerschaft Kronach und wurden dabei erwischt. Nachahmer sollten gewarnt sein.
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Die Turnhalle der TS Kronach wurde von zwei ungeladenen "Übernachtungsgästen" genutzt. Foto: Marco Meißner
Die Turnhalle der TS Kronach wurde von zwei ungeladenen "Übernachtungsgästen" genutzt. Foto: Marco Meißner
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Draußen sind die Nächte eisig. Da ist jeder froh, der sich in seinem Bett in eine mollig warme Decke wickeln kann. Zwei Jungs haben jedoch auf ihre heimische Schlafstätte verzichtet und lieber in der Sporthalle der Turnerschaft übernachtet. Heimlich. Doch was für sie eine Gaudi werden sollte, hätte auch mit ernsthaften Konsequenzen enden können.

Als der Vorsitzende der Turnerschaft Kronach, Jörg Schnappauf, am frühen Morgen in die Halle kam, traute er seinen Augen nicht. Eigentlich wollte er die Vorbereitungen für eine Sportveranstaltung treffen. Wo drei Stunden später die Aktiven schwitzen sollten, waren bereits Matten ausgelegt, Sprunggeräte und Tischtennisplatten aufgebaut.

"Dann habe ich gesehen, dass zwei Jungs von den Matten aufgestanden sind", erinnert sich Schnappauf. "Die waren so 13, 14 Jahre alt." Er habe sie gleich gefragt, wer sie sind und wie sie in die Halle kommen konnten. Angeblich habe sie ein anderes Mitglied eine Stunde zuvor hineingelassen, antworteten die wortkargen "Gäste". Doch zu dieser frühen Stunde und so verschlafen, wie die Jugendlichen wirkten, war Schnappauf klar, dass es nur eine Ausrede sein konnte. Schließlich rückte einer der Jungen mit der Sprache heraus und gestand die verbotene Übernachtung.


Nur einmal wird ein Auge zugedrückt

Schnappauf versuchte vergeblich, die Eltern telefonisch zu erreichen. Daher blieb ihm nur noch die Polizei, um die Situation zu klären. "Während ich dort angerufen habe, sind die beiden Jungs durch den Notausgang abgehauen", erinnert er sich. Später meldete sich der Vater des einen Übeltäters und erklärte das Geschehene. Dessen Sohn habe gebeichtet, dass die Jungs "Sch... gebaut" hätten. Die Jugendlichen hatten am Vortag in den beiden Hallen des Gebäudes abwechselnd beim Sport zugeschaut. Am Abend haben sie sich versteckt und einschließen lassen. Der zweite Junge hat sich mittlerweile direkt bei Schnappauf für sein Verhalten entschuldigt.

Beschädigungen konnte der Vorsitzende in der Halle keine feststellen. Auch deshalb ließ er Gnade vor Recht ergehen und verzichtete auf eine Anzeige. "Sonst steht irgendwo mal in ihren Unterlagen was von Hausfriedensbruch oder so ...", erklärt er, nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen zu wollen. Für ihn sei das ein "Jungsstreich" gewesen. Doch wiederholen dürfe sich das nicht. Der Vater des einen Jungen habe ihn nämlich auf einen gefährlichen Trend aufmerksam gemacht. Demnach sei es bei manchen Jugendlich "in", bei "Challenges" die Grenzen des Gesetzes zu überschreiten und unter anderem an verbotenen Stellen zu übernachten.

Schnappauf warnt die jungen Leute vor einem solchen Blödsinn, der schnell rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen kann. Die Turnerschaft selbst will künftig schärfer kontrollieren, damit sich am Ende des Trainingstags niemand mehr einschleicht. Bei weiteren ungebetenen Gästen steht für Schnappauf fest: "Wenn es Nachahmer geben sollte: Der Nächste ist dran, dann gibt es eine Anzeige!"


Hintergrund: Ein fragwürdiger Trend aus Amerika

Jörg Schnappauf erfuhr vom Vater des einen Jungen, dass es einen heiklen Trend unter jungen Leuten geben soll und der Verein deshalb die Augen weiter offen halten sollte. Diesen Trend, der seine Wurzeln in den USA hat, belegte er mit einem Link zum Hamburger Abendblatt. "Vor der Polizei davonlaufen und dann ein Video von sich bei der Straftat bei YouTube hochladen", so schildert das Hamburger Blatt in seinem Artikel exemplarisch die illegalen Aktionen zweier junger Männer, die sich mit ihrem so genannten Trash-Content siebenstellige Klickzahlen eingespielt haben. Nach dem Motto "24 Stunden in ..." würden sich die jungen Leute rund um die Uhr im Kino, in Geschäften oder im Fast-Food-Restaurant aufnehmen. Dass sie dabei hohe Geld- oder sogar Haftstrafen riskieren, nehmen sie offenbar in Kauf. Ob es da hilft, dass sie selbst vom Nachahmen abraten ...?


Das sagt die Polizei

Sich an unerlaubten Orten einzuquartieren, ist in Kronach glücklicherweise "keine Trendsportart" wie andernorts offenbar schon. "Das ist der erste Fall, der mir bekannt ist", stellt Pressesprecher Gerhard Anders von der Polizeiinspektion Kronach fest.

Er weiß auch nicht, worin die Intention der beiden Sporthallen-Schläfer lag. War es nur ein Streich aus eigenem Antrieb oder haben sie wirklich irgendwelchen zweifelhaften Internet-Idolen nachgeeifert? Anders rät jedoch allen ab, sich nun den Schabernack dieser beiden zum Vorbild zu nehmen. "Man weiß ja nie, wie der Betroffene reagiert", warnt der Polizist. Nicht jeder Hausherr handele so besonnen wie Jörg Schnappauf. Beim einen oder anderen müssten unliebsame Besucher möglicherweise mit einer Abreibung rechnen.

Doch selbst, wenn es keine handfesten Unmutsbekundungen geben sollte, ist der Spaß für ertappte Eindringlinge im Nachhinein nicht lustig. "Es wird auf jeden Fall eine Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs aufgenommen", erklärt Anders. Sogar wenn - wie jetzt in Kronach geschehen - vom Geschädigten auf einen Strafantrag verzichtet wird, leitet die Polizei ihre Anzeige an die Staatsanwaltschaft weiter. Diese muss dann entscheiden, ob von ihrer Seite aus ein Interesse an der Strafverfolgung besteht. Falls dem so ist, droht eine Geldstrafe oder sogar eine Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr.
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