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Mutmaßlicher Anschlag in Berlin: So erlebt Kronach die Bluttat

Die Ereignisse in Berlin machen auch die Kronacher betroffen. Ein Pfarrer erinnert die Menschen an die Friedensbotschaft. Diese wollen der Angst trotzen.
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Kerzen und Blumen liegen in Berlin am Ort des möglichen Anschlags. Dem Motto auf dem Zettel folgen auch die Kronacher. Foto: Michael Kappeler/dpa
Kerzen und Blumen liegen in Berlin am Ort des möglichen Anschlags. Dem Motto auf dem Zettel folgen auch die Kronacher. Foto: Michael Kappeler/dpa
Nach dem mutmaßlichen Terroranschlag auf einen Weihnachtsmarkt in Berlin am Breitscheidplatz sitzt der Schock in der Bevölkerung tief. Auch wenn der Tatort diesmal nicht in Franken lag, wie bei den Taten in Würzburg und Ansbach, blickt auch so mancher Kronacher mit Sorge nach Berlin.

Anna-Lena Deuerling muss gar nicht so weit blicken. Die gebürtige Mitwitzerin lebt seit zweieinhalb Jahren in der Hauptstadt. "Ich hatte die erste Nachricht von einem Kumpel, ob es mir gut geht, noch bevor ich überhaupt gewusst habe, dass was passiert ist", sagt sie. Nachdem ihr das Ausmaß bewusst geworden war, habe sie ihren Arbeitskollegen geschrieben. Die hatten sich noch auf einen Glühwein zum Feierabend verabredet - zum Glück auf einem anderen Weihnachtsmarkt. Damit ihre Freunde wussten, dass sie in Sicherheit ist, hat Anna-Lena den Safety Check auf Facebook benutzt.

Am Tag danach empfindet sie die Stimmung in der Stadt als normal: "Ich hatte die veränderte Stimmung nach Paris und Brüssel deutlicher wahrgenommen." Allerdings wohnt und arbeitet sie auch etwas weiter weg vom Anschlagsort am Kurfürstendamm. Angst, wieder auf den Weihnachtsmarkt zu gehen, habe sie jedoch nicht. Eher schrecke sie das verschärfte Sicherheitsaufgebot ab. Sie könne sich vorstellen, dass man "zwischen schwer bewaffneten Polizisten und der Gewissheit, dass so viele Leute tot und verletzt sind, nicht mehr unbeschwert und in lustiger Weihnachtsstimmung Glühwein trinken kann."


Was hätte passieren können?

Ganz unbeschwert war auch Katharina Nenninger aus Kronach, bei ihrem Besuch in Berlin am 9. Dezember. Natürlich ließen sie und ihre Reisegruppe sich den Weihnachtsmarkt auf dem Gendarmenmarkt nicht entgehen. Schon vor einem Jahr war Nenninger in Berlin. Genau nach den Anschlägen in Paris. "Da hatten wir schon etwas Angst", gibt sie zu. "Diesmal waren wir aber sowas von gelassen", erzählt sie weiter. Ihre Freude sei groß gewesen, wieder unbesorgt auf den Weihnachtsmarkt zu gehen.

Daher sei sie auch "sehr erschrocken" gewesen, als sie von der Nachricht erfuhr. Die Ereignisse verfolge sie jetzt auch intensiver als sonst, sagt sie. Gerade schaue sie sich mit ihrem Mann die Sondersendungen im Fernsehen an. "Man mag sich gar nicht ausdenken, was hätte passieren können", sagt sie mit Rückblick auf ihren Besuch. Dennoch möchte sie im nächsten Jahr wieder nach Berlin, wieder auf den Weihnachtsmarkt. Die Freude über ein schönes Erlebnis überwiegt bei ihr, ist stärker als die Angst.

Ähnlich reagieren Reiseveranstalter, wie das Busunternehmen Martin Reisen in Pressig. Im Januar sind einige Fahrten in die Hauptstadt geplant. Eine Absage sei bisher aber nicht im Gespräch, sagt Claudia Wicklein. Sie ist für Gruppenreisen zuständig. "Wir vertreten den Standpunkt: Passieren kann immer und überall irgendetwas", sagt sie.


Absagen möglich

Planänderungen könne es dennoch geben: "Das kommt darauf an, wie die Kunden sich verhalten." Sollten zu viele abspringen, findet eine Fahrt nicht statt. Zuletzt sei das nach den Anschlägen in Paris der Fall gewesen. Die Gruppe sei nicht sonderlich groß gewesen. Einige Kunden stornierten dann ihre Reise, so dass die Teilnehmerzahl nicht mehr gereicht habe.

Bislang habe sie von ihren Kunden noch keine Reaktion bekommen. "Das kann aber noch kommen", ergänzt Wicklein. In der Regel habe es nach solchen Ereignissen "erstaunlicherweise recht wenig" Absagen gegeben, erklärt sie.

Mehr Reaktionen erhält Martin Gundermann in solchen Situationen. Er ist der Pfarrer der evangelischen Gemeinde in Kronach. "Gerade in der Adventszeit sind die Menschen sensibler. Solche Ereignisse werden intensiver empfunden", erklärt er. Auch er sei von der Tat erschrocken. "Das Perfide daran ist, dass es auf einem Weihnachtsmarkt passiert ist", sagt er. Schließlich sollen sich die Menschen dort auf die Geburt Jesu freuen.

Das Ereignis zeige für den evangelischen Pfarrer besonders das Erlösungsbedürfnis der Welt: "Die Friedensbotschaft, die mit Jesus auf die Welt gekommen ist, brauchen wir heute auch noch." Daher halte er es für falsch, auf diese "menschenverachtende Gewalt" wiederum mit Gegengewalt zu antworten.
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