Französisch in der Schule: Für sprachlich eher talentfreie Menschen ist das oft eine düstere Erinnerung an längst vergangene Zeiten. Eine erfreuliche Auseinandersetzung mit seiner Sprache hat Patrice Bourgeon hingegen den Schülern ab der neunten Jahrgangsstufe des Kaspar-Zeuß- und des Frankenwald-Gymnasiums ermöglicht.
Charmant, nachdenklich, witzig, originell, laut, zärtlich, aber auch kraftvoll - all diese Facetten zeigte der französische Chansonier und Liedermacher, dessen Bandbreite von verklärt-nostalgischen Balladen bis hin zu humorvollen, schnelleren Nummern reicht. Im "Gepäck" hatte er bei seinem einstündigen Konzert Kompositionen von Größen des Genres sowie aus eigener Feder. Die durchwegs sozialkritischen Texte zogen sich wie ein roter Faden durch sein Programm. So geriet die Musizierstunde gleichsam zum Plädoyer für ein friedliches Zusammenleben aller Völker, basierend auf Menschlichkeit, Achtung, Offenheit und Toleranz.

Ein Lächeln auf den Lippen


Selbst wer vorher noch nie etwas mit Chansons zu tun hatte oder diese nicht mochte, kam nicht umhin, den Kreiskulturraum mit einem Lächeln auf den Lippen zu verlassen. Nicht anders erging es Franciska Meier aus Mödlitz, Marie Fischer aus Weißenbrunn, Antonia Gügel aus Kronach und Sophia Sünkel aus Schneckenlohe, alle Schülerinnen des Frankenwald-Gymnasiums.
Den vier Gymnasiastinnen hat das Konzert gut gefallen. "Es ist nicht unbedingt die Musik, die ich zuhause höre, sondern eine ganz eigene Art von Musik. Sie wurde aber sehr locker, humorvoll und mitreißend dargeboten. Man merkte Bourgeon an, dass er hinter seiner Musik steht", sagte die 14-jährige Sophia. Ähnlich sah es die ein Jahr ältere Antonia. "Ich finde, der Künstler hat das sehr gut rübergebracht. Überhaupt finde ich die heutige Veranstaltung sehr sinnvoll. Es ist etwas ganz anderes, ob man die Sprache in der Schule lernt oder von einem Einheimischen hört." Sie sei überrascht gewesen, wie deutlich und klar der Musiker gesungen habe.

Viel verstanden


"Ich hätte vorher nicht gedacht, dass ich so viel verstehen würde. Natürlich kennt man nicht jedes Wort, aber den Sinn und den Inhalt der Lieder habe ich schon verstanden", meinte die gleichaltrige Marie. Ebenso wie ihre drei Mitschülerinnen hat auch Franciska seit der 6. Klasse Französisch als zweite Fremdsprache. Die 14-Jährige erzählt: "Zur Auswahl stand noch Latein. Aber ich wollte eine Sprache lernen, die heute noch gesprochen wird in einem Land, in das man fahren kann. Französisch ist eine sehr schöne Sprache. Das haben auch der heutige Vormittag und die schönen Lieder gezeigt."
Organisiert wurde die Veranstaltung von den beiden Französisch-Fachbetreuern Peter Wutz (KZG) und Elisabeth Först (FWG). "Der Kontakt kam über unseren Kollegen Norbert Berger zu Stande, der Fachbetreuer für Französisch am Ernestinum Gymnasium in Coburg ist. Er hat uns darauf hingewiesen, dass der Künstler in unserer Gegend auf Tournee geht. Da ja am Sonntag der Deutsch-Französische Tag ansteht, hat sich das angeboten", erzählten die beiden Lehrkräfte.
Die Tournee, bei der der Sänger - neben Kronach - noch in Bamberg, Bayreuth, Ebermannstadt, Erlangen und bei drei Veranstaltungen in Coburg auftritt, erfolgt unter der Regie des Deutsch-Französischen Instituts. Bourgeon berichtete: "Ich war schon oft in Deutschland - eigentlich von Rostock bis München. Mir gefällt Deutschland gut und auch der Frankenwald. In Kronach war ich noch nie. Aber es ist sehr schön hier."

Eigene Kompositionen


Bourgeon interpretierte auf ganz eigene Art und Weise Werke von Größen wie: Barbara "Göttingen", Boris Vian "La java des bombes atomiques", Charles Trénet "un beau voyage au Canada" oder Yves Montand "A Paris".
Höhepunkte waren seine Eigenkompositionen, die sehr authentisch daherkamen - so unter anderem seine Hommage an Chico Mendes, ein Brasilianer, der sich für den Erhalt des tropischen Regenwaldes und gegen die Ausbeutung der Indianer durch die Großgrundbesitzer eingesetzt hat. Oder sein Lied "les grosses de 40 kilos" zum Thema "Magersucht".
Immer wieder plädierte er in seinen Liedern für Weltoffenheit, wie in seinem Stück "Weltbürger". Ein weiteres, von ihm bevorzugtes Thema bilden der Wein und die Kneipen. Dabei handelte es sich aber nicht um Trinklieder, sondern um Chansons mit anspruchsvollen Texten und Wortspielen - allesamt von ihm mit viel Gestik und Mimik sowie mit der klanglichen Begleitung seiner Gitarre vorgetragen.
Unterstützt wurde er am Piano und Akkordeon von Dominique Charnay und - etwa beim Klassiker "Les Champs-Élysées" - stellenweise auch stimmlich von seinem jungen Publikum. Dieses erlebte dabei, dass Französisch eine Sprache ist, in der man sehr gute, angesagte Musik machen kann.