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Mit einer Drohne nicht einfach losfliegen...

Grenzenlos ist die Freiheit für Drohnen-Piloten längst nicht mehr. Verkehrsminister Alexander Dobrindt plant, die bestehenden Gesetzte noch einmal zu verschärfen - zum Entsetzen der Modellflugvereine. Die fürchten um nichts weniger als ihre Zukunft.
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Matthias Förtsch ist wichtig, dass Piloten auch die manuelle Steuerung beherrschen, um die Drohnen bei Problemen sicher landen zu können.  Foto: vonoben.tv
Matthias Förtsch ist wichtig, dass Piloten auch die manuelle Steuerung beherrschen, um die Drohnen bei Problemen sicher landen zu können. Foto: vonoben.tv
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Neu ist die Erkenntnis nicht. Im Skisport liegt es in der Natur der Sache, dass Millisekunden den Unterschied ausmachen - meist bei der Frage nach der Medaillenfarbe. Doch die dürfte Marcel Hirscher zwei Tage vor dem Heiligabend 2015 herzlich egal gewesen sein. Wo der 26-jährige Österreicher im zweiten Durchgang des Weltcup-Slaloms im italienischen Madonna di Campiglio noch den berühmten Augenaufschlag zuvor die Canalone Miramonti heruntergerast war, klatschte plötzlich ein fußballgroßer, schwarzer Gegenstand auf die Piste. Eine Drohne.

Diesmal entschied die Millisekunde über die Gesundheit. Denn eine schwere Verletzung hätte ein Aufeinandertreffen mit dem rund fünf Kilogramm schweren Fluggerät wohl mindestens zur Folge gehabt. "Wir sind an einer Katastrophe knapp vorbeigeschrammt", sagte Markus Waldner der Renndirektor des Internationalen Ski-Verbandes (Fis) anschließend ebenso erschrocken wie erleichtert.


Günstige Einsteigermodelle

Auch in Pressig war die Erleichterung groß, dass der viermalige Sieger des Gesamt-Weltcups lediglich mit einem großen Schrecken davonkam. "Gleichzeitig war mir aber auch klar, dass nun wieder eine Diskussion losgehen wird", sagt Matthias Förtsch. "Das war von den Verantwortlichen Sensationsgier, die wollten wahrscheinlich unbedingt Bilder aus noch einer anderen Kameraperspektive." Nun fürchtet er, dass ein solcher Vorfall Wasser auf die Mühlen der Drohnen-Kritiker geben könnte.

Wie gut die vor einigen Jahren noch als Multicopter bekannten Fluggeräte genutzt werden können, um bislang ungeahnte Blickwinkel einzunehmen, weiß der 35-Jährige genau. 2011 gründete er die Firma "vonOben", mit der er nebenberuflich Filme und Fotos aus luftigen Höhen aufnimmt. Während Förtsch seine rund 4000 Euro teuren Profi-Modelle noch selbst zusammenbaut, sind fertig montierte Einsteigermodelle deutlich günstiger zu haben.


Keine Technik ist perfekt

Wer zwischen 300 und 500 Euro auf den Ladentisch legt, ist nur wenige Knopfdrücke von den ersten Flugminuten entfernt. "Das ist eigentlich kinderleicht", sagt der 35-Jährige. Da in den Drohnen das auch von Navigationsgeräten genutzte Global Positioning System (GPS) eingebaut ist, halten sie sich nicht nur strikt an den vorgegebenen Kurs, sondern kehren auch zu ihrem Startort zurück, wenn sich der Akku dem Ende entgegen neigt.
Doch keine Technik sei perfekt. Auch ihm sei schon einmal eine Drohne abhandengekommen. Die knallte zwar nicht auf den Boden, habe sich allerdings selbstständig gemacht. "Ich hatte gerade Fotos vom Lucas-Cranach-Turm gemacht und wollte sie wieder landen. Doch sie war nicht mehr zu steuern und flog in Richtung Kulmbach", erinnert er sich. "Ich habe sie nicht mehr gefunden." Inklusive Kameraequipment 5000 Euro, die sich förmlich in Luft auflösten.

Angesichts der immer weiter sinkenden Preise für private Drohnen sieht Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) Handlungsbedarf. "Je mehr Drohnen aufsteigen, desto größer wird die Gefahr von Kollisionen, Abstürzen oder Unfällen", wurde Dobrindt im November des vergangenen Jahres in einer Mitteilung seines Ministeriums zitiert. Die Nutzung müsse daher neu geregelt werden. So sollen Drohnen, die schwerer als 0,5 Kilogramm sind, zukünftig registriert werden, um sie dem Besitzer zuordnen zu können.


Angriff auf Modellflug

Verboten werden sollen private Drohnen-Flüge in Wohngebieten, über Bundesfernstraßen, Eisenbahnlinien, Unglücksorten, Einsatzgebieten der Polizei oder Industrieanlagen. Außerdem soll die Flughöhe auf 100 Meter begrenzt werden. Ein Aspekt, der Förtsch besonders stört, denn dadurch sieht er den Modellflug angegriffen und in seiner Existenz bedroht - dem er sich nach wie vor nahe fühlt. Schließlich begann seine Leidenschaft für den Modellflug einst mit einem selbst zusammengebauten Hubschrauber in Miniaturversion. "Es darf nicht so kommen wie es das Ministerium plant, sonst ist das Vereinsleben dahin", sagt er.

Das Problem: Das Gesetz träfe nicht nur privat genutzte Drohnen, die bislang nur alle zwei Jahre eine Aufstiegsgenehmigung brauchten, sondern alle Flugmodelle. 13 der 19 Modellflugsportarten wären nach Angaben des Deutschen Modellflieger Verbands (DMFV) nicht mehr möglich, sollten die Gesetzespläne umgesetzt werden. Für Segelflug- oder Kunstflugmodelle müsse einfach höher als 100 Meter geflogen werden. "Sonst werden diese Sportklassen und wegen der dann zurückgehenden Jugendarbeit auch das Vereinsleben unnötig", sagt Christoph Bremer von der Pressestelle des DMFV. Eine Ausnahmegenehmigung für Modellflugplätze und -gebiete sei daher das mindeste Entgegenkommen - was derzeit aber wohl im Bereich des Unmöglichen liegt.

Ohnehin könne der Verband das "Vorpreschen" Dobrindts zum jetzigen Zeitpunkt nicht nachvollziehen, da sich die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) gerade um einen einheitlichen Regelungsrahmen für Drohnen im europäischen Luftsektor bemühe. "Auf dieser Ebene ist man schon deutliche Schritte weiter und in konstruktiven Gesprächen. Wir hoffen daher auf eine europäische Regelung", sagt der DMFV-Sprecher. Grundsätzlich begrüße der Verband alle Maßnahmen, die dazu beitragen könnten, die Luftsicherheit zu verbessern, doch Dobrindts Pläne seien fachlich unausgegoren und praxisfremd. "Gefährdungen im Luftraum und am Boden zu vermindern, wird mit den vorgeschlagenen Maßnahmen weder in verhältnismäßiger noch effektiver Weise zu erreichen sein", erklärt er. Die bei seinem Verband gemeldeten Schadensfälle seien konstant niedrig und in den vergangenen fünf Jahren teilweise sogar prozentual gesunken.


Versicherungsnachweis gefordert

Für gewerbliche Nutzer von Drohnen plant das Verkehrsministerium zukünftig einen speziellen Führerschein, für den dann fliegerische und luftrechtliche Kenntnisse nachgewiesen werden müssen. Dagegen hätte Matthias Förtsch nichts einzuwenden, sofern seine bisherigen Aufstiegsgenehmigungen damit verknüpft werden könnten. Er sieht auf dem Weg zu mehr Sicherheit auch die Händler in der Pflicht und schlägt vor, Drohnen nur noch mit einem Versicherungsnachweis zu verkaufen. "Wenn das GPS ausfällt und plötzlich der Wagen des Nachbarn getroffen wird, ist das Geschrei dann groß", sagt der Pressiger. "Da würde es helfen, wenn man eine Drohne auch manuell fliegen kann."

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