Die siebenjährige Sarah Peter holt tief Luft und pustet sie dann aus ihren aufgeblasenen Pausbacken in ein vorher aufgeheiztes Glasröhrchen. Nach wenigen Sekunden hat sich eine schöne Glaskugel geformt. Diese zauberhafte Verwandlung durften die Schüler der zweiten Klassen der Volksschule Stockheim erleben, weil ein gelernter Glasbläser sie besuchte. Dieser führte die Kinder in die Kunst der Glasbläserei ein.
Ein ums andere Mal gelang es dem versierten Glasbläser Rolf Krautwurst aus der Glasbläserstadt Lauscha im Thüringer Wald, die Schüler zum Staunen zu bringen. Mit funkelnden Augen und großer Begeisterung verfolgten die Kinder das Geschehen rund um Feuer, Flamme und brillanter Glasbläserkunst.

Mit Geschick und Humor


Krautwurst brachte neben seiner Geschicklichkeit und der kreativen Glaskunst auch jede Menge Humor mit, so dass es immer wieder Lachsalven bei den Schülern gab. Vor allem der junge Raphael wurde zum komödiantischen Helden, als er versuchte, ein mit Saft gefülltes Glas zu leeren. Nach mehreren Versuchen und trotz der Anfeuerungsrufe des Glasbläsers hatte er immer noch keinen Tropfen getrunken. Krautwurst lüftete das Geheimnis: Es handelte sich um ein so genanntes doppelwandiges Glas, in dem die Flüssigkeit in zwei Glaswänden eingebettet war.
"An Glaskugeln werden in einer Manufaktur in acht Stunden etwa 2000 Stück von einem guten Glasbläser hergestellt", betonte Krautwurst. Doch bis eine Glaskugel hergestellt werden kann, braucht man seinen Schilderungen nach erst die notwendigen Glasröhrchen, die wiederum in einer Fabrik aus Quarzsand hergestellt werden. Dieser Sand wird auf bis zu 1500 Grad erhitzt und schmilzt dann zu Glas, das beim Abkühlen fest wird. Der Glasbläser erhitzt diese Röhrchen wieder auf mindestens 550 Grad, um daraus mit Luft aus der Lunge und gekonnt gespitztem Mund verschiedene Formen zu blasen. Mit Hilfe von Werkzeugen werden diese zum Beispiel zu Tierfiguren oder Blumenvasen geformt. Die Technik mit Druckluft und Sauerstoff lässt eine Erhitzung bis 2500 Grad zu. Dadurch ergeben sich für den Glasbläser viele Möglichkeiten, formschönes Dekorationsglas herzustellen.
"Sehr spannend war es für uns, als der Glasbläser einen Schwan geformt hat und diesen dann auch noch mit flüssigem Krepppapier eine rote Farbe gegeben hat", erzählten Leonie Wittmann und Alicia Bätz. "Das war wirklich cool und aufregend; der Glasbläser hält das Glas unter das Feuer und kann es danach verbiegen und formen und sogar auseinanderbrechen", sagten die beiden Schülerinnen. Ihre Augen funkelten noch mehr, als der Glasbläser einen Delfin zeigte, der sogar in der Dunkelheit leuchten konnte.

Schüler sind begeistert


Wie begeistert die Schüler von der Kunst des Glasblasens waren, zeigte der immer wieder aufbrausende Beifall, wenn Krautwurst eine neue Form oder seine Glaskugeln mit Silber oder Gold veredelt hat.
Konrektorin Astrid Kestel fasste zusammen: "Der Besuch des Glasbläsers war für das Lehrerkollegium und die Schüler ein eindrucksvolles Erlebnis." Rolf Krautwurst habe auf kurzweilige Art und Weise einen Einblick in das alte Kunsthandwerk der Glasbläserei gegeben und neben handwerklichem auch großes pädagogisches und didaktisches Geschick gezeigt.