Ludwigsstadt
Kommunalpolitik

Timo Ehrhardt hält Alter nicht für entscheidendes Kriterium

Der Ludwigsstadter Timo Ehrhardt sieht kein Problem darin, schon als junger Mensch an der Spitze einer Kommune zu stehen.
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Timo Ehrhardt ist der jüngste hauptamtliche Politiker im Landkreis Kronach. Bereits seit 2008 hält der heute 38-Jährige als Bürgermeister in Ludwigsstadt die Fäden in der Hand. Foto: Marco Meißner
Timo Ehrhardt ist der jüngste hauptamtliche Politiker im Landkreis Kronach. Bereits seit 2008 hält der heute 38-Jährige als Bürgermeister in Ludwigsstadt die Fäden in der Hand. Foto: Marco Meißner
Timo Ehrhardt (SPD) ist der jüngste hauptamtliche Kommunalpolitiker im Landkreis Kronach. Als Bürgermeister von Ludwigsstadt absolviert er mittlerweile seine zweite Wahlperiode. Trotz seiner erst 38 Jahre ist er auf der politischen Bühne längst kein unbeschriebenes Blatt mehr.

Wie gelang Ihnen ein so früher Sprung in eine so verantwortungsvolle Position wie die des Bürgermeisters?
Timo Ehrhardt: 2002 bin ich mit 24 Jahren in den Stadtrat gewählt worden. Auch im beruflichen Leben bin ich früh in eine Position mit Verantwortung gekommen (als Geschäftsstellenleiter der Raiffeisen-Volksbank in Ludwigsstadt; Anm. d. Red.). Als ich 2008 gewählt wurde, hatte ich schon sechs Jahre Einblick in die Stadtratsarbeit. In der SPD hatte ich auch schon verschiedene Positionen übernommen. Irgendwann überlegt man dann, was man langfristig machen möchte, denn auf Dauer war die Arbeit in der Bankgeschäftsstelle parallel zur Politik keine Lösung.

Wie schwierig war es dann, sich als junger Mensch in der politischen Szene der Stadt Ludwigsstadt zu behaupten?
Das Gremium arbeitet zielorientiert. Natürlich ist man auch mal unterschiedlicher Meinung, aber es braucht das Zusammenspiel von Stadtrat, Verwaltung und Bürgern, wenn man etwas erreichen will.

Sind übergeordnete Stellen einem jungen Bürgermeister gegenüber ebenso aufgeschlossen?
Bei Politikern gibt es wie auch in anderen Bereichen meiner Meinung nach nicht jung oder alt, sondern gut oder schlecht. Und zum Beispiel bei der Regierung spielt das Alter keine Rolle. Vielleicht hat man als erfahrener Politiker ein umfangreicheres Netzwerk, das einem mal Türen öffnen kann. Aber aktuell sehe ich für uns als Stadt eine gute Entwicklung, wenn man unsere Themen und Projekte betrachtet und wie es vorwärts geht. Da besteht eine sehr konstruktive Zusammenarbeit mit den zuständigen Stellen. Und auch aus München erfahren wir eine gute Unterstützung.

Hat sich in der politischen Arbeit über die Jahre hinweg für die Jungen etwas verändert?
Ich bin seit etwa 15 Jahren als Aktiver dabei, da hat das Alter nie eine Rolle gespielt.

Und wie leicht ist heute der Einstieg für junge Parteimitglieder, die nicht nur Mitglied sein, sondern sich auch aktiv einbringen wollen?
Die Leute sind heute offen, wenn sich Jüngere einbringen wollen. Ich habe noch nicht erlebt, dass man innerhalb einer Partei oder eines Gremiums wegen des jungen Alters keine Akzeptanz erfährt.

Sie waren in einem guten Job tätig. Was war dann die Motivation für Sie, sich dem Bürgermeisteramt zuzuwenden?
Ich habe Vorschläge eingebracht, die zwar weiterverfolgt wurden, wobei ich jedoch eine gewisse Intensität vermisst habe. Daher war ich bereit, in die Verantwortung zu kommen. Wenn man schon Zeit investiert, dann möchte man sie auch so investieren, dass man vorankommt. Und ich bin ja von Haus aus ungeduldig. Aber man muss sich in manchen Prozessen auch daran gewöhnen, dass sie einige Zeit dauern.

Welche Rolle spielen das Stadtratsgremium und der Bürgerwille für die Bürgermeister-Arbeit?
Ich sehe unseren Stadtrat als Beratungsgremium und für die strategischen Entscheidungen zuständig. Er muss sich dadurch nicht um das operative Geschäft kümmern. Die Akzeptanz der Bevölkerung für das, was man macht, ist das Wichtigste. Was wollen die Bürger? Wie wollen sie es? Man muss die Leute in die verschiedenen Prozesse mitnehmen. Wir handeln ja für die Bürger und nicht für uns selbst.

Sie weisen auf Kreisebene oft auf Verbesserungen für den Norden des Landkreises hin. Nimmt Ihre Heimatregion da einen besonderen Stellenwert in ihrem Handeln ein?
Es liegt doch in der Natur des Menschen, sich erst einmal für seinen Bereich einzusetzen. Wenn ich im Kreistag bin, dann habe ich auch den Blick für etwas anderes. Jeder hat den Schwerpunkt und die besonderen Kenntnisse in seinem Bereich, die anderen Themen begleitet man freilich auch. Ich bin als Kreisrat ins Gremium gewählt, nicht als Vertreter der Stadt Ludwigsstadt. Mein Handeln hat auch nichts mit Nord und Süd, West oder Ost zu tun; jeder in einem solchen Gremium bringt einfach seine Kompetenzen in seinem Gebiet ein, allerdings ohne dabei das große Ganze zu vernachlässigen.

Was empfehlen Sie jungen Menschen, die politisch aktiv werden möchten?
Man muss heute nicht einmal Mitglied in einer Partei sein, um politisch mitzuwirken. Da, wo man meint, man kann etwas voranbringen, etwas verändern, da sollte man sich einbringen. Wenn man da anfängt, wo man etwas realisieren kann, macht das auch Spaß. Dabei meine ich die Kommunalpolitik.

Wo sehen Sie sich politisch selbst in zehn Jahren?
In zehn Jahren sehe ich mich zehn Jahre weiter (lacht). Wegen anderer Möglichkeiten mache ich mir zurzeit keine Gedanken. Ich habe Familie und weiß, wie es ist, wenn man ständig weg ist, sein Arbeitsort außerhalb ist - und das will ich aktuell nicht.

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