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Kronach
Amtsgericht

Milde Strafe für Bierkrug-Schläger

Ein 21-jähriger Azubi aus dem Kreis Kronach kam trotz einer gefährlichen Bierkrug-Attacke noch mit einer Geldstrafe in Höhe von 1800 Euro davon.
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Am Amtsgericht Kronach ging es gestern um einen Angriff mit einem Bierkrug. Foto: David Ebener/dpa
Am Amtsgericht Kronach ging es gestern um einen Angriff mit einem Bierkrug. Foto: David Ebener/dpa
Kann eine bewusste Attacke mit einem Bierkrug auf den Kopf noch als ein minderschwerer Fall durchgehen? Eine Frage, mit der sich Richter, Staatsanwaltschaft und Verteidigung gestern am Amtsgericht intensiv beschäftigt haben. Zumindest für Staatsanwalt Michael Imhof war es keiner mehr: "Eine Bagatelle ist es sicher nicht. Ein Maßkrug ist ein harter Gegenstand, der zu erheblichen Verletzungen führen kann", erklärte er in seinem Plädoyer und sprach sich für eine Freiheitsstrafe von sieben Monaten auf Bewährung aus.

Richter Hendrik Wich hingegen ließ Milde walten und stufte die Attacke eines 21-jährigen Azubis aus dem südlichen Landkreis Kronach auf Grund unterschiedlicher Umstände als minderschweren Fall ein. Der Angeklagte wurde deshalb nur zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu jeweils 15 Euro verurteilt und muss die Kosten des Verfahrens tragen. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.


Gehirnerschütterung und Prellung

Im August vergangenen Jahres geriet der Angeklagte mit einem 20-jährigen Mann auf dem Heimatfest in Wilhelmsthal aneinander. Mit einem Maßkrug schlug er auf den Kopf des Geschädigten ein, so dass der Krug zu Bruch ging. Der 20-Jährige ging zu Boden und musste im Anschluss stationär behandelt werden. Er erlitt Prellungen am Kopf und eine Gehirnerschütterung. In seiner Einvernahme vor Gericht erklärte er, dass er noch fünf Monate mit Kopfschmerzen zu kämpfen hatte und Schmerzmittel einnehmen musste. Seit Jahresbeginn ist er beschwerdefrei.

Zu Beginn der Verhandlung startete Rechtsanwalt Till Wagler mit einer ausführlichen Verteidiger-Erklärung. Er habe im Vorfeld lange mit seinen Mandaten gesprochen und stellte fest, dass die Erinnerungen des 21-Jährigen an den Abend nicht mehr vollständig gegeben waren. "Er hat relativ viel Schnaps getrunken. Salopp gesagt, er war gut beieinander", sagte der Verteidiger. Bereits um 18 Uhr traf sich der Angeklagte privat mit Freunden. Laut eigener Aussage trank er dort etwa einen halben Liter Rum und andere Liköre.

Bei Einbruch der Dunkelheit, um etwa 22 Uhr, begab sich die Gruppe auf das Heimatfest nach Wilhelmsthal. "Dort habe ich nur noch bei Freunden genippt, ich hatte selbst gar kein Geld dabei", erklärte der Angeklagte. Eine Blutuntersuchung nach dem Vorfall ergab einen Wert von 1,3 Promille. Am späten Abend entdeckte der Angeklagte in fröhlicher Feierlaune in einer Menschentraube einen alten Bekannten, den er mit einem Schulterklopfer begrüßte. So die Theorie des Angeklagten. Der Geschädigte stand einige Meter weiter und nahm diese Situation komplett anders wahr. "Für mich hat es eindeutig so ausgesehen, als hätten die beiden Streit", sagte er dem Amtsrichter. "Ich habe ihn etwas zur Seite geschoben und gesagt, das muss doch nicht sein, mach' doch bitte keinen Stress."

Danach habe er nur noch einen Schmerz gespürt und sei zu Boden gegangen. Er sei benommen, aber nicht bewusstlos gewesen und sofort vor Ort ärztlich versorgt worden. "Als ich am nächsten Morgen aufgewacht bin, war ich schon recht schockiert und wusste nicht was los war", sagte der Geschädigte, der am Abend der Tat selbst alkoholisiert war. "Ein mittlerer Rausch", beschrieb er seinerseits seinen Alkoholpegel.
Der Angeklagte konnte sich nur noch an Bruchstücke des Vorfalls erinnern. "Ich weiß nur noch, wie ich den Maßkrug genommen und zugeschlagen habe und anschließend weggerannt bin", erzählte er vor Gericht. Weit kam er dabei nicht. Nach wenigen Minuten wurde er von einer Polizeistreife aufgegriffen, die durch einen Security-Mann alarmiert worden ist. Ein Polizeibeamter, der vor Ort war, sagte als Zeuge aus, dass der 21-Jährige zwar betrunken, aber im Verhalten gefasst und nicht aggressiv war. Die Nacht verbrachte der Angeklagte dann im Sicherheitsgewahrsam auf dem Polizeirevier. "Am nächsten Tag ist ihm langsam gedämmert, was passiert war", sagte Verteidiger Wagler. Einsicht zeigte er schnell, so habe er sich kurze Zeit später telefonisch beim Geschädigten entschuldigt.

Einer von mehreren Gründen, der im abschließenden Urteil für eine verhältnismäßig milde Strafe sorgte. Richter Hendrik Wich stützte die These des Strafverteidigers, dass der 21-Jährige kein typischer "Wirtshausschläger" sei, der Streit suche und eine solche Tat geplant habe. Er habe sich in der Situation gereizt gefühlt und alkoholbedingt enthemmt reagiert. Zugute kamen ihm außerdem sein ruhiges und einsichtiges Verhalten vor Gericht und dass er noch nicht vorbestraft war. "Das Gericht geht von einer einmaligen Verfehlung aus", sagte der Richter abschließend.

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