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Kronach
Geschichte

Maximilian von Welsch: Ist ein falsches Geburtshaus ausgewiesen?

Maximilian von Welsch wurde in dem Haus in der Strauer Straße geboren, das längst seinen Namen trägt? Ein Kronacher Historiker zweifelt daran.
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Der Text stimmt nicht ganz, meint der Kronacher Historiker Christian Porzelt. Er hat im Stadtarchiv zwei Quellen gefunden, die seiner Meinung nach beweisen, dass der berühmte Baumeister Maximilian von Welsch nicht in der Strauer Straße auf die Welt kam. Foto: Marian Hamacher
Der Text stimmt nicht ganz, meint der Kronacher Historiker Christian Porzelt. Er hat im Stadtarchiv zwei Quellen gefunden, die seiner Meinung nach beweisen, dass der berühmte Baumeister Maximilian von Welsch nicht in der Strauer Straße auf die Welt kam. Foto: Marian Hamacher
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Letztlich half der Zufall. Wie so oft. Denn eigentlich wollte Christian Porzelt nur den Familienverhältnissen rund um Maximilian von Welsch nachgehen. "Man kennt ja die Eltern, aber darüber ging die Forschung bislang nicht hinaus", sagt der 23-Jährige, der in Bamberg Geschichte und Kunstgeschichte studiert. Er glaubt herausgefunden zu haben, dass es sich bei dem Haus in der Strauer Straße 9 nicht um das Geburtshaus des berühmten Baumeisters aus der Barockzeit handelt.

Seit zehn Generationen wohne seine Familie in Kronach, dementsprechend habe es ihm auch die Geschichte seiner Heimatstadt angetan. Da passt es ins Bild, dass Porzelt zugleich Zweiter Vorsitzender des Vereins "1000 Jahre Kronach" ist. Gern genutzter Anlaufpunkt: das Stadtarchiv. Anhand der dort gelagerten Unterlagen wuchs aber nicht nur sein Wissen über den Stammbaum der Familie Welsch, sondern gleichzeitig auch seine Zweifel daran, dass von Welsch tatsächlich in dem Gebäude zur Welt kam, das zwischen 2011 und 2012 aufwendig saniert wurde.


"Man sollte das Schild anpassen"

"Sie stehen hier vor dem Geburtshaus des Barockbaumeisters Johann Maximilian von Welsch, geboren 1671 in Kronach", lautet der erste Satz auf der Hinweistafel, die seit einigen Jahren an der Fassade befestigt ist. "Als sie angebracht wurde, habe ich mir keine Gedanken gemacht", erinnert sich Porzelt. Inzwischen betrachtet er den Inhalt des Textes kritisch. "Man sollte das Schild vielleicht anpassen. Man kann ja auch an ihn erinnern, ohne dass Geburtshaus drauf steht", meint der junge Historiker.

Doch wie kommt er zu seiner Ansicht? In der Häuserchronik ist nachzulesen, dass seine Großmutter Anna Welsch ab 1653 als Besitzerin des Hauses in der Strauer Straße eingetragen war. Aufgrund dieser Information wurde bislang davon ausgegangen, dass auch Maximilian von Welsch mit seiner Familie dort gewohnt hat. "Für zwei Haushalte ist das Haus für mich aber einfach zu klein", so Porzelt.

Auch die Lage spreche nicht gerade für die bislang angenommende These. Da von Welschs Vater Johann Baptist als Kaufmann sein Geld verdiente, wäre es Porzelts Meinung nach naheliegender gewesen, wenn dieser auch direkt am Marktplatz gewohnt hätte - was offenbar auch der Fall war. Im Stadtarchiv entdeckte Porzelt ein Kommunikantenverzeichnis aus dem Jahr 1673. "Der Pfarrer ist damals von Haus zu Haus und hat die Personen gezählt, die in der Kirche die Kommunion entgegennehmen", erklärt der Student. Johann Baptist Welsch werde dort als Hausvorstand genannt - allerdings für ein Haus in der jetzigen Lucas-Cranach-Straße. "So wie ich es verstanden habe, steht dort jetzt das Haus mit der Nummer 21", sagt Porzelt.


Zwei neue Quellen

In seiner jetzigen Form existiert das Gebäude allerdings nicht mehr. Später entstand auf dem Grundstück das "Kaufhaus König", dessen sanierte Räume inzwischen die Freie Christengemeinde nutzt. "Meine zweite wichtige Quelle ist eine Steuerrevision der Stadt von 1674", erklärt Porzelt. Nach dieser sei der Vater übrigens nur der Mieter des Hauses in der Lucas-Cranach-Straße gewesen.

Wann die Familie von Maximilian von Welsch in das Haus in der Oberen Stadt zog, gibt jedoch keine der bisher gefundenen Quellen her. Wo die Familie bis 1673 wohnte, bleibt also offen. Porzelt ist von seiner These aber überzeugt: "Für mich ist es aus den genannten Gründen einfach nicht logisch, dass es sich bei dem Haus auch um das Geburtshaus handelt."


Was spannend ist

Es sei ohnehin schwierig, Quellen aus dieser Zeit zu finden. Man könne schon froh sein, wenn es für alle zehn Jahre ein Steuerregister gibt. Mit nur zwei Jahren Lücke könne er schon ganz gut leben. "Wenn man ganz pedantisch sein will, ist vor 1800 kein Haus als genauer Geburtsort nachweisbar", betont der 23-Jährige.

Soweit wie Porzelt will ein anderer Historiker nicht gehen. Aus den neu aufgefundenen Quellen lasse sich nun einmal nicht sicher ablesen, ob die Familie Welsch auch schon im Jahr 1671 in dem Haus in der Oberen Stadt gelebt hat, meint Martin Ott, Inhaber des Lehrstuhls für Fränkische Landesgeschichte an der Universität Bayreuth.

Spannend findet er die beiden neuen Quellen aber allemal. "Wir erfahren mehr über das Leben der Familie, über den Ort, an dem Maximilian zumindest einige Zeit seiner Kindheit verbracht haben dürfte", so Ott. Wenn es aber um die Frage nach dem tatsächlichen Geburtshaus geht, "sollte man einfach vorsichtig sein und einen etablierten Ort der Erinnerung an Welsch nur dann aufgeben, wenn die Alternative sicher belegt ist".


Fast Tradition

Als Stephan Höllein das Haus in der Strauer Straße vor sechs Jahren kaufte, war ihm die Vergangenheit seines neuen Besitzes gar nicht bewusst. "Das habe ich eher beiläufig durch den Vorbesitzer erfahren", erinnert er sich. Daraufhin habe er bei der Stadt nachgefragt, ob diese Information richtig sei. "Da war es offenbar bekannt, aber die wollte darüber eher Stillschweigen bewahren, weil es damals ja schon ein Schandfleck war." Was sich nach der Sanierung änderte.

"Man kann nur lobend hervorheben, was Herr Höllein mit dem Haus gemacht hat", sagt etwa Hauptamtsleiter Stefan Wicklein. "Jedes Teil hat er sich genau überlegt und verträglich mit der Bausubstanz kombiniert." Die Frage, ob es sich tatsächlich um das Geburtshaus handele, habe in Kronach ja schon fast Tradition, meint er und verweist auf das "Gasthaus zum Scharfen Eck".

1872 ließ die Stadt dort eine Hinweistafel anbringen, die das Gebäude zum Geburtshaus von Lucas Cranach machte - fälschlicherweise, wie man inzwischen weiß. Zwar gehörte Wicklein ebenso wie der inzwischen verstorbene Stadtarchivar Hermann Wich zum Team, das seit der Jahrtausendwende die Texte für die Hinweistafeln verfasst, genauer mit dem von-Welsch-Haus beschäftigt habe er sich aber nicht.


Film über von Welsch

Weniger mit dem Haus als vielmehr mit dem Wirken von Maximilian von Welsch setzte sich der Deutsch- und Geschichtslehrer Dirk Eilers auseinander. Zusammen mit Schülern aus der 9. und 10. Klasse der RS I drehte er 2003 einen Film über den Namensgeber der Schule. "Als ich damals mit den Schülern den Film gedreht habe, war ich schon froh, dass mir Hermann Wich sagen konnte, wo das Geburtshaus war", erinnert sich Eilers.

Doch selbst wenn sich bewahrheiten sollte, dass die bisherige Annahme falsch war, würde er nicht von einem Fehler von Hermann Wich sprechen. "Dafür schätze ich ihn viel zu sehr", so Eilers. Er findet es schwierig, jetzt zu fordern, den Text der Tafel zu verändern - auch angesichts der dünnen Quellenlage. Denn das Haus könne ja dennoch mit von Welsch in Verbindung gebracht werden.

Kommentar von Marian Hamacher: Für ein Urteil ist es zu früh

Eine neue Quelle zu finden und damit bisherige Annahmen widerlegen: Für einen Historiker gehört es wohl zu den höchsten der Gefühlen. Es ist der Lohn für das oft jahrelange Wälzen staubiger Dokumente und Schriften.

So lange hat Christian Porzelt nicht einmal gebraucht - dennoch sind ihm wichtige Funde geglückt. Ob sich nun auch bisherige Ansichten ändern, wird sich aber erst noch zeigen. Denn nun den Schluss zu ziehen, dass in Kronach das falsche Geburtshaus ausgezeichnet ist, käme zu früh - obwohl er wahrscheinlicher geworden ist.

Dennoch müsste erst noch nachgewiesen werden, dass Maximilian von Welschs Eltern schon vor seiner Geburt in der Oberen Stadt wohnten.
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