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Haßlach
Fast vergessen

Marter einfach achtlos umgestoßen

Beim Neubau der Haßlachbrücke kam eine 1731 gestiftete Sandsteinmarter zu Schaden. Bildhauer Heinrich Schreiber hat einen neuen Schaft angefertigt, Risse am Sockel und am Aufsatz wurden verschlossen. Seit Mai 1974 steht der Bildstock wieder am Ufer der Haßlach.
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Viel Jugend, der Bürgermeister und der Besitzer fanden sich bei der Wiedererrichtung ein.
Viel Jugend, der Bürgermeister und der Besitzer fanden sich bei der Wiedererrichtung ein.
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Eigentlich dürfte so etwas nicht passieren, dass bei Straßenbauarbeiten historische Kleindenkmäler entfernt und dabei zerstört werden. Dass dies früher immer wieder vorgekommen ist, zeigt das Beispiel einer Marter aus dem 18. Jahrhundert, die sich heute wieder an der Brücke in Haßlach bei Kronach auf dem Grundstück der Familie Rauh befindet.

Im Jahre 1973 fand ich die zusammengestürzten Reste einer im Jahre 1731 gestifteten Sandsteinmarter unweit der neuen Brücke. Bei einer Umfrage in der Bevölkerung stellte sich heraus, dass die Marter vor Jahren beim Neubau der Haßlachbrücke umgestoßen und beschädigt worden war.

Durch das Umstoßen hatten die Eisendübel die Einzelteile der Marter derart auseinander gesprengt, dass der einen Meter hohe Pfeilerschaft unwiederbringlich verloren war.
Weiterhin war auch der Sockel von tiefen Rissen durchzogen und der Aufsatz mit den reliefierten Heiligenbildern beschädigt.

Erfreulich hingegen verlief das Gespräch mit dem Besitzer Fritz Rauh, der sich bereiterklärte, die Kosten für die Wiederherstellung zu übernehmen. Anhand der Schaftfragmente gelang es dem Bildhauer Heinrich Schreiber, die Originalform des zerstörten Schaftes anzufertigen, um der Marter ihr ursprüngliches Aussehen wiederzugeben. Ebenso wurden die tiefen Risse am Sockel und am Aufsatz fachmännisch verschlossen, um ein Eindringen des Regenwassers zu verhindern.

Bei der Aufstellung am 11. Mai 1974 bekundeten der damalige Bürgermeister Fleischmann und eine Gruppe Jugendliche durch ihre Anwesenheit und Mithilfe ihr Interesse.

Gnadenbild als Relief

Dies gab mir die Möglichkeit, auf die besondere Bedeutung dieser Marter hinzuweisen. Denn mit dem Relief der "Glosberger Muttergottes" erscheint hier erstmals das Gnadenbild der Wallfahrtskirche Glosberg an einer Marter des Landkreises Kronach.

Dass diese Darstellung - Maria mit Jesusknaben auf dem linken Arm und Zepter in der rechten Hand - bereits vier Jahre nach dem Blutwunder von 1727 ausgewählt wurde, bezeugt die Ausstrahlung und hohe Verehrung, die das Gnadenbild genoss. In kürzester Zeit wird dieses Bild zur zweithäufigsten Darstellung an den Martern des Frankenwaldes.

An der gegenüberliegende Schmalseite des Aufsatzes befindet sich ein Abbild des Hl. Johannes von Nepomuk, dem Schutzpatron unter anderem der Flößer und Fischer. Eines der beiden Hauptbilder zeigt die Krönung Mariens, die häufigste Darstellung im Frankenwald.

Aufmerksamkeit verdient auch das Bild der zweiten Hauptseite, denn es zeigt Christus am Kreuz und darunter vermutlich einen Soldaten "Gewehr bei Fuß". Dass es sich bei der Assistenzfigur wirklich um einen Soldaten handeln kann, lassen die andeutungsweise erhaltene Kopfbedeckung (Dreispitz?), der halblange Rock und die Haltung des Gewehrs vermuten, jedoch nicht belegen.

Nicht auszuschließen ist der Gedanke, dass es sich bei der männlichen Figur auch um einen Förster oder Jäger handeln kann. Zutreffend hingegen ist, dass in dieser Darstellung der Errichtungsgrund für das religiöse Flurdenkmal zu suchen ist.

Einen wertvollen Hinweis bekam ich von Heimatforscher Georg Heinlein aus Haßlach. Anlässlich seiner Archivarbeit fand er einen Eintrag, wonach der einstige Müller Johannes Barnickel am 25. August 1731 in Alter von 52 Jahren verstarb.

Barnickel betrieb zwar die Mühle, auf deren Grund die Marter einst errichtet wurde. Ob sein Tod der Anlass zur Errichtung war, wäre zwar denkbar, jedoch würde sich in diesem Falle über dem Kopf der Person ein Kreuzchen befinden, was auf deren Ableben verweisen würde. Bei der Inventarisation der Flurdenkmäler vor 40 Jahren konnte zudem noch schemenhaft der Bruchteil einer Inschrift gelesen werden: "....von Haßlach 1731".
Vor diesem Schriftfragment befand sich ursprünglich der Name des Stifters beziehungsweise der Stiftungsgrund, der eventuell zur Lösung des Bilderrätsels beigetragen hätte. Mit Sicherheit kann man jedoch festhalten, dass die Abbildung unter dem Kreuz keinen Müller darstellt.
So bleibt alles nur Vermutung um den Errichtungsgrund dieser Marter von Haßlach, die ihr Geheimnis weiterhin für sich behält.

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