Knellendorf
Fast vergessen (Serie)

Marter bei Knellendorf viermal bei Unfällen zerstört

Das steinerne Denkmal bei Knellendorf wurde innerhalb weniger Jahre viermal durch Autounfälle zerstört. Heute steht es an einem sicheren Ort.
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Nach einem Unfall im Januar 1979 lagen sowohl die Marter als auch das Auto zertrümmert in im Straßengraben. Fotos: Archiv/Roland Graf
Nach einem Unfall im Januar 1979 lagen sowohl die Marter als auch das Auto zertrümmert in im Straßengraben. Fotos: Archiv/Roland Graf
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Die Standorte von Flurdenkmälern haben oft einen direkten Bezug zum Stiftungsanlass. Sie sollten deshalb möglichst nicht verändert werden. Wenn aber außergewöhnliche Umstände eintreten, die zur Gefährdung oder Zerstörung eines Denkmals führen, kann eine geringe Versetzung sinnvoll sein.


Spektakulärer Unfall


Ein solcher Umstand war für eine Marter gegeben, die, von Kronach kommend, kurz vor dem Ortseingang von Knellendorf stand. Innerhalb von wenigen Jahren wurde diese viermal durch Unfälle zum Einsturz gebracht und beschädigt.

Besonders der Unfall im Januar 1979 war spektakulär. Ein jugendlicher Fahrer hatte bei Straßenglätte die Herrschaft über sein Auto verloren und war mit ziemlicher Geschwindigkeit gegen die Sandsteinmarter geprallt, deren Teile etliche Meter durch die Luft flogen.
Wenn man das Foto von damals sieht, dann kann man kaum glauben, dass der Fahrer fast unverletzt den Trümmern seines total deformierten Autos entstieg.

Auch die beiden Lindenbäume, die damals noch links und rechts des Denkmals standen, boten keinen Schutz.
Als die Marter im Jahre 1877 von den Vorfahren der Familie Karl aus Knellendorf gestiftet wurde, verkehrten auf der heutigen Bundesstraße 85 lediglich Fußgänger und vereinzelt Fuhrwerke.

Vom Straßenrand zurück in ein Feld gestellt und von zwei Lindenbäumen flankiert, wären die Stifter niemals auf den Gedanken gekommen, dass ihre Marter einmal zu einem Problem für den Straßenverkehr werden könnte. Im Gegenteil: Die Menschen von damals nahmen die religiösen Denkmäler am Weg noch bewusst wahr, denn sie waren ein fester Bestandteil im Brauchtum und im Volksglauben.


Rast und stilles Gebet


Man rastete im Schatten der Bäume und manch einer sprach ein stilles Gebet. Aber die Zeiten haben sich geändert. Kaum jemand würde sich heute noch der Gefahr aussetzen, ein Denkmal am Straßenrand anzusehen, wenn unmittelbar hinter ihm die Fahrzeuge mit hoher Geschwindigkeit vorbeirasen.

Verständigt durch die Polizei erhielt der Kreisheimatpfleger die Nachricht von der Zerstörung der Marter. Nach der Besichtigung stellte dieser fest, dass die Beschädigungen nicht das Ausmaß hatten, das er ursprünglich befürchtet hatte. So kamen die Einzelteile zur Restaurierung in das Atelier von Bildhauer Heinrich Schreiber, der den Auftrag bekam, aus den Trümmern wieder die Marter in altem Glanz erstehen zu lassen.

Stark gelitten hatte die bemalte Blechtafel mit dem Bild der Glosberger Muttergottes, so dass ein neues nötig war. Diese Aufgabe übertrug man der heimischen Künstlerin Hedwig Müller-Achilles aus Kronach, der es meisterhaft gelang, das gleiche Motiv zu schaffen, wie es die ursprüngliche Fassung verlangte.

Um weitere Zerstörungen zu vermeiden, war man auf der Suche nach einem geeigneten Standort in der Nähe. Dabei fiel die Wahl auf das ebenfalls an der Bundesstraße liegende Grundstück des Marterbesitzers.


Am südlichen Ortsrand


Heute steht sie etwa 300 Meter vom alten Standort entfernt, am südlichen Ortsrand von Knellendorf und kann gefahrlos besichtigt werden.

Die Marter besteht aus einem als Achteck gearbeiteten, gebauchten Sockel, auf dem sich ein unterteilter und mit Bandelwerk verzierter Pfeilerschaft erhebt, der wiederum den Aufsatz trägt.

In die Vorderseite des Kapitells eingemeißelt befindet sich die Inschrift: "G. Karl 1877". Es ist der Hinweis auf den Stifter des Denkmals.


Bild neu gemalt


Das Bild der Glosberger Muttergottes im Aufsatz steht im direkten Bezug zur Stiftung des religiösen Males. An der Rückseite befindet sich das Auge Gottes mit der Inschrift "O Maria nehm uns in deinen Schutz".
Der Grund für das Errichten wird heute noch in der Familie Wich/Karl erzählt. So war eine hochschwangere Frau, ein weiblicher Vorfahre der Familie, unterhalb von Knellendorf beim Viehhüten, als sie von einer wild gewordenen Kuh angegriffen wurde. Mit größter Mühe konnte sie sich vor dem wütenden Tier in Sicherheit bringen und stiftete aus Dankbarkeit dieses religiöse Zeichen.

Dass diese Marter noch heute in einem hohen Ansehen der Besitzer steht, mag man daran erkenne, dass sie stets von Blumenschmuck umgeben ist.

Zwischenzeitlich ließen sie im Jahr 2000 die Marter reinigen und das Bild von Roland Ringlstetter neu malen. So ist es heute ein echter Hingucker.
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