Kronach
Bilanz

Mark Hüsges hat eine Vision für Loewe

Gesellschafter Mark Hüsges sieht den Kronacher TV-Gerätehersteller Loewe auf dem richtigen Weg. Er zeigt die Entwicklung auf.
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Mark Hüsges. Foto: Marco Meißner
Mark Hüsges. Foto: Marco Meißner
Die Arbeiter in der Produktion sind zwar gerade erst aus der Pause gekommen, doch sie montieren schon wieder mit voller Konzentration. Ein Lächeln und einen pfiffigen Spruch für den Fotografen haben sie dennoch auf den Lippen. Die Stimmung ist augenscheinlich gut beim Loewe-Personal. Auch Gesellschafter Mark Hüsges und Pressesprecher Roland Raithel strahlen das aus. Sie sehen Loewe auf einem beachtlichen (Wachstums-)Kurs.
Mark Hüsges und Boris Levin hatten Loewe in der tiefsten Firmenkrise Anfang 2014 übernommen. Hüsges erinnert sich an eine Zeit, in welcher Loewe technologisch aufholen musste, um seinem Premium-Anspruch wieder gerecht zu werden. Ein Ziel, dass seiner Meinung nach inzwischen erreicht wurde.

"Deutlich zweistellige Wachstumszahlen" nennt er als Resultat gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. Und Roland Raithel ergänzt: "Das zeigt, dass wir auf einem vernünftigen Weg sind." Diesen Kurs soll Loewe kontinuierlich fortsetzen und dabei auch Produktfelder abseits des klassischen Fernsehangebots bedienen, zum Beispiel den Audiobereich.


Breite Produktpalette

Die erste Etappe auf diesem Weg stellt für die Loewe-Verantwortlichen die Produktpalette dar. Diese, so spekuliert Raithel, könnte heute die umfangreichste der Firmengeschichte sein. Dennoch will das Unternehmen in diesem Bereich nicht stehen bleiben. Mit der "One"-Reihe steht eine neue Gerätegeneration bereits in den Startlöchern. Sie stellt ein preisgünstigeres, aber "echtes Loewe-Fernsehgerät" dar. Zur Fußball-Europameisterschaft soll es im Handel erhältlich sein.

Neben dem klassischen Fachhandel rückt künftig auch der Flächenhandel (Media Markt & Co.) stärker in den Blick des Unternehmens. Auch ein Werksverkauf könnte aufgebaut werden. Das sollte für den Kunden dann aber nicht ein bloßer Abverkauf werden, sondern ein Erlebnis. Hüsges zieht einen Vergleich zu einem anderen Premiumprodukt: Wenn man ein hochwertiges TV-Gerät abholt, könnte man das für den Käufer ähnlich gestalten wie bei BMW, wenn ein Fahrzeug im Werk mitgenommen wird. "Wir denken konkret darüber nach, können aber noch keine Zeitlinie ziehen", erläutert Hüsges zu diesen Überlegungen. Das liege daran, dass die Firmenleitung in vielen Bereichen an der Fortentwicklung des knapp 500-köpfigen Unternehmens arbeite.

Die Mitarbeiterzahl ist eine Zahl, die durchaus Steigerungspotenzial hat. "Es macht auf jeden Fall Sinn, sich zu bewerben", antwortet Hüsges auf die Frage nach einem weiteren Aufstocken des Personalstands. Unter anderem im Bereich der Softwareentwicklung gebe es Bedarf. "Moderat wird auch in der Fertigung eingestellt", ergänzt Raithel. Weil Loewe Marktanteile hinzugewinne, müssten schließlich auch mehr Geräte produziert werden. Und durch die neuen Produkte verspricht sich Hüsges einen weiteren Wachstumsschub auch auf den ausländischen Märkten.


Mieter oder Eigentümer?

Braucht eine Firma, die stetig wächst und mehr produziert, dann nicht auch ihre ehemals eigenen Gebäude zurück? Für Hüsges ist das derzeit kein Muss. "Es macht keinen großen Unterschied", geht er auf das Mietverhältnis ein, dass Loewe heute gegenüber der Stadt hat. Loewe investiert seiner Aussage nach permanent in den Standort Kronach; solange die Gelder aber nicht in bauliche Veränderungen fließen, kann er gut mit der Situation als "Gesamtmieter" leben. Auch der möglichen Ansiedlung anderer innovativer Unternehmen auf dem Gelände steht diese Ausgangssituation seiner Ansicht nach überhaupt nicht im Wege. Eine campusartige Zusammenarbeit verschiedener Partner werde sogar angestrebt.

"Es ist angedacht worden, dass wir später wieder Eigentümer werden könnten", blickt Hüsges auf die Gespräche mit der Stadt zur Zeit der Übernahme zurück. "In zukünftigen Zeiten könnte das für beide Seiten interessant sein", vermutet der Gesellschafter.

Spekulationen, er könnte dann längst neue Herausforderungen suchen und das Kronacher Unternehmen hinter sich gelassen haben, widerspricht Hüsges. "Wir haben so viel vor mit dieser Firma", stellt er fest, dass er nicht daran interessiert sei, Loewe nach der Sanierung schnell weiterzureichen. "Alles, was wir tun, ist im Interesse der Firma und einer langfristigen Entwicklung", betont er. Dass man einem interessierten, starken strategischen Partner nicht die Tür vor der Nase zuschlagen würde, sei eine andere Geschichte. Er sei von Haus aus ein Freund guter Partnerschaften. "Aber ich bin kein Investor im üblichen Sinn", betont Hüsges. "Ich führe Loewe im Sinn eines inhabergeführten Familienunternehmens." Zurzeit sei eine Trennung der Eigentümer von der Firma daher gar kein Thema. Vielmehr wollten die Verantwortlichen eine Vision verwirklichen. Und das brauche seine Zeit.
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