Neuengrün
Gründungsversammlung

Lerchenfeld führt "Unser Frankenwald"

Der neue Verein positioniert sich gegen einen möglichen Nationalpark im Frankenwald.
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Ludwig von Lerchenfeld, der Erste Vorsitzende des neuen Vereins "Unser Frankenwald" bei der Gründungsversammlung Foto: Veronika Schadeck
Ludwig von Lerchenfeld, der Erste Vorsitzende des neuen Vereins "Unser Frankenwald" bei der Gründungsversammlung Foto: Veronika Schadeck
Mit einer Gegenstimme und einer Enthaltung wurde bei der Gründungsversammlung des Vereins "Unser Frankenwald e. V." am Mittwochabend im Biergarten des Gasthauses "Hildner" der Kulmbacher Landtagsabgeordneter Ludwig Freiherr von Lerchenfeld (CSU) zum Ersten Vorsitzenden gewählt. Sein Stellvertreter ist der Kreisobmann im Kreisverband des Bayerischen Bauernverbandes, Erwin Schwarz. Der Mitgliedsbeitrag wurde auf 10 Euro festgesetzt. 102 Teilnehmer waren auf der Anwesenheitsliste eingetragen. Dabei handelte es sich überwiegend um Forstleute, Wald- und Sägewerksbesitzer. Ihnen geht es darum, einen möglichen Nationalpark Frankenwald zu verhindern. "Der Frankenwald soll so bleiben, wie er ist!", war mehrmals zu hören.
Ludwig Freiherr von Lerchenfels lobte die Anwesenden. "Toll, dass ihr so zueinander steht". Und: "Ich habe noch nie so viele Leute bei einer Gründungsversammlung erlebt!"
Anerkennende Worte gab es zudem für das Verhalten der Gegner des Nationalparks beim Besuch von Horst Seehofer am Dienstag in Kulmbach: "Ihr wart diszipliniert, ruhig und ihr habt einen großen Eindruck auf den Ministerpräsidenten gemacht!" Der Freiherr ist überzeugt, dass dieses Verhalten "uns einen großen Schritt weiterbringt!" Er forderte die Mitglieder auf, auf sachlicher Ebene Diskussionen zu führen.
Lerchenfeld begründete die Übernahme des Vorsitzes unter anderem damit: "Ich bin einer von Euch, ich lebe vom Holz und ich liebe den Frankenwald, so wie er ist!" Die Idee, aus dem Frankenwald einen Nationalpark zu machen, hält er schon aus naturschutzrechtlichen Gründen nicht für realisierbar. Vorhandene Gutachten, wonach ein Borkenkäfer nicht höher als 800 Meter fliegt, hielt er "für Schwachsinn!"
Weiter gab der Freiherr auch seine Version, wie er den Frankenwald denn weiterentwickeln möchte, preis. Die Fichte sei für die Waldbesitzer in der Region der "Brotbaum", das sollte möglichst lange so bleiben. Sicherlich, müsse aufgrund der klimatischen Veränderungen der Wald zu einem Mischwald umgebaut werden. "Aber das wollen wir selber machen!"
Lerchenfeld sprach davon, den Frankenwald weiterzuentwickeln. Einen Ansatz sah er in einer nachhaltigen Nutzung von Land- und Forstflächen mit integriertem Naturschutz.
Einen positiven Aspekt sah Lerchenfeld in der Diskussion um einen möglichen Nationalpark. Die Idee müsse geprüft werden, vertrat er die Ansicht. Und wenn sich daraus andere Chancen ergeben würden, dann sei es doch gut für die Region. Er wies auf seine Stellung als Umweltpolitiker und Kontakte in München hin und er war überzeugt, dass auch auf anderen Wegen als durch einen Nationalpark Fördermittel in den Frankenwald fließen könnten. Diesbezüglich sprach er beispielsweise von einem Pflegeprogramm für den Wald.
Am Anfang der Versammlung verlas Erwin Schwarz die Satzung. Zuvor kritisierte er - unter Beifall - die Berichterstattung der heimischen Presse. "Diese sind voreingenommen."
Die Ziele des neu gegründeten Vereins sind in der Satzung verankert. Demnach soll unter anderem der Frankenwald als natürlicher Lebensraum erhalten und weiterentwickelt werden Dabei soll eine nachhaltige Nutzung des Waldes sichergestellt werden. Gesprochen wurde weiterhin von der Förderung eines sanften Tourismus. Auch geht es den Mitgliedern des Vereins darum, überhandnehmende Wildschäden zu vermeiden und insgesamt den Frankenwald besser zu vermarkten. Erwin Schwarz ließ auch durchblicken, dass er den Eintritt in die Konzeptphase für verfrüht halte. Er wünsche sich mehr genauere Daten. Es sollten zuvor die Vor- und Nachteile beim Namen genannt werden, es sollte mit aller Klarheit der Bevölkerung mitgeteilt werden, was auf sie bei einem Nationalpark zukommen könnte. Die bisherigen Informationen hält er für zu vage.
Den Argumenten von Jürgen Baumgärtner, dass man auch während einer Konzeptphase jeder Zeit aus dem Projekt Nationalpark aussteigen könnte, schenkt er keinen Glauben. Es sei wie in einem fahrenden Zug: "Je schneller er fährt, desto schwieriger ist der Ausstieg!" Auch würde er sich wünschen, dass sich die heimischen Politiker deutlicher für pro oder contra Nationalpark aussprechen würden.
Die Wahlen brachten folgendes Ergebnis: 1. Vorstand Ludwig Baron von Lerchenfeld, Stellvertreter Kreisobmann Erwin Schwarz, weiterer gleichberechtigter Vorsitzender Ralf Kremer, Kassenverwalter Robert Kaiser, Beiräte Susanne Rochler, Silvia Söll, Hans-Georg Lindig, Wer Mitglied werden wolle, könne sich per E-Mail unter Info@unser-frankenwald.de anmelden, beziehungsweise an das Büro "Unser Frankenwald e. V.", Angerstraße 33, 96346 Wallenfels wenden. Aber auch die Homepage www.unser-frankenwald.de gehe in Betrieb. Die nächste Versammlung zum Thema "Nationalpark" ist am kommenden Montag um 19 Uhr im "Stoudl" in Neufang. Hier würde es Schwarz begrüßen, wenn sich möglichst viele Mandatsträger einfinden würden.

Standpunkt von Veronika Schadeck


Vorgehen ist nicht zielführend

B ei all den Diskussionen um den Nationalpark wird deutlich, dass zumindest ein Teil der Bevölkerung das Vertrauen in die Politik verloren hat. Gegner des Nationalparks befürchten, dass es bei einem Eintritt in die Konzeptphase kein Zurück mehr gibt. Da nützen auch die Worte von Initiator Jürgen Baumgärtner nichts, wonach der Ausstieg jederzeit möglich sei. Alle Seiten werden sich fragen müssen, an was das liegt? Es stellt sich zudem die Frage, ob Freiherr von Lerchenfeld nicht in einen Interessenskonflikt kommen könnte. Auf der einen Seite ist er Politiker der CSU, die einen dritten Nationalpark anstrebt. Auf der anderen lebt er mit seinen zahlreichen Unternehmungen ein großes Stück weit auch vom Rohstoff Holz. Ein Schelm, der Böses dabei denkt... Mit seiner Wahl an die Spitze des Vereins bezieht er nun eigentlich klar Stellung. Und doch erklärt er, öffentlich nicht als Gegner des Nationalparks Frankenwald dastehen zu wollen. Eine solche Vorgehensweise ist nicht zielführend, ebenso wenig wie die Tatsache, dass sich die meisten Kommunalpolitiker vor Ort bislang mit ihren Aussagen zurückhalten. Damit wird man den Bürgern ihre Ängste nicht nehmen können.
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