Heimatkunde

Legenden um Kirche entkräftet

Der Arbeitskreis Heimatpflege im Landkreis Kronach befasste sich mit der Pfarrkirche "St. Maria und die Vierzehn Nothelfer" in Haßlach bei Teuschnitz.
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Bei diesem Treffen ging es vor allem darum, historische Fakten "zurechtzurücken". Mit den seit Jahrzehnten formulierten Aussagen, Bischof Otto von Bamberg habe das Vorgängerkirchlein 1124 eingeweiht und Haßlach habe die älteste Nothelferkirche Deutschlands, waren die Heimatkundler ganz und gar nicht einverstanden. Sie verwiesen diese Angaben in das Reich der Legendenbildung.
Kreisheimatpfleger Siegfried Scheidig aus Lauenstein, der das Treffen leitete, der Lehrer im Ruhestand Friedrich Schubert aus Wickendorf sowie Heimatforscher Rainer Domke aus Küps widerlegten in ihren Argumentationen die historischen Verzerrungen um die Wallfahrtskirche. Ein Beitrag zur Wahrheit und Glaubwürdigkeit sei überfällig, so die Meinung der Heimatkundler.
Auch Kreisheimatpfleger Roland Graf aus Dörfles gab zu bedenken, dass in Zeiten der Superlative ein Umdenken dringend erforderlich sei. Die Teuschnitzer Stadtverwaltung sei nun gefordert, die Fakten neu zu ordnen.
Friedrich Schubert sagte: "Im Jahr 1187 wird Teuschnitz erstmals als ,Tuschice‘ urkundlich erwähnt, als Bischof Otto II. diese Wüstung an das Kloster Langheim übergab. Bis 1190 hatten die Zisterzienser eine neue Kirche in Teuschnitz gebaut, und diese galt als Pfarrkirche für Teuschnitz, Windheim, Steinbach und Reichenbach. Warum wurde hier nicht Haßlach mit seiner Wallfahrtskirche, die 1121, 1124 oder 1128 von Bischof Otto I. als Kapelle eingeweiht worden sein soll, aufgeführt?" Und in der Urkunde von 1187 werde ausdrücklich von der "Ödung" Teuschnitz gesprochen. Dies bedeute, dass in diesem Gebiet noch keine Ortschaft bestanden habe.
Dazu ergänzte Siegfried Scheidig, dass Haßlach nach dem heutigen Stand der Geschichtsforschung erst am 23. Juni 1250 urkundlich erwähnt worden sei, weil Otto von Lobenstein auf das Vogteirecht über Haßlach und Reichenbach verzichtet habe.

Eindeutige Beweise


Eine Gründung beziehungsweise Errichtung einer Kapelle durch das 1071 gegründete Kloster Saalfeld, wie der 1986 verfasste Kirchenführer annimmt, scheide ebenso aus. Dazu sagte Scheidig, dass die Haßlacher Gemarkung eindeutig nicht mehr zum Einflussgebiet des Benediktinerklosters Saalfeld gehört habe. Noch heute sei auf der Flurkarte deutlich zu erkennen, dass die im Mittelalter gerodeten Haßlacher Hofgelänge bis zum Dammbach reichten, der hier die südlichste Grenze des Saalfelder Gebietes gebildet habe.
Ebenso sei falsch, dass die Haßlacher Kirche 1121 an einem wichtigen Knotenpunkt von Handelsstraßen errichtet worden sei. Einen solchen habe es in diesem Gebiet nie gegeben.
Die relativ alte Legendenbildung, so die Heimatkundler, sei höchstwahrscheinlich durch den Bamberger Weihbischof Friedrich Förner (1612 - 1630) ausgelöst worden, der im Jahr 1620 geschrieben habe: "Der heilige Otto, achter Bischof von Bamberg, weyethe zu Haßlach, welches ein Flecken des erwähnten Bistums ist, eine Kapelle zu Ehren Maria Königin der Martyrer und der 14 Nothelfer im Jahr Christi 1124 ein."
Dieses Datum, so die Argumentation der Historiker, könne nicht stimmen, weil Bischof Otto, der Pommernapostel, bekanntlich seine erste Missionsreise über Kloster Michelfeld, Leuchtenberg, Vohenstrauß, Prag, Breslau und Posen nach Gnesen 1124/25 durchgeführt habe. Diesen historischen Fehler habe schon 1832 der Bamberger Archivar Paul Oesterreicher in seinem Buch "Denkwürdigkeiten der fränkischen Geschichte mit besonderer Rücksicht auf das Fürstbisthum Bamberg" urkundlich nachzuweisen versucht - allerdings ohne Erfolg. Auch Historiker Tilmann Breuer sei der Meinung, dass es sich zwischen Luckenberge (Haßlach bei Teuschnitz) und Leuchtenberg im Landkreis Vohenstrauß um eine Verwechslung handelte.

Prächtiges Gotteshaus


Einig waren sich die Heimatkundler, dass in Haßlach bei Teuschnitz eines der schönsten Gotteshäuser des Frankenwaldes steht. Das derzeitige Aussehen habe die Kirche zwischen 1725 und 1728 erhalten. 1565 sei erstmals das Bestehen eines Kirchenbaues nachweisbar, erklärten sie. 1639 sei die Kirche abgebrannt. Der Wiederaufbau sei 1645/46 erfolgt.
Beeindruckt zeigten sich die Heimatkundler von der barocken Pracht der Innenausstattung und insbesondere von den wunderschönen Deckengemälden, die auf die Wallfahrertradition hinweisen.
Eine besondere Verbindung besteht zur alten Wallfahrtskirche in Vierzehnheiligen, denn auf Grund der Weihe des Neubaues von 1772 erhielten die Haßlacher kostenlos den Nothelferaltar. Lediglich die Überführungskosten mussten aufgebracht werden. Von den zwei Seitenaltären sticht besonders der rechte hervor, der 1663 von Hans Georg Schlehendorn geschaffen wurde und die Muttergottes mit den vierzehn Nothelfern sehr plastisch zeigt.



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