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Kronach
Fortschritt

Lebenshilfe-Wohnheim: Haus voller Lebensqualität

Das neue Wohnheim der Lebenshilfe wurde am Samstag eingeweiht. Dabei wurde deutlich, dass der Verein noch nicht alle finanziellen Hürden überwunden hat. Im Anschluss an den offiziellen Teil fand ein "Tag der offenen Tür" statt.
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Regionaldekan Thomas Teuchgräber (rechts) segnete das Kreuz. Mit im Bild Pfarrerin Alina Ellgring (links) sowie zwei Bewohner des Wohnheims. Fotos: Heike Schülein
Regionaldekan Thomas Teuchgräber (rechts) segnete das Kreuz. Mit im Bild Pfarrerin Alina Ellgring (links) sowie zwei Bewohner des Wohnheims. Fotos: Heike Schülein
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Die Einweihung des neuen Lebenshilfe-Wohnheims war voller bewegender Momente. Der Stolz über die so einladend und freundlich wirkende Einrichtung, mit der für 24 erwachsene Menschen mit Behinderung neue Wohnplätze geschaffen wurden, war überall spürbar. Nicht nur den Bewohnern und Verantwortlichen stand die Freude ins Gesicht geschrieben, sondern auch den vielen Gästen. Begrüßt wurden diese vom Zweiten Vorsitzenden der Lebenshilfe Kronach, Christian Behner.

"Wir alle brauchen ein Zuhause, in dem wir uns angenommen und geborgen fühlen", zeigte sich Barbara Stamm als Vorsitzende der Lebenshilfe Bayern und als Landtagspräsidentin sicher. Wie diese betonte, sei die Lebenshilfe auch ein Elternverband. Ohne Eltern werde es auch in Zukunft nicht gehen. Deren Ängste, wenn ihre Kinder ins Wohnheim ziehen möchten, könne sie gut verstehen.
Vielleicht befürchteten sie auch, dass ihnen manche unterstellten, keine Verantwortung mehr zu übernehmen. "Lassen sie los: Sie dürfen loslassen, manchmal müssen sie auch loslassen - auch wenn es wehtut", appellierte sie. Sicher zeigte sie sich, dass es in den kommenden Jahren viel Bedarf an Wohnheimplätzen geben werde. Es handele sich dabei um wunderbare Menschen mit einem Anrecht auf ein Älterwerden in der Gemeinschaft - wie im Wohnheim der Lebenshilfe Kronach. "Vieles ist für mich derzeit in meiner politischen Arbeit belastend geworden. Aber wenn ich heute nach Hause gehe, wird es mir sehr gut gehen, weil ich hier wunderbare Stunden verbracht habe. Der Tag ist etwas für mich, für mein Herz und meine Seele", verriet sie.

Stamm plädierte für eine Herausnahme der Eingliederungshilfe aus der Sozialhilfe. "Warum sollten diejenigen, die in den Werkstätten schaffen, nicht etwas sparen können?", fragte sie. Mit der Sozialhilfe-Gesetzgebung mache man aber deren eigene Vorsorge zunichte.


Rückblick auf Entstehung

Lebenshilfe-Geschäftsführe Wolfgang Palm erinnerte an das Jahr 2008, als alle 30 Plätze des bestehenden Wohnheims auf Dauer besetzt waren. Eine Umfrage zeigte damals, dass weiterer Bedarf vorhanden sei. "Diese Abfrage war für uns der Auftrag, sich dieser Aufgabe zu stellen", betonte Palm. Dieses Ziel habe man seitdem nachhaltig verfolgt. Im September 2009 habe der Bezirk Oberfranken den Bedarf von 24 weiteren stationären Wohnplätzen anerkannt. "Somit war der Weg frei, ab 2010 einen geeigneten Bauplatz beziehungsweise ein geeignetes Objekt zum Umbau zu suchen." Dieses fand man schließlich im ehemaligen evangelischen Gemeindezentrum, das gekauft und umgebaut wurde. Am 4. Juni 2015 konnten die ersten Bewohner einziehen. Aktuell sind noch sechs Plätze frei. Der Verein hofft, im Laufe des ersten Quartals 2016 alle 24 Wohnplätze belegt zu haben.

"Der Lebenshilfe - vor allem unserer lieben Frau Döring - war es immer wichtig, den Weg von der Bedarfsfeststellung bis zum Einzug zusammen mit den Angehörigen und den betroffenen Menschen zu gehen", betonte Palm. Die von der Regierung anerkannten Projektkosten lagen bei der Berechnung im Dezember 2011 bei 2,8 Millionen Euro. Der Freistaat und der Bezirk sagten hierfür eine Übernahme von knapp 80 Prozent zu. Durch eine Kostensteigerung von rund 400 000 Euro beliefen sich die Gesamtkosten letztlich auf 3,2 Millionen Euro. Die Lebenshilfe hat davon 990 000 Euro zu tragen, von denen derzeit ungefähr 270 000 Euro noch ungedeckt sind. Die Lebenshilfe wird deshalb bei den Zuschussgebern eine Nachfinanzierung beantragen. Dank gebührte den vielen Spendern aus der Region, durch die 165 464 Euro eingegangen sind.

"Hinter den Bewohnern, Eltern, Betreuern und Mitarbeitern liegt eine aufregende Zeit", erklärte Wohnheimleiterin Julia Böhnlein. Leben in einem Wohnheim bedeute Zusammenleben in einer Gemeinschaft und in einer großen Familie, in die sich jeder individuell einbringe. Menschen mit Behinderung hätten das Anrecht auf ein selbstbestimmtes Leben, unterstützt von den Mitarbeitern. Jeder Bewohner übernehme bestimmte Aufgaben. Wichtig sei die Zusammenarbeit mit den Eltern, die nach wie vor wichtiger Bestandteil im Leben der Bewohner blieben. Ein eigenes Zuhause bedeute Liebe, Geborgenheit und Wärme - das alles sei im Wohnheim zu spüren.


Anspruchsvolle Aufgabe

Von einer anspruchsvollen Aufgabe sprach Architekt Jörg Detsch vom Büro 3 D-Architekten-Ingenieure. Die Nutzung eines vorhandenen Gebäudes mit komplizierten Komponenten habe eine große Herausforderung dargestellt, zumal man den Bewohnern Lebensqualität, Lebensfreude, Wohlbefinden und Heimat habe anbieten wollen. Bei den gestiegenen Kosten handele es sich um eine Leistungsmehrung, da einiges am Anfang nicht vorgesehen war.
Sowohl Detsch als auch Landrat Oswald Marr gedachten Renate Döring. "Sie war die Lebenshilfe. Sie hat Verständnis geweckt und empfangen. Sie war immer die Vorreiterin. Sie hat das Leben ihrer Tochter zur Entwicklung der Lebenshilfe gemacht", lobte Marr. An die Bevölkerung appellierte er, weiterhin die Lebenshilfe zu unterstützen. Es seien noch nicht alle finanziellen Hürden genommenen, so dass diese nach wie vor auf Spenden angewiesen sei.
"Die Lebenshilfe stellt den Menschen in den Mittelpunkt", betonte Kronachs Zweite Bürgermeisterin Angela Hofmann, die den einzigartigen Charakter des Hauses voller Lebensqualität und Lebensfreude herausstellte.
Regionaldekan Thomas Teuchgräber und Pfarrerin Alina Ellgring erbaten den Segen Gottes für die Räumlichkeiten. In einem Film wurde der Alltag der Bewohner vorgestellt. Für die musikalische Umrahmung sorgten "Die Kids vom Ring". Beim "Tag der offenen Tür" machten sich viele Besucher ein Bild von den neuen Räumen. Dabei öffneten die Bewohner voller Stolz ihre Zimmer.


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