Kronach
Faust-Festspiele

Kronacher feiern neuen Mephisto der Faust-Festspiele

Uli Scherbel wird vom Kronacher Publikum bei der Faust-Premiere gefeiert. Ganz ohne Hörnchen fasziniert er in seiner teuflischen Rolle. Auch Heidemarie Wellmann kommt als Gretchen zum wiederholten Male "richtig gut" an. Wir sprachen nach der After-Show-Party mit Darstellern und Besuchern.
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Uli Scherbel als Mephisto und Daniel Leistner als Heinrich Faust harmonieren bei der Premiere am Donnerstag.  Foto: Matthias Hoch
Uli Scherbel als Mephisto und Daniel Leistner als Heinrich Faust harmonieren bei der Premiere am Donnerstag. Foto: Matthias Hoch
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Kronach ist zwar eine Stadt, Annika, Linnea und Eva sind aber trotzdem Dorfmädchen. Für einige Abende zumindest. Immer dann, wenn auf der Festung Rosenberg "Faust I" oder auch der Florentiner Hut (Galapremiere am Mittwoch, 15. Juli) aufgeführt wird. Die drei Mädchen sind mit die ersten auf der After-Show-Party, dem Empfang zu Ehren von Uli Scherbel, ihrem Schauspielkollegen wenn man so will.

Verlegen, immer wieder die Köpfe zusammensteckend, stehen sie vor der Theke. Dann greifen sie zu. Die drei Gläser am Rand sind für sie gedacht. Orangensaft, versteht sich. Aber immerhin im Sektglas. Dann werden sie nach ihrem ersten Interview gefragt. "Für die Zeitung?", fragt Linnea. Alle kichern, alle sind dabei.

Scherbel hat Lampenfieber
Der Abend, die Galapremiere der Faust I Aufführung im 20. Jahr der Faust-Festspiele von Kronach, ist etwas Besonderes für die Mädchen. Ob die Arbeit mit Uli Scherbel auch etwas Besonderes ist? "Er ist einfach cool", platzt es aus Linnea heraus. Das sehen auch die anderen beiden so. Wobei, "am Anfang habe ich ihn überhaupt nicht erkannt", gesteht Eva.

Vielleicht, weil Uli Scherbel einfach froh ist, wieder einmal länger und aus positivem Anlass in der Heimat zu sein. Und dabei auch noch seinen "Job machen darf", wie selbst sagt.

Extra aus Nürnberg gekommen
Lampenfieber hatte der geübte Musical-Darsteller vor der Faust-Premiere am Donnerstagabend trotzdem. Vielleicht sogar ein bisschen mehr als sonst, "weil die Fallhöhe viel größer ist". Nicht gut beim heimischen Publikum anzukommen wäre für ihn wie ein "Teufelsschwanz hinten dran", schmunzelt er im Nachhinein. Aber Uli Scherbel kann aufatmen. Alle schwärmen. Über ihn und vielleicht auch ein bisschen für ihn. Nicht nur im Voraus, sondern auch noch nach dem Stück auf der Premierenfeier.

Von der Kulisse ganz "hin und weg" ist Sigi Tice. Sie ist extra von Nürnberg aus nach Kronach gekommen. Wie viele, extra um Uli Scherbel in seiner Rolle als Mephisto zu erleben. Wenn es um die schauspielerische Leistung am Donnerstagabend geht, ist sie von allen überzeugt: "Unglaublich", schwärmt Sigi Tice eine halbe Stunde nach der Aufführung und beobachtet aus einer ruhigen Ecke in der Regimentsstube, wie der Star des Abends die ersten Hände schüttelt, in die ersten Kameras lächelt. "Anders, aber gut" kam der neue Mephisto bei einem Kronacher an, der trotzdem einmal betonen möchte: "Der Rainer Gräbner hat das bisher auch immer toll gemacht."

Starke Rollen
Für Ina Engelhardt war "das Gretchen richtig gut". Wie viele andere hat sie Goethes Weltliteratur in der Oberstufe gelesen. Sie hat auch schon einige andere Faust-Inszenierungen an anderen Orten, mit anderen Schauspielern gesehen, sich aber "komplett neu drauf eingelassen". Fasziniert hat sie das Gretchen. Genauer gesagt, wie Heidemarie Wellmann die Figur des Gretchens interpretiert hat. Bisher war Gretchen für Ina Engelhardt ein "naives Ding mit großen Augen". Am Donnerstag fand sie das Gretchen zwar anders, aber "richtig gut".

Neu verkörpern wollte Uli Scherbel auch den Mephisto: "Das Böse muss nicht nur eine Fratze sein, nicht immer Hörnchen haben", findet Scherbel. Sein Ziel sei von Anfang an gewesen, "Seelen zu fangen". Dafür sucht Scherbel als Mephisto während des Stücks immer mal wieder Blickkontakt mit dem Publikum, eigentlich ein "No-Go" auf der Bühne, wie er selbst sagt. Für ihn in seiner neuen Rolle gehört das Stilmittel von Anfang an zum "Subtext" dazu. Was für Scherbel nach seinem Faust-Debüt feststeht: "Es braucht nicht millionenteure Budgets." Wie Daniel Leistner die Faust-Festspiele in Scherbels Heimatstadt Kronach verwirklicht, das "fasziniert" ihn.


 


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