Kronach
Schauergeschichte

Kronacher Polizei widerspricht Gerücht über Ausländer

Ein Gerücht über Ausländer, die Verkehrsteilnehmer oder gar die Polizei nötigen, macht die Runde. Dabei gibt es keinen Beweis dafür.
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Symbolfoto: Christopher Schulz
Symbolfoto: Christopher Schulz
Viele Menschen in der Region sind hilfsbereit, doch bei manchen schlägt die Stimmung um. Die Flüchtlingsflut weckt Ängste. Einzelne Vorfälle mit Asylbewerbern in Deutschland dienen Skeptikern als Bestätigung. Gerüchte machen die Runde, entwickeln sich zu regelrechten Schauergeschichten. Auch im Frankenwald.

So sollen sich drei Ausländer in Marktrodach an einer Tankstelle ins Auto einer Frau gesetzt haben. Fahrtziel: Burgkunstadt. Die Frau, die angeblich völlig perplex von der Kasse zurück zu ihrem nun voll besetzten Wagen kam, soll schließlich die Polizei gerufen haben. Die soll erst einmal die Autofahrerin aufgefordert haben, die Leute doch zu chauffieren. Dann sollen die Beamten die drei "Fahrgäste" mit dem Dienstwagen nach Burgkunstadt gebracht haben.


Eine Geschichte - zahlreiche Versionen

Ganz andere Erkenntnisse hat ein Redakteurskollege gewonnen. "Die Polizisten wollten die drei Ausländer angeblich nicht aus dem Auto holen, um nicht in die ,rechte Ecke‘ gestellt zu werden", erklärt er, denn auch ihm ist die Geschichte zugetragen worden. Die Beamten sollen daraufhin die Fahrt mit dem Auto der Frau abgewickelt haben. Eine Bekannte berichtet unterdessen, dass die Tour von der Tankstelle in Steinbach am Wald nach Küps geführt haben soll. Außerdem sollen es vier, nicht drei Ausländer gewesen sein. Und noch jemand kennt diesen Hergang - aus Lichtenfels.

Mit diesen Geschichten konfrontiert, fragt der stellvertretende Polizeichef der Inspektion Kronach, Heinrich Weiß, wann die Tat denn passiert sein soll. "Vor etwa einer Woche", antwortet unser Reporter. Weiß kennt die Sache nochmal anders. Vor sechs Wochen sei er auf eine solche angebliche Fahrt angesprochen worden - von Kronach nach Mitwitz. Vor eineinhalb Wochen sei ihm das Gerücht erneut zugetragen worden.


Keiner kennt das angebliche Opfer

"Kein solcher Vorfall ist in der Dienststelle bekannt", erklärt Weiß. "Es gibt keinen derartigen Eintrag. Ich kann einen solchen Vorfall nicht bestätigen", stellt er fest. Auch in der Ludwigsstadter Inspektion heißt es klipp und klar, dass diese Gerüchte haltlos seien. Und die angeblich zur Fahrt genötigte Frau kennt von den empörten Erzählern niemand beim Namen. Man habe es ja nur von Dritten gehört.

Sollte es die Geschädigte doch geben, möge sie bitte Kontakt mit uns aufnehmen. Denn das wäre der einzige Weg, Klarheit zu schaffen und nicht nur Stimmung zu machen.





Kommentar von Marco Meißner


Schwarze Schafe gibt es - auf beiden Seiten

Die Situation rund um die Flüchtlinge kann Angst machen. Das ist absolut nachvollziehbar. Dass es auch unentschuldbare Zwischenfälle gibt, ist unstrittig. Dass es Menschen unter den Asylbewerbern gibt, die keinen Anspruch darauf haben, hier zu bleiben, auch daran zweifelt wohl niemand. Dass alle, die kommen, Schwarze Schafe sind, ist allerdings an den Haaren herbeigezogen.

Ja, man darf entgegen mancher Befürchtungen kritische Töne über die Flüchtlinge verlieren, die sich nicht nach den Regeln unseres Staates richten. Ihnen muss ein Riegel an der Eingangstür nach Deutschland vorgeschoben werden. Doch alle Asylbewerber unter einen Generalverdacht zu stellen, weil es einige faule Äpfel unter ihnen gibt, wäre fatal.

Bei der breiten Mehrheit der Ankommenden handelt es sich um Menschen, die vor einer existenziellen Notlage fliehen. Sie suchen Schutz, so wie es ab 1945 Millionen aus den deutschen Ostgebieten tun mussten. Sie hoffen auf ein besseres Leben in Frieden und Freiheit, so wie es zur Wiedervereinigung die Bürger der DDR taten. Auch diese Menschen kamen - unverschuldet - mit leeren Taschen. Und ebenso wie der größte Teil der Flüchtlinge heute kamen sie nicht, um Unruhe zu stiften.

Wer in diesem Moment Gerüchte in die Welt setzt, um Stimmung zu machen, zündelt an einer gefährlichen Lunte. Auch das sollten gerade wir Deutsche aus unserer jüngeren Geschichte wissen. Gibt es konkrete Vorfälle, dann werden die Medien auch darüber berichten. Kommt jemand auf uns zu und steht mit seinem Namen zu solchen Vorwürfen, werden wir den Dingen gerne auf den Grund gehen. Und die Medien werden in solchen Fällen sicher dazu beitragen, faule Äpfel auszusortieren. Wer jedoch bloß gefrustet Parolen in den Wind bläst oder gar, wie in Sachsen, privates und staatliches Eigentum beschädigt, um seinen Ärger abzureagieren, sollte sich gut überlegen, was ihn von den Schwarzen Schafen unter den Flüchtlingen unterscheidet.

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