Steinwiesen
Diskussion

Kronacher Forst lässt sich auf Dialog zum Nationalpark ein

MdL Jürgen Baumgärtner und die Forstdienstleister aus dem Kreis Kronach und seinem Umfeld diskutierten fair über einen möglichen Nationalpark Frankenwald.
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Jürgen Baumgärtner sprach in Steinwiesen zu den Forstdienstleistern. Foto: Marco Meißner
Jürgen Baumgärtner sprach in Steinwiesen zu den Forstdienstleistern. Foto: Marco Meißner
Um 19 Uhr begann MdL Jürgen Baumgärtner (CSU) seine Rede im mit 14 Zuhörern mager besetzten Gewölbe des "Goldenen Ankers". Doch das war nur eine Momentaufnahme. Schon bei seinem zweiten Satz strömten zahlreiche Gäste herein. Alle in Grün. Alle mit der Aufschrift "Nationalpark - nein danke!" auf dem T-Shirt.

Diese Forstdienstleistenden sprachen über Existenzängste, seit der mögliche Nationalpark Frankenwald diskutiert wird. Sie sprachen davon, dass sie stolz auf "ihren" Wald sind. Und sie befürchteten, dass der Speckgürtel um die Metropolen weiter wächst, während sich hier "der Naturschutz austobt" und "einen Geisterwald wie im Bayerischen Wald" produzieren werde, der dann auch keinen Touristen mehr als heute anlocken könne.

Baumgärtner wies darauf hin, dass es ihm an diesem Abend darum gehe, "in aller Sachlichkeit mit den Forstdienstleistern zu sprechen". Der Grund dafür: die von seiner Initiative ausgehende Diskussion um einen möglichen Nationalpark Frankenwald. Der Abgeordnete versicherte, in seiner Meinung noch nicht auf ein Ja zu einem Nationalpark festgelegt zu sein. Doch seiner Ansicht nach müsse man über eine solche Möglichkeit reden. Deshalb forderte er zu einem "ordentlichen und anständigen Dialog" auf. Und auch dazu, zu berücksichtigen, dass nicht nur die Walddienstleister in dieser Diskussion eine Rolle spielen, sondern viele Bevölkerungsgruppen. Und weiter: "Es darf keine Verlierer geben."


Kritisch hinterfragt

Ein Giftinger erklärte, dass auch zukünftige Generationen vom Wald leben können müssten. Ein plötzlicher Stopp bei Waldnutzung und -umbau sei "ein absoluter Wahnsinn". Wer Brennholz brauche, dem könne er sonst nur noch raten: "Österreich oder Öl!" Auch die These, dass der Borkenkäfer im Park wirklich eingedämmt werden könnte, wurde kritisch hinterfragt.

Ein weiterer Zuhörer aus Gifting sorgte sich darum, Pleite zu gehen, wenn der Nationalpark seine Aufträge zunichte machen sollte. Angefügt wurde von einem Mitwitzer, dass "Forstwirtschaft auf einem sehr hohen Niveau" im Frankenwald geleistet werde und dass Holzimporte aus dem Ausland drohten. Er sprach auch von einem regional wachsenden Verdrängungswettbewerb in der Branche. Die 500 kalkulierten Meter Flugweite für den Borkenkäfer zweifelte ein Redner ebenfalls an. In drei Generationen, also in einem Jahr, seien sogar 1500 Meter bei der Verbreitung denkbar.

Ein auswärtiger Forstdienstleister rechnet mit millionenschweren Steuerverlusten und Einnahmeausfällen, wenn der Park kommen sollte. Dieses Geld sollte besser in die Kernkompetenz des Frankenwaldes investiert werden - die Nutzung des Holzes. Er sprach zum Beispiel ein Kompetenzzentrum für diesen Berufssektor an.

"Ich weiß über Forstwirtschaft nix", unterstrich der Abgeordnete angesichts der vielen Zahlen und Fakten, die auf ihn einprasselten. "Deswegen bin ich ja hier - um zu lernen." Und Vorschläge wie der letztgenannte seien für ihn sehr wertvoll.


Nur vereinzelt Zwischenrufe

Die Kernzone für einen Nationalpark umfasse in Bayern circa 7500 Hektar, erkärte er auf Anfrage. Etwa 2500 Hektar an Pflegezone käme hinzu, erläuterte er. Die 7500 Hektar sollen seiner Aussage nach nicht von heute auf morgen, sondern über Generationen entstehen. Im Bayerischen Wald laufe dieser Prozess über beinahe 60 Jahre. Baumgärtner betonte auch, dass es ihm sicher nicht darum gehe, einen funktionierenden Wirtschaftszweig im Landkreis an die Wand zu fahren, bloß um einen Nationalpark zu bekommen - für den das Ja im Übrigen noch lange nicht feststehe. Was er zusage, müsse auch notariell besiegelt werden, damit sich später niemand politisch aus der Affäre ziehen könne.

Insgesamt verlief die etwa 100-minütige Diskussion sehr sachlich. Nur vereinzelt wurden Zwischenrufe laut: "Wir wollen unseren Wald behalten!" Denen hielt Baumgärtner entgegen: "Lasst es uns doch erst angucken." Es gehe nicht allen Gruppen in der Region gut. Deshalb müsste man die Möglichkeit sachlich abklopfen, dass der Nationalpark eine Chance für die Region werden könnte. Und jetzt zu sagen, er wisse auf alle Fragen eine Antwort, wäre unseriös. Es sei die Zeit "ganz, ganz lange und ganz, ganz viel zu diskutieren", darüber wo Vor- und Nachteile liegen.

Man solle auch den Entscheidungsträgern in der Politik zugestehen, zuzuhören, nachzudenken und abzuwägen, ob der Park eine Chance ist oder nicht. Das sei nichts anderes, als auch jeder für sich tue, der sich zu einer selbstständigen Tätigkeit im Forst entscheide - weil er darin eine Chance sehe.

Für viele Ideen dieses Tages sei er sehr dankbar, betonte der Abgeordnete. Bei den Forstdienstleistern sei nach einem etwas holprigen Start eine kreative Stimmung zu spüren und ebenso eine konstruktive Beteiligung. Hier werde nicht nur gejammert wie bei anderen Verbänden, so Baumgärtner.
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